Schmerztherapie allgemein!

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Albatros
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Albatros »

Guten Morgen an Alle,

vor einiger Zeit (Mai/Juni) hatte ich hier einen Thread eröffnet: "Ausschleichen von BTM-Pflaster" in dem ich euch von Horst's Problemen mit den Schmerzmedis berichtete. Horst hatte im Dezember seine Whipple.
Lt. der Schmerztherapeutin sollte Horst damals unbedingt einen "Spiegel" des Schmerzmedis (Tilidin) erreichen und auch halten. Da Horst zu dem Zeitpunkt immer noch das BTM-Pflaster (wie bei Tom anfangs 50 mµ) hatte, konnte er s.M. nach die Schwere der Schmerzen gar nicht richtig beurteilen. Wie damals berichtet, hat er es geschafft ALLE Schmerzmedis abzusetzen :!: Er nimmt bis heute absolut kein Schmerzmedi mehr, obwohl er mehrmals täglich "kleinere" (ca. 5 Min. dauernde) Schmerzattacken hat. Allerdings muß ich wohl anmerken, dass Horst wieder in seinem megaharten, körperlich sehr anstrengenden Beruf in einer Walzengießerei arbeitet :!: :!: Dass er das jemals wieder schafft, daran haben weder die Ärzte, Krankenkasse, Rentenversicherung noch die Angehörigen (mich eingeschlossen :oops: ) geglaubt. Ich bin MEGASTOLZ auf ihn :!: :!:

@ Tom
Die Pflaster sollten niemals durchgeschnitten werden! Es gibt die Fentanyl/Durogesic-Pflaster auch in der Stärke 12 oder 12,5 mµ. Wir haben damals in 12 (12,5) mµ Schritten abgesetzt. Das ist auf alle Fälle schonender für den Körper, da der Entzug (Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit,Zittern etc.) sich nicht ganz so heftig bemerkbar macht.

Ich wünsche Euch noch einen möglichst beschwerdefreien Tag und passt gut auf euch auf!
Liebe Grüße
Albatros

Das Leben ist wie ein Spiegel:
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TomRZ
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von TomRZ »

An Corinna B.

vielen Dank für den Hinweis auf Prof. Klapdor. Ich warte erst mal ab, was mein Internist vor Ort herausfindet und daraus ggf. als Behandlung ableitet. Sollte nichts herauskommen, werde ich weitersuchen.


An Nabuko,

Du schreibst, dass Du die Schmerzmittel nur nimmst, wenn Du es nicht mehr aushältst. Diese Einstellung hatte ich früher auch.

Gerade das ist jedoch gefährlich im Hinblick auf die Entwicklung einer Abhängigkeit, vor allem einer psychischen. Der Grund: Du hast ein 'Belohnungserlebnis', wenn die Schmerzen nachlassen und dann noch die beruhigende Wirkung einsetzt.

Mir wurde gesagt es sei besser einen Pegel aufzubauen und zu halten, bei dem man schmerzfrei ist, um das Risiko einer Abhängigkeit zu mindern.

Einen schönen Tag und viele Grüße,
Tom
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Lutz Otto
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Lutz Otto »

TomRZ hat geschrieben:

Mir wurde gesagt es sei besser einen Pegel aufzubauen und zu halten, bei dem man schmerzfrei ist, um das Risiko einer Abhängigkeit zu mindern.


Tom
Genau so wird es in einer gezielten Schmerztherapie angewendet. Meist Retard - Medikamente, welche im Abstand von 8 Stunden eingenommen werden um einen gewissen " Spiegel" konstant zu halten. Ausgenommen selbstverständlich die hier schon erwähnten Pflaster.

LG Lutz
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Martin R.
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Martin R. »

Lutz hat geschrieben:
TomRZ hat geschrieben:

Mir wurde gesagt es sei besser einen Pegel aufzubauen und zu halten, bei dem man schmerzfrei ist, um das Risiko einer Abhängigkeit zu mindern.


Tom
Genau so wird es in einer gezielten Schmerztherapie angewendet. Meist Retard - Medikamente, welche im Abstand von 8 Stunden eingenommen werden um einen gewissen " Spiegel" konstant zu halten. Ausgenommen selbstverständlich die hier schon erwähnten Pflaster.

LG Lutz

Sehe das genau so wie Lutz. Eine dauerhafte Sedierung der Schmerzen mit den Retardpräperaten ist der richtige Weg. Ansonsten steigt das Risiko der Sucht erheblich.

Bin seit 30 Jahren Schmerzpatient und seit ca. 15 Jahren auf Opiate eingestellt.
Habe also den ganzen Katalog der gängigen Präperate mitgemacht.
Sehr oft wird von den Ärzten "vergessen", dass Morphine bei krampfartigen Schmerzen nicht das richtige Medikament ist, da Morphine die Krämpfe verstärken können.
In diesem Fall behelfe ich mir mit Novalgin und Buscopan.

Ich kann jedem Betroffenen nur raten, eine Schmerzklinik aufzusuchen, um otimal eingestellt zu werden.

Ein Hausarzt kann das alles nicht wissen, er muß in soviel Bereichen kundig sein, dass die Schmerztherapie nicht immer sein "Steckenpferd" ist.

