Der Weg ist das Ziel

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

Hallo vielmals,

Ursache für gastroenterologische Krankheiten, Krankheiten, die die Verdauung, die Nährstoffverwertung, also die Aufnahme von lebensnotwendigen Bausteinen betreffen, sind, das behaupte ich, psychosomatischer Natur. Insofern sie nicht von, wie andere behaupten, Gendefekten oder Fehlbildungen, mechanischen Reizen wie Steine in den Abflussgängen oder ähnliches verursacht werden.
Sicher ist es einfach und bequem, dem Leidenden Alkoholmißbrauch, Nikotinabusus und einen schlechten Charakter zu unterstellen. So steht es ja auch überall ganz oben in den entsprechenden Informationen über Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Wenn nicht bis dahin, haben die Patienten ab dieser Bewertung ein schlechtes Gewissen. Natürlich haben Alkohol und Nikotin Auswirkungen auf den Organismus. Sind aber sicher nicht Ursache für die Krankheiten. Alkoholiker haben eine entsprechende seelische Vita. Und diese ist auch nicht Ursache, sondern sie gibt Aufschluß über eigentliche Ursachen dieser Krankheit oder andere spezifische Krankheiten. Entgegen unserer akademischen Weißkittelweisheiten wußten die einfachen Menschen schon vor hunderten von Jahren um den Zusammenhang von Seele und Bauch. Dies schlägt sich in vielen sprachgebräuchlichen Wendungen nieder (cholerisch, da kommt mir die Galle hoch, das finde ich zum Kotzen, aus dem Bauch heraus ...).
Als ich die Pankreatitis, die chronische, bekam, mußte ich mir von Ärzten Sprüche wie "Du sozialschmarotzender Nichtsnutz" oder demütigende Beleidigungen mir "Alki" und ähnliches gefallen lassen. Man stelle sich vor: Mit unerträglichen Schmerzen, Schweiß auf der Stirn, mehr oder weniger ohnmächtig, steh ich an der Wand im Wartezimmer einer Praxis, kein Sitzplatz mehr frei ... Der Arzt, Dr. Stroß aus Neuss, der mir einige Monate vorher gegen meinen Zustand Mittelchen gegen Blähungen verschrieben hatte, kommt und motzt mich an, ich solle gefälligst nicht seine Wand beschmutzen. Oder: Am Tropf im Krankenhaus, wo man mich für einen hochprozentigen Simulanten hält, schleppe ich mich in ähnlichem Zustand mit Fusionsständer zum Schwesternzimmer, um um Schmerzmittel zu betteln. Kriege die verärgerte Antwort, daß ich gefälligst warten solle, bis ihrereiner fertig sei mit Abendessen. In Heidelberg stieß mir ein Neurologe, OBWOHL ich ihn darauf hinwies, daß ich Schmerzpatient sei, zur Drainage einer postoperativen Komplikation, mehrfach ohne angemessene Betäubung verschieden starke Metallrohre in den Bauch. Als ich unter Tränen schrie, lachte er mich aus, ich solle mich nicht so anstellen.
Könnte hier weitere Beispiele für meine Erfahrungen aufzählen ... Z.B. im evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf, wo ich mich wegen einer ERCP aufhielt. Vor dem Eingriff wurde ich gefragt, ob ich einverstanden sei mit der Implantation eines Stents in den Pankreasgang. Ich lehnte dankend ab. Man muß sich vorstellen, daß ich nur im Krankenhaus war, wenn ich mir nicht mal mehr mit Morphium weiterhelfen konnte. Also am Ende meiner Kräfte war. Als es nun zur Untersuchung kam, ich auf einer Edelstahlunterlage mit entsprechender Körperhaltung "platzgenommen" hatte, kam die zuständige Ärztin mit dem von mir unterzeichneten Formular in den Händen in den Raum und raunzte mich, der ich mich nun wirklich in einer sehr unvorteilhaften Lage befand, daß ich direkt gehen könne, wenn ich der Implantation nicht sofort zustimmen würde. So ließ ich mich tatsächlich nötigen, mir einen Fremdkörper einsetzen zu lassen.
Das alles halte ich für typisch westliche Medizin und deren Ausübung. Nur, was meßbar ist, also belegbar, ist relevant. Jeder Arzt hat seinen separierten fachbezogenen Microbereich. Alles darüber hinaus erregt i.d.R. nicht mal sein Interesse.

