chronische Schmerzen nach 2 krebs op

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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sonja1973
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chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von sonja1973 »

Hallo zusammen,
mein Mann wurde im Juli 2009 pyloruserhaltend gekopfwhippelt, hatte aber leider nach noch nicht mal einem Jahr ein Rezidiv. Auch da konnte wieder alles rausoperiert werden. Leider hat es einige Monate (mit schmerzen )gedauert bis man zu der Diagnose kam und er operiert wurde. Er hat aber jetzt immer noch starke schmerzen und hat Morphinsulfat 2x30mg und Effentora nach Bedarf als medikation erhalten..also ziemlich starke schmerzmittel. Die Ärzte sprechen von chronischen Schmerzen. Was heißt das jetzt genau, wird er immer diese starken Mittel nehmen müssen oder kann das wieder alles besser werden??? Gibt es jemanden, der ähnliche Probleme hat/hatte??
Danke!
Gruß Sonja
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Lutz Otto
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von Lutz Otto »

Hallo Sonja,

leider schreibst du nicht, ob dein Mann als Patient in einer Schmerzambulanz / Praxis in Behandlung ist, wovon ich bei der Medikation mal ausgehe.

Nach zwei voran gegangenen Bauchspeicheldrüsen - Op wurde ich nie schmerzfrei und hatte fast tägliche Schmerzen zu beklagen.
Eine organische Ursache wurde nie ganz ausgeschlossen, jedoch wird eher vermutet dass sich ein chron. Schmerzsyndrom entwickelt hat. Seitdem ( jetzt sieben Jahre ) bin ich Schmerzpatient. Es hat lange gedauert, bis ich optimal eingestellt war. Bis dahin wurden die Medikamente diverse Male umgestellt wobei das Schmerzprotokoll wichtiger Bestandteil der Therapie war. Parallel zur Schmerztherapie bin ich bei einer Neurologin in Behandlung. Beide Ärzte stehen im regen Austausch. Viele Schmerzpatienten bekommen parallel noch Antidepressiva . Einige Schmerzpatienten sind so psychisch belastet, weil sie sich primär nur noch auf den Schmerz konzentrieren, wobei dann eine begleitende psychotherapeutische Behandlung Sinn macht.
Heute bin ich sehr gut eingestellt und muss nur selten auf das Bedarfsmedikament zurück greifen. Mir wurde durch die gezielte Schmerztherapie ein Großteil an Lebensqualität zurück gegeben worüber ich froh bin.

Hier im Forum ist noch Martin R. seit vielen Jahren chron. Schmerzpatient und meldet sich vielleicht noch zu diesem Thema. Ansonsten kannst du ihm sicherlich auch einmal per PN kontaktieren.
Ein herzlichen Gruß aus Magdeburg

Lutz Otto

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sonja1973
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von sonja1973 »

Hallo Lutz,
vielen lieben Dank fuer deine Antwort.
Mein Mann hat die Medikamente nach seiner zweiten OP bekommen von einem Schmerztherapeuten aus der Klinik..ansonsten haben wir da keinen speziellen Arzt. Anfang September faehrt er nach Bad Driburg zur Kur und ich hoffe, das es da Aerzte gibt, die ihm in der Richtung weiterhelfen koennen. Ich hab im Moment auch das Gefuehl das es so eine Kopfsache ist, da er bedingt durch den Tumor an der Niere 3bis4 Monate mit starken Schmerzen gelebt hat bis man dann endlich die Ursache gefunden hat. Nur leider sind diese Medikamente sehr stark, so dass er immer (meistens ) benommen wirkt. Auf Dauer auch kein Zustand.Antidepressiva hat er schon vor der 2 Op angefangen zu nehmen.
Ich erhoffe mir viel von der Reha, vielleicht kann ihm da jemand helfen.