Nicht vergessen, immer viel Wasser trinken. Das ist sehr wichtig bei Einnahme dieser Medis.
Alles Gute
LG aus Oberbayern

Martin
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Reinhard
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Reinhard »

Hallo,
habe, als ich Schmerzen hatte, die zwar gerade noch auszuhalten waren aber in der Summe es mir nicht möglich machten, überhaupt noch am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Darauf habe ich Tillidin bekommen und es ging besser.
Bei krampfartigen Schmerzen hilft das Zeug nicht. Hab mich aber davon verabschiedet, weil die Suchgefahr enorm ist.
Nur wenn es gar nicht mehr geht, nehme ich noch was.
Auffällig ist, wenn vorher nicht gegen gesteuert wird, die Mühen beim Stuhlgang. Manchmal sitzt man da richtig in der Klemme, es geht nichts vor und zurück. Eben weil das so extrem widerlich ist, hab ich (auch auf Reisen) immer "Mikroklist" dabei.
Lieben Gruß
Reinhard
Corinna B.
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Corinna B. »

"Mir wurde gesagt es sei besser einen Pegel aufzubauen und zu halten, bei dem man schmerzfrei ist, um das Risiko einer Abhängigkeit zu mindern."
Tom

Da wird mir aber komisch beim lesen. Schmerzmittel als Belohnung ? Besser einen Pegel halten damit keine Sucht aufkommt???
Ist auch darauf hingewiesen worden das das ja heißt: man erwartet Schmerzen??

Gedankenverbindung - Pegelsäufer. Dann sind die nicht Alkoholabhängig weil sie immer einen Pegel getrunken haben ?
Mit lieben Gruß
Corinna B.

Wenn dies unser letzter Tag auf Erden wäre, würden wir ihn dann nicht lieber mit Liebe statt mit Verurteilungen verbringen?
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Lutz Otto
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Lutz Otto »

Corinna B. hat geschrieben: Ist auch darauf hingewiesen worden das das ja heißt: man erwartet Schmerzen??
Genau das ist der Sinn einer gezielten, intensiven Schmerztherapie.
Einen sogenannten " Spiegel" um den sonst fast regelmäßigen/täglichen Schmerzen konstant entgegen zu wirken. Ich schreibe hier nicht von Patienten/Betroffenen die mal hin und wieder Schmerzen zu beklagen haben, was sicherlich auch nicht schön ist. Du kannst es sicherlich auch so ausdrücken, bei nicht konstanter Einnahme erwartet man Schmerzen, welche bei einem chron. Schmerzpatient sicherlich auch dann eintreten werden.

LG Lutz
Ein herzlichen Gruß aus Magdeburg

Lutz Otto

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yasmin75
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von yasmin75 »

das ist einfach erklärt,
wenn man nur Opiate nimmt wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind,merkt sich das Gehirn das viel Präziser als Belohnung und Erleichterung.Wenn man diesen Pegel aber kontinuierlich hat(man wird natürlich von beiden Seiten aus gesehen abhängig)nur ist der Unterschied darin,wenn es mal dazu kommt das das ganze Ausgeschlichen werden soll,da? bei den Patienten die einen kontinuierlichen Pegel hatten schneller davon los kommen als die Patienten,die nur die Opiate nahmen als die Schmerzen am heftigsten waren.
Hinzu kommt ja noch das diese medis auch Stimmungsaufhellend sind und man dann eher dazu neigt diese zu nehmen auch wenn man keine Schmerzen hat und exackt da zeigt sich das extreme Suchtverhalten.
Genauso sieht es mit den gelegenheits Rauchern aus,das sind meistens die jeniegen die es fast nie schaffen aufzuhören.
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Martin R.
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Martin R. »

Lutz hat geschrieben:
Corinna B. hat geschrieben: Ist auch darauf hingewiesen worden das das ja heißt: man erwartet Schmerzen??
Genau das ist der Sinn einer gezielten, intensiven Schmerztherapie.
Einen sogenannten " Spiegel" um den sonst fast regelmäßigen/täglichen Schmerzen konstant entgegen zu wirken. Ich schreibe hier nicht von Patienten/Betroffenen die mal hin und wieder Schmerzen zu beklagen haben, was sicherlich auch nicht schön ist. Du kannst es sicherlich auch so ausdrücken, bei nicht konstanter Einnahme erwartet man Schmerzen, welche bei einem chron. Schmerzpatient sicherlich auch dann eintreten werden.

LG Lutz
Stimmt, meine Aussagen beziehen auch in erster Linie auf chronische Schmerzpatienten.
Bei Schmerzen die nicht dauerhaft auftreten, sondern nur bei z.B. "akuten Schüben", sollte man sicherlich anders vorgehen und nur den Akutschmerz behandeln.
LG aus Oberbayern

Martin
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Martin R.
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Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Martin R. »

yasmin75 hat geschrieben:das ist einfach erklärt,
wenn man nur Opiate nimmt wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind,merkt sich das Gehirn das viel Präziser als Belohnung und Erleichterung.Wenn man diesen Pegel aber kontinuierlich hat(man wird natürlich von beiden Seiten aus gesehen abhängig)nur ist der Unterschied darin,wenn es mal dazu kommt das das ganze Ausgeschlichen werden soll,da? bei den Patienten die einen kontinuierlichen Pegel hatten schneller davon los kommen als die Patienten,die nur die Opiate nahmen als die Schmerzen am heftigsten waren.
Hinzu kommt ja noch das diese medis auch Stimmungsaufhellend sind und man dann eher dazu neigt diese zu nehmen auch wenn man keine Schmerzen hat und exackt da zeigt sich das extreme Suchtverhalten.
Genauso sieht es mit den gelegenheits Rauchern aus,das sind meistens die jeniegen die es fast nie schaffen aufzuhören.
Ja das trifft auch den Kern der Sache. Die klinischen Tests und Statistiken bestätigen das auch.
Trotzdem ist auch bei dauerhafter Retardeinnahme ein "Suchtpotential" vorhanden, aber möglicherweise nicht so stark und etwas leichter "auszuschleichen".
LG aus Oberbayern

Martin
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