Während meiner vielen KH-Aufenthalte hab ich viele Leidensgenossen kennengelernt und meine Chance genutzt, diese zu interviewen. Alles in Allem waren sie alle empfindlicher als z.B. ihre Ärzte und "normale Menschen". Viele hatten in ihrer Jugend mit Mißhandlung zu tun.

Inzwischen gibt´s auch im Westen Erkenntnisse, die das Neandertalerwissen wissenschaftlich unterlegen. Es gibt einen Zusammenhang, sogar einen physischen: den NERVUS VAGUS, zwischen Bauch und Gehirn.

Im Folgenden der Film:



http://www.youtube.com/watch?v=um5oy-qP ... r_embedded


Viel Spaß beim Guggen ;-)
Finde, daß er uns dabei helfen kann, unsere Krankheit in ihrer Gesamtheit nachzuempfinden; uns einen neuen Zugang zu unseren Bauchgehirn zu eröffnen, vielleicht sogar einen Weg, mit ihm zu kommunizieren. Ich glaube daran.

Gruß, Michael
honda
Beiträge: 7
Registriert: 26. Januar 2014, 16:53

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von honda »

Hallo,
Du machst einen neugierig und dann entfernst Du das Video von youtube.

Um was ging es denn genau ?
Bin für alles offen.

Es grüßt vielmals honda
Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

Hab ich gar nich. :denk:
"Der kluge Bauch - Unser zweites Gehirn", ein Beitrag des öffentlich rechtlichen Fernsehens. Sowieso interessantes Thema ;-) :

:arrow: http://de.search.yahoo.com/search?p=Der ... ype=902615

:zw:
Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

honda
Beiträge: 7
Registriert: 26. Januar 2014, 16:53

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von honda »

Hallo,
ach das, hab ich gesehen letzte Woche.
Sehr interessant.
Aber Dein erster link geht nicht mehr.
Kannst auch mal die Sendung "Scobel"vom 30.01.14 anschauen-Psychosomatik-.
Noch interessanter und herrvoragend regergiert !
Findest Du in der 3Sat Mediathek 30.01. - 21 Uhr. Auschnitte und die ganze Sendung.

Es grüßt vielmals honda
Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

Vielen Dank :-) Da bin gespannt ...

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Reinhard
Beiträge: 656
Registriert: 1. Mai 2008, 09:32
Wohnort: Bückeburg

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Reinhard »

Hallo,
irgendwie geht mir das Eingangsposting von Michael vom 2.2. 2014 nicht aus dem Kopf.
Vor ab: Vieles kann ich so unterschreiben.
Zu Alkohol allgemein:
Ich habe in den Jahren im Forum und in den Gruppen beobachtet, dass sich Betroffene strikt von Personen mit einer Alkoholanamnese abgrenzen mussten.
Aus ihrer Sicht mag das ihr gutes Recht sein und ich maße mir auch nicht an, sie zu verurteilen, da das oftmals auf Erfahrungen in ihrem Umfeld beruht.

Ich halte dies allerdings nicht für notwendig, da es sich hierbei ebenfalls um eine schwere Erkrankung handelt. Die Personen, die sich dem AdP zuwenden, haben mit Alkohol zur Zeit jedenfalls wenig im Sinn. Kurz gesagt: es ist aus meiner Sicht kein Kriterium für die Beurteilung eines Menschen. Ich hoffe so denken viele. Neueste Forschungen sehen den Alkoholabusus bei chronischer bzw.akuter Pankreatitis nicht mehr an ersten Stelle. Das soll jedoch nicht heißen, dass man auf eine bereits vorgeschädigte Pankreas noch Alkohol geben sollte. Aber Rauchen soll hier schlimmer sein. Ich will hier die Gefahr eines Alkoholabusus nicht verniedlichen.
Aber wie ist das bei seelischen Belastungen und extremen Stress, wie ist Michael nach meiner Meinung richtig geschrieben hat. Aus meiner persönlichen Vorgeschichte und aus Gesprächen in den Gruppen kristallisiert sich immer mehr für mich dieser Aspekt heraus. Richtig ist auch, für mich, dass zwischen dem Darm zB und den anderen Körperteilen (einschließlich Gehirn) ein bisher unerforschter, riesiger Zusammenhang besteht. Für mich ist es ein Forschungsgebiet der Zukunft, und ich bin sicher es wird auch so kommen.
Auffällig war für mich schon immer, dass man bei Abfragen (Beispiel: behandelnde Universitätskliniken) zum Krankheitszustand und zur Anamnese nie auf den Punkt der seelischen Gesundheit gekommen ist.
Vielleicht sollten man diesen Punkt in einer evt. anonymisierten Umfrage mit aufführen. Ich will mich dazu mit unseren Verantwortlichen beraten.
Bis dann
Reinhard
Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

