Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Amarandel
Beiträge: 13
Registriert: 23. August 2015, 10:28

Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Amarandel »

Hallo erst mal!
Ein paar von euch erinnern sich mit Sicherheit noch daran, dass ich mich im August mit meinen Ängsten zur Pankreaslinksresektion hier gemeldet habe. Am 8. September war die OP vor der ich solche Angst hatte. Eure Antworten hatten mir schon etwas Ruhe gegeben, weshalb ich recht zuversichtlich in den OP geschoben wurde.

Hinterher dann die große Überraschung: ich habe die Augen aufgeschlagen und mein Mann warf mir ein strahlendes "Schatz, deine Bauchspeicheldrüse ist noch komplett drin" entgegen. Mein erster Gedanke war "Shit, die haben mich vergessen".
Von wegen. Das Chirugenteam stellte nach dem Aufschneiden fest, dass das Gewebe gutartig ist und vor allem nicht in den Gängen. Die Zyste konnte herausgeschält werden. Klar, der Pankreas wird dabei trotzdem verletzt, aber es muss eben nichts wirklich entnommen werden. Das Ganze konnte Minimal-Inversiv erledigt werden. Ich habe vor Glück erst einmal geheult.

Danach ging es an die Genesung. Ich konnte anfangs genauso wenig etwas essen, wie die Whipple-operierte Dame neben mir. Kreon, Gehversuche, starke Schmerzen durch Blähungen nach dem versehentlichen Genuss von etwas Blumenkohl, etc... waren bei mir genauso an der Tagesordnung. Der einzige Unterschied war, dass bei mir alles etwas schneller besser wurde. Ich freute mich auf die Entlassung - die jedoch verzögert werden sollte. In meinem Beutelchen wurden Amylase und Lipase gefunden. Diagnose: Pankreasfistel. Trotz Teilnahme an einer entsprechenden Studie, die das Risiko stark verringern sollte.

Nach 15 Tagen in der Klinik durfte ich heim. Mit Drainage-Beutel. Dieser wurde eine Woche später gezogen, da nichts mehr gefördert wurde. Ich durfte 2 Wochen nach der Entlassung mit einer immer noch vorhandenen Fistel endlich nach Bad Mergentheim in die Reha. Zustand zu dieser Zeit: mein altes Gewicht war wieder erreicht (Enukleation bedeutet glücklicherweise nicht soviel Verlust, puh), ich konnte mit Kreon relativ normal essen und war nur bedingt wackelig auf den Beinen.

In der Reha sollte sich der eigentlich recht gute Zustand schnell ändern... Die Stationsärztin kam auf die glorreiche Idee, mich wegen der Erwähnung von Rückenschmerzen in die Wirbelsäulengymnastik zu schicken. Wie das so ist denkt man sich, die Ärzte wissen was sie machen. Das dem scheinbar nicht so war, erkannte ich erst gegen Ende der Gymnastik. Ich zitiere die Therapeutin "So, dann machen wir jetzt noch was für die Bauchmuskulatur". Öhm... nein, nicht nach Schnitten im Bauch. In der Chefarzt-Visite sprach ich das an. Der reagierte entsetzt darauf, dass seine Kollegin mich jetzt schon in solche Gymnastikgruppen geschickt hatte. Der Plan wurde angepasst. (war nicht das einzige was die Dame machte... Sie genehmigte sogar einen Wiedereingliederungsantrag der Sozialarbeiter obwohl die OP noch keine 2 Monate her war und noch starke Probleme bestanden - der Chefarzt hat die Wiedereingliederung entsetzt gecancelt und mir aufgetragen, erst einmal wieder auf die Beine zu kommen... so viel zur Ärztin)

Die Ärztin ("Ich lese ihre Befunde bis morgen durch") hatte sich scheinbar auch keine Befunde durchgelesen. Obwohl Heidelberg explizit um Überprüfung der Amylase und Lipase-Werte im Blut gebeten hatte (waren ja auch wegen der immer noch vorhandenen Fistel zu hoch) kam ich nach der ersten Blutuntersuchung wieder zu ihr und musste feststellen, dass sie diese Werte nicht angefordert hatte. Also nochmals Blutabnahme - auch weil die Leberwerte stark erhöht waren.

Mit der Zeit merkte ich, dass mir einiges immer schwerer viel. War ich die Treppen zu Anfang der Reha noch energiegeladen nach oben gehüpft, kam ich in der zweiten Woche schon stark aus der Puste. Nach einer Treppe musste ich erst einmal ausruhen. Ich bekam Herzrasen und schlecht Luft. Schließlich ging es so weit, dass ich Schmerzen auf der linken Seite unter den Rippen bekam. Das ganze gipfelte dann in starken Schmerzen beim Versuch zu essen. Ich nahm zwei Bissen, trank etwas Wasser und krümmte mich dann vor Schmerzen am Tisch zusammen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Messer in meine Seite stechen und genüsslich umdrehen. Mir blieb die Luft weg.
Die Stationsärztin gab mir Schmerzmittel und Bettruhe. Es besserte sich. Bei der nächsten Mahlzeit wiederholte sich das Ganze jedoch.

Ich wurde zum CT in die örtliche Klinik geschickt. Verdacht auf Lungenembolie. Das war es jedoch nicht. Ich kam zurück und bekam 4x tgl. 30 Tropfen Novalgin verordnet. Das sorgte dafür, dass ich essen und auch wieder leichte Gymnastik machen konnte. Eine Lösung war es nicht. Eine angeforderte Blutuntersuchung ergab, dass Amylase und Lipase im Blut wieder angestiegen waren. Der Verdacht des Arztes: eine leichte Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Mittlerweile bin ich wieder zu Hause. Die Reha hat mir in meinen Augen nichts gebracht. Die Schmerzen beim Essen habe ich mit nach Hause gebracht. Zusätzlich habe ich immer das Gefühl, gebläht zu sein und ich habe ein Völlegefühl