Viele Gruesse
sonja
uwe
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von uwe »

Hallo Sonja,
hoffentlich kommt er in die Klinik Rosenberg nach Bad Drieburg und nicht in ein anderes Haus!!!.
Ich habe in meiner Reha dort ne Menge gelernt.
In der Klinik Rosenberg sind auch ständig andere Pankreaspatienten mit denen er sich dort austauschen kann.
Sag doch mal Bescheid was geplant ist.
Bis dann
uwe
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Lutz Otto
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von Lutz Otto »

Hallo Sonja,

meiner Meinung nach solltet ihr gezielt nach einem geeigneten Schmerztherapeut bzw. Schmerzklinik in eurer Nähe suchen.
Wenn ich das jetzt richtig interpretiere wurden deinem Mann in einem Klinikaufenthalt diese Schmerzmedikamente verordnet und seitdem verordnet sie wahrscheinlich ohne jeglicher richtigen Nachkontrolle /Gespräche / Auswertung sein Hausarzt. Meiner Meinung hat das nichts mit einer gezielten Schmerztherapie zu tun. Du schreibst das dein Mann meist wie " benommen " wirkt. Gerade darum macht es Sinn ein Schmerzprotokoll ( Stärke Schmerzskala, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit ) zu führen und dieses auch engmaschig mit einem Schmerztherapeuten / Facharzt auszuwerten. Durch die erwähnten " Nebenwirkungen " kann der Arzt verschiedene Medikamente einsetzten / wechseln um dann ein gut verträgliches Schmerzmedikament zu wählen / finden. Ihr solltet deshalb in eurer Region einen guten Arzt suchen. Meist haben größere Kliniken eine Schmerzambulanz im Haus - auch für ambulante Patienten. Eine weitere Möglichkeit ist, bei der Ärztekammer nach einem geeigneten Arzt zu fragen. Nur so kann eine gute, gezielte Schmerztherapie erfolgen, was gerade für deinem Mann wichtiger Bestandteil einer Therapie sein wird. In Bad Driburg wird ja dein Mann nur für Wochen sein. Was soll danach geschehen ?
Ein herzlichen Gruß aus Magdeburg

Lutz Otto

AdP e. V. - Vorstrandsvorsitzender
sonja1973
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von sonja1973 »

Hallo Uwe,
mein Mann fährt am 02.09.nach Bad Driburg und zwar in die Klinik Rosenheim, hab schon von einigen Gewhippelten die Empfehlung für dieses Haus bekommen. Wie gesagt, hoffe, das man ihm da helfen kann. Er wiegt zur Zeit bei einer Größe von 181cm nur 54kg, nicht wirklich viel. Hab ich das richtig in Erinnerung, dass du auch selbstständig bist? Wenn ja, wie meistert du das alles Krankheit und Beruf?Hast du in der Reha einges lernen können bzw. auch an Gewicht zulegen können?

Hallo Lutz,
hab da mal ein Frage bzgl. der chronischen Schmerzen. Wenn ich das richtig verstehe , gibt es bei chronischen Schmerzen keine organische Ursache so wie bei akuten Schmerzen und es ist einfach so, dass das Gehirn die Signale sendet : schmerzen!!Wie gesagt, mein Mann hatte über 3-4 Monate starke Schmerzen bis man die Ursache gefunden hatte. Wenn dem so ist, ist es nicht möglich dies wieder zurück zu "programmieren" ? Zumindest stell ich mir das so vor. Es kann doch keine Lösung sein, auf Dauer solche starken Medikamente zu nehmen?



Schönen Gruß
Sonja
Corinna B.
Beiträge: 732
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von Corinna B. »

Hallo Uwe, die Rosenberg Klinik ist sicherlich die erste Wahl, da sie viel Erfahrung mit Pankreaserkrankungen hat, aber auch die Caspar Friedrich ( oder wars der Heinrich) ist nicht schlecht. Die haben zwar nicht soviel Pankreaoperierte, dafür aber Diabetiker, Menschen mit Diverticulose etc. Die wissen schon was sie mit einem Pankreasoperierten anstellen müssen und können. Die Ärzte und Mitarbeiter sind sehr wissbegierig und engagiert. Ich habe mich da sehr gut aufgehoben, beraten, physiotherapeutisch und medizinisch versorgt gefühlt. Und selber aus dem medizinischen Bereich kommend bin ich sehr kritisch und aufmerksam.