" ..."Schübe" habe ich immer bei psychischem Stress. Und die Liste der Sachen, die ich nicht mehr vertrage ist auch schon gut lang... Solange aber die schmerzen nicht wieder kommen kann ich ganz gut damit Leben..."

Dies schreibt eine Betroffene.
Bei mir ist es schon lange so, daß jede Art von Emotion zu Schmerzen führt. Also auch, wenn ich mich freue.

Habe ein Problem mit einem Problem, das nicht meines ist: Eine Leserin kritisiert mich scharf, weil ich die "Psychosomatik" in den Vordergrund stellen würde. Offenbar faßt sie das so auf (wie ich übrigens auch, als ich mich noch nicht näher damit beschäftigt hatte), daß man dem Patienten gegen seine Pankreatitisbeschwerden einen Therapeuten verschreibt, anstatt ihm wirksames Schmerzmittel darzureichen. In der Tat war ich zu Beginn meiner Krankheit bei einem Schmerztherapeuten, der mich mit allerlei abenteuerlichen Methoden wie z.B. mit einem Reizstromgerät ausstattete. Ich verbrachte die ersten beiden Jahre völlig ohne wirksame Schmerzmittel. Wer diesen Schmerz kennt, wird jetzt weinen ;-) Schließlich brach ich dann irgendwann zusammen und kam ins Krankenhaus, wo man mir das erste Mal Morphin einschleuste. Mein Gott, war das geil. Am nächsten Tag bin ich dann in die Praxis des o.g. Therapeuten, im Schlafanzug, und zerrte diesen aus seiner laufenden Sitzung ... Nein, hab ich nicht ;-)

Es freut mich, daß Reinhard mit mir der Ansicht ist, daß dieser Blickwinkel in der westlichen Medizin völlig vernachlässigt wird. Mit derlei Diagnosen lassen sich für die profilneurotischen Behandler keine Lorbeeren verdienen. Es würde auch bedeuten, in der logischen Konsequenz, daß man aufwändig interdisziplinär individuelle Diagnosen stellen müßte. Womit wir wieder beim Geld und der Gewinnmaximierung wären.
Die o.g. Leserin glaubt, daß auf diese Betrachtungsweise gerade Kinder nicht angemessen therapiert werden würden. Natürlich ist das Unsinn. Bringt mich aber weiter in meiner These, daß die gekränkte Seele sich in physichen Krankheiten zeigt. Als ehemals leidenschaftlicher Privatlehrer, der sich hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigte, hatte und habe ich einen guten Überblick über die Umstände, in denen Kinder heutzutage abgerichtet werden. Während die natürliche Reifung, damit meine ich auch einen natürlichen Umgang mit ihnen, unterdrückt wird zugunsten der Profilneurosen der Eltern und ihrer späteren Funktionalität innerhalb des perversen "Wirtschaftswachstums", vorenthält man ihnen, ihren naturgegebenen Platz zu finden. Nimmt sie der NAtur und der Natur die Kinder. Hinzu kommt, verzeiht meinen schwarzen Humor, daß Gesellschaft lieber Verantwortung für Hunde übernimmt als für junge Artgenossen. Daß Eltern immer dümmer werden, weil sie in der Schule oder sonstwo nur noch mit Geldwerten gefüttert werden. Humanismus, Gemeinschaft, Miteinander etc. sind heute ja schon den Lehrern unbekannt! Will sagen, daß Kinder und Jugendliche nichts mehr haben, woran sie sich halten und orientieren können. Aber das brauchen sie! Sie werden überfordert und unterfordert und kriegen unter anderem Pankreatitis.

Bin auch für ein Forumthema "Psychosomatik", in dem wir beschreiben, ob und wie unsere mentale Befindlichkeit Einfluß nimmt auf unsere BSD.
Hagenbuch
Beiträge: 39
Registriert: 18. August 2011, 13:08

Re: Der Weg ist das Ziel

Beitrag von Hagenbuch »

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