Mut machen ausdrücklich erwünscht

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Lieschen
Beiträge: 7
Registriert: 14. August 2012, 08:37

Mut machen ausdrücklich erwünscht

Beitrag von Lieschen »

Hallo, bin ganz neu hier und möchte meine Geschichte erzählen. Vielleicht gibts ja jemanden unter Euch, dem es so geht wie mir..
Am 17.7. wurde bei mir die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt. Nach jahrelangen akuten Pankreatiten (Pankreasdivisum, Verengung der Minorpapille) und zuletzt einer GallenblasenOP war das jetzt das Finale. Nötig wurde das, weil man kurz nach der GallenblasenOP Tumorzellen in einem Gallengang gefunden hatte. Tja, leider war der Tumor auch schon drei cm groß und vier Lymphknoten befallen. Also raus damit - war auch eh nicht mehr viel da, denn 2000 habe ich schon den Pankreasschwanz eingebüßt: Borderline-Tumor mit 13cm Durchmesser. Das Leben danach war aber bis auf die Pankreatiten so alle zwei Jahre normal. Das sieht jetzt ganz anders aus: der Bauchschnitt verheilt zwar gut, und der Port ist auch schon implantiert (da hatte ich riesige Angst vor), so daß nächste Woche die erste Chemo laufen kann, aber die Diabetes und vor allen dieses Kreon brauchen doch etwas Gewöhnung. Ich glaub, ich hab noch nie so viel über Stuhlgang geredet wie in den letzten drei Wochen...
Ich bin mit einem Laden selbstständig - den muss ich leider jetzt verkaufen, was mir einerseits das Herz bricht (ich gehöre zur seltenen Spezies, die ihren Traumberuf hat und jeden, wirklich jeden Tag gern zur Arbeit gegangen ist), andererseits aber unumgänglich ist, denn Krankheit und Vollzeitjob schaffe ich nicht. Leider ist das Ganze auch noch im Aufbau, so daß ich nach Abwicklung wohl zum Sozialfall werde. Zum Glück lebe ich nicht allein...
Ich glaub, ich halte mich ganz tapfer, aber trotzdem erwischt mich manchmal das Gefühl, Gott hätte das Licht in meinem Leben ausgemacht. Die Ärzte geben ja keine Wahrscheinlichkeitsrechnungen ab, und vermutlich ist das auch ganz gut so, aber ich würde so gern von jemanden hören, der ähnlich erkrankt war wie ich und noch lebt...
Bin erst Mitte 40 und lebe in Hamburg, hab hier ein ganz gutes Krankenhaus, was mich auch schon lange betreut (Israelitisches Krankenhaus), hab aber weder dort noch bei dieser diabetologischen Schulung jemanden wie mich getroffen...
HoKa
Beiträge: 175
Registriert: 7. Januar 2012, 12:27
Wohnort: Sachsen-Anhalt

Re: Mut machen ausdrücklich erwünscht

Beitrag von HoKa »

Hallo Lieschen,

ich weiß zwar nicht wie, aber ich mach dir mal Mut und schick dir ein großes Kraftpaket :!: :zw:

Ich selbst bin nicht betroffen, aber mein Mann (chron. Pankreatitis, letzter Schub Dez.11)... allerdings wenn ich dein Posting lese, so macht das mir/ uns eher Mut, denn es strahlt Zuversicht aus, trotz dieses großen Eingriffs, den du überstanden hast... :!:
Ich hab unwahrscheinlichen Respekt vor dir und wünsch dir von Herzen alles Gute :!:

Lieber Gruß
Kathrin
*Was auch immer gut für deine Seele ist: MACH ES!*
Lieschen
Beiträge: 7
Registriert: 14. August 2012, 08:37

Re: Mut machen ausdrücklich erwünscht

Beitrag von Lieschen »

Liebe Kathrin, lieber Holger,
vielen Dank für Euer großes Kraftpaket, das kann ich gut gebrauchen! So langsam rückt die erste Chemo näher und damit auch die Angst... Und die anderen Baustellen gibt es ja auch noch, seufz! Aber es gibt ja auch Positives: ich wach nicht mehr jeden Tag mit Magenschmerzen auf, scheint also so zu sein, daß mein Magen und Darm inzwischen "lernt" mit der neuen Situation umzugehen. In meiner Diabetes-Schulung hier in Hamburg sitzt auch jemand mit chronischer Pankreatitis, dem allerdings auch schon ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt wurde. Der muss jetzt spritzen, aber noch kein Kreon nehmen. Auch ihn hat es beruhigt, daß man ohne Bauchspeicheldrüse leben kann.
Ich hab das auch nicht gewusst, aber nach der Krebsdiagnose waren sich der Chirurg und der Professor einig: komplett raus! Wie sagte der Professor so schön: "Die Bauchspeicheldrüse ist ein agressives Organ, wer wüßte das besser als Sie - und was nicht mehr da ist, kann sich nicht mehr entzünden" Aber ob ich ohne den Krebs diesen Schritt gewagt hätte? Eher nicht, ich hätte um jedes Stück hart verhandelt. Aber nun ist es so, und ehrlich, das Spritzen ist das Kleinste! (Hier spricht die absolute Spritzen-Phobikerin - ich heule wie ein kleines Kind, wenn Blut abgenommen oder eine Braunüle gelegt wird!)
Euch beiden alles Gute - möge der nächste Schub noch laaange auf sich warten lassen!

Alles Liebe
Lieschen
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Tina R.
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Re: Mut machen ausdrücklich erwünscht

Beitrag von Tina R. »

Grüß Dich Lieschen, :hallo:

ich selber habe zwar "nur" eine Whipple OP hinter mich gebracht und auch so diverse Probleme, aber Dein Schicksal ist schon sehr außergwöhnlich und ich ziehe den Hut vor Dir!! Es tut mir ganz arg leid, dass Du Deinen Laden, in den Du so viel Herzblut gesteckt hast, verkaufen musst. Du strahlst trotzdem so viel Lebensmut aus und das finde ich toll. Trotz Deinem verständlichen Kummer über Deine Lebenssituation kommst Du überaus positiv und stark herüber!! Vielleicht hilft es Dir, dass ich in der Reha einen Mann kennengelernt habe, der schon seit ganz vielen Jahren ohne Bauchspeicheldrüse lebt und sich nach einer gewissen Umstellungsphase irgendwann super wohl gefühlt hat und eigentlich der Fitteste und Fröhlichste in unserer Gruppe war. Er war lediglich zur "Erholung" in der Kur und er hat wirklich einen tollen Eindruck bei mir hinterlassen.

Ich wünsche Dir nun, dass Du die Chemo so unbeschadet wie möglich hinter Dich bringen wirst, schicke Dir auch ein virtuelles Kraftpaket und möchte Dir Mut machen auch weiterhin so zu kämpfen. Ich wünsche Dir, dass es Dir so ergeht wie dem tollen Mann, den ich in der Reha kennengelernt habe!
Alles erdenklich Gute und Liebe
von Tina
:daumenh:
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