Hallo Sonja,
wenn du unter Wikipedia "Schmerztherapie" eingibst, bekommst du eine sehr guten ausführlichen Artikel.
Es gibt durchaus den "Unterschied" Schmerztherapie und Pallativtherapie, wobei letzteres ersteres natürlich mit einbezieht.
Der Körper eines Lebewesens hat eine "Schmerzerinnerung", bei manchen Menschen verfestigt sich das nach erfolgreicher "Heilung", das heißt sie haben weiterhin ein starkes Schmerzempfinden. Das heißt sie sollten dann dann in eine Schmerztherapie gehen , die so umfassend und übergreifend - wie bei Lutz - sein sollte. Einfach "umprogrammieren" kann man versuchen,soll auch teilweise Erfolge haben. Das Limbische System, das für u.A. für Empfindungen, also auch Schmerzen zuständig ist, ist direkter Nachbar von unserem Stammhirn ( auch Reptilienhirn genannt), bzw. ummantelt es. Ich glaube beide Hirnteile werden in ihrer Funktion unterschätzt und wenn unserer ältestes Hirn nicht will, dann klappt das nicht mit der psychologischen Schmerztherapie.
Ich glaube das bei deinem Mann aufgrund der schweren Erkrankungen wirklich eine sehr gute Schmerztherapie in Angriff genommen werden sollte. Aber ich glaube da kann dir Lutz wirklich gut mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Mit lieben Gruß
Corinna B.

Wenn dies unser letzter Tag auf Erden wäre, würden wir ihn dann nicht lieber mit Liebe statt mit Verurteilungen verbringen?
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Lutz Otto
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von Lutz Otto »

Hallo Sonja,

den Erläuterungen von Corinna ist glaube ich nichts hinzu zu fügen. Sie hat deine Frage eigentlich schon beantwortet, besser hätte ich es auch nicht machen können.

Mein Tipp: um die Nebenwirkungen wie von dir geschildert auszuschließen ( Benommenheit etc ) macht es bei deinem Mann wirklich Sinn, sich in eine gezielte Schmerztherapie zu begeben. Was bringt " euch " wenn dein Mann schmerzfrei ist aber dafür andere Symptome zu verzeichnen hat ? Wie ich dir schon geschrieben habe, wird gerade in einer Therapie versucht den Patienten konstant schmerzfrei zu bekommen und dieses ohne oder wenigen Begleiterscheinungen. Dies kann aber nur durch intensive Gespräche und Führung eines lückenloses Schmerzprotokolls geschehen. Darin wird nicht nur die Schmerzstärke, sondern auch z.B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Verstopfungen etc. festgehalten. Alle diese Symtome werden in einer guten Schmerztherapie mit berücksichtigt.Sicherlich wird es dann auch " Ausrutscher "geben , welche dann aber überschaubar sein sollten. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, das ich meine Umwelt täglich nicht richtig wahr nehmen kann, weil ich wie benommen bin. Dieses Zustand ist doch sicherlich auch für deinem Mann und eurer Familie nicht befriedigend. Was mir allerdings immer noch unerklärlich ist, das dein Mann in einem KH - Aufenthalt starke Medikamente verordnet bekommen hat ( sicherlich BTM - Rezept ) und diese dann ohne jeglicher Auswertung, intensiver Betreuung weiter verordnet werden. Hier ist meiner Meinung nach, schon etwas von den Ärzten versäumt wurden. Welche Möglichkeiten ihr habt um einen geeigneten Schmerztherapeuten zu finden, habe ich dir ja oben schon genannt. Solltest du weitere Fragen haben, so kannst du dich gerne jederzeit melden, vielleicht kann ich dir die eine oder andere Frage als Betroffener beantworten.
Ein herzlichen Gruß aus Magdeburg

Lutz Otto

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Martin R.
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Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von Martin R. »

Hallo Sonja,

war im letzten halben Jahr leider kaum im Forum. Jetzt werde ich wohl wieder häufiger an Bord sein.

Zu dem Thema Schmerzen und Medikamente hast Du ja schon alles wissenswerte erfahren.
nehme auch seit 20 Jahren Schmerzmittel und seit so 15 Jahren Morphine.

Bei Deinem Mann würde ich nochmal den Ablauf der REHA abwarten, bzw. ob ein wirklicher Schmertherapeuth dies in den Griff bekommt.

Solltest Du noch weitere Erfahrungswerte von mir wünschen, schreib mir einfach eine PN.
LG aus Oberbayern

Martin
sonja1973
Beiträge: 18
Registriert: 29. Januar 2010, 23:23

Re: chronische Schmerzen nach 2 krebs op

Beitrag von sonja1973 »

Danke für Eure Erfahrungsberichte..

Werden abwarten , wie es sich in der Reha entwickelt und dann schauen wir weiter...kann ja nicht allzu schwer sein die Medikamente runter zu dosieren, damit man noch einigermaßen klar ist.

Gruß
Sonja
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