Mehrbedrf bei Grundsicherung

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Zippo
Beiträge: 4
Registriert: 3. April 2013, 16:24

Mehrbedrf bei Grundsicherung

Beitrag von Zippo »

Hallo Leidensgenossen!
Ich bekomme wegen dauerhafter Krankheit (die wir wohl alle haben) leider nur Grundsicherung da Ich wegen Selbsstaendigkeit
nicht anstaendig vorgesorgt hatt.
OK, kann Ich nicht aendern aber jetzt seht die Frage welchen Mehrbedarf Ich geltend machen kann?
Eiweissdefinierte Kost oder glutenfrei Kost? oder beides?
Man sagte mir das bei glutenfrei Ich 10 Euro mehr bekomme im Monat?

danke schonmal, alles gute wuenscht der Zippo
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Lutz Otto
Beiträge: 659
Registriert: 8. März 2008, 14:27
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Re: Mehrbedrf bei Grundsicherung

Beitrag von Lutz Otto »

Hallo zippro,

die Tabelle zum Mehrbedarf ist seit Jahren mehrfach verändert wurden. Erster Grundsatz: Die Beurteilung für den Med. Dienst Deines Grundsicherungsamtes, welches ja vom Hausarzt ausgefüllt wird. Diese sollte nicht zu kurz ausfallen. (HA haben oft nicht die Zeit, sich ausführlich damit zu beschäftigen)

Bei der Bemessung des Mehrbedarfs bekommt man heute so und so viel % vom Eckregelsatz, keine "Pauschalsummen".

Sinn würde hier : eiweißdefinierte Kost, wie auch fettarm und gesunde Kost. Diese muss auch dem Med. Dienst des Grunds.-Amtes begründet werden.

Bei Fragen kannst Du Dich gerne auch telefonisch melden.
Ein herzlichen Gruß aus Magdeburg

Lutz Otto

AdP e. V. - Vorstrandsvorsitzender
Muggle
Beiträge: 224
Registriert: 24. November 2012, 17:58

Re: Mehrbedrf bei Grundsicherung

Beitrag von Muggle »

Vor allem hilft das Argumentieren mit dem Gewicht. Wenn du aufgrund der Erkrankung untergewichtig bist und zunehmen musst, dann ist jedem klar, dass du mehr Kalorien zuführen musst. Und da deine Kost weder fettreich noch der reine Zucker sein darf, ist jedem klar: es muss einfach auch viel gegessen werden. Viel essen kostet viel Geld.

Nur "gesund essen" oder fettarm essen begründet leider keinen Mehrbedarf mehr. Auch Diabetiker haben kein Anrecht mehr auf Mehrbedarf, da das angeblich nicht teurer sei. Jeder solle sich ja gesund ernähren. Ich glaube, die waren noch nie einkaufen und schon garnichtd in der Gemüseabteilung. Natürlich ist de facto eine gesunde Ernährung teurer. Natürlich sollte sich jeder gesund ernähren, kannst du aber von dem Regelsatz beinahe nicht und wer eben nicht krank ist, kann da Abstriche machen und Weißbrot mit Salami essen, so wie es Hunderte von Familien machen. Die Argumentation ist ein bisschen irre, aber du musst wissen, dass gesund essen an sich, auch fettreduziert wie bei Reduktionsdiät und diabetes, KEIN Argument sind nach den Richtlinien der Ämter. Glutenfrei wird hingegen anerkannt.

Wenn du schwer krank bist und belastende Therapien über dich ergehen lassen musst, dann gibt es in dem Antrag auch dafür ein Kreuzchen, denn dann zählt auch, dass du eben auch mal teure Sachen einkaufen können sollst, auf die du Appetit hast. Das ist ein anerkanntes Argument.

Mit dieser Argumentation und Untergewicht - natürlich auch der Bestätigung der Diagnose/Arztbriefen (die haben aber nicht groß extra was argumentiert) habe ich den Mehrbedarf durch gekriegt und bekomme jetzt monatlich ungefähr 30 Euro mehr, befristet bis ca. 1 Jahr nach Entlassung aus dem Krankenhaus. Denn der Mehrbedarf wird auch für Genesende gezahlt. Sollte ich dann noch untergewichtig sein und weiterhin eine entsprechende Kost benötigen, kann ich einen Folgeantrag stellen.

Probiers einfach. Ich wünsche dir viel Glück. Es hängt leider auch immer sehr vom Amtsarzt und vom Sachbearbeiter ab bei solchen Ermessensdingen. Solltest du eine bösartige Erkrankung haben und Chemo bekommen oder so, ist der Ermessensspielraum übrigens wesentlich kleiner. Denn auszehrende Erkrankungen und belastende Therapien sind eine der Indikationen für diesen Mehrbedarf.

Noch was: wenn du noch andere Kosten hast, die du aufgrund deiner Erkrankung hast, kannst du versuchen, ob diese über die Eingliederungshilfe für Behinderte erstattungsfähig sind. Beispielsweise Hilfsmittel/Hilfeleistungen, die die Kasse nicht bezahlt. Wenn du nicht fit genug bist, deinen Haushalt zu führen und alleine wohnst, gibt es die Möglichkeit über Hilfe zur Weiterführung des Haushaltes. Hatte ich einige Wochen nachdem ich aus dem Krankenhaus zurück kam, da ich ja aufgrund des sehr komplizierten Verlaufes noch sehr schwach war, als ich entlassen wurde. Es gibt da schon Möglichkeiten. Falls du genauere Infos brauchst, such ich sie dir gerne raus. Aber schreib mir dann bitte per PN damit ich die Benachrichtigung bekomme, ich bin nicht so sehr oft hier und ich weiß ja nicht, wann du das liest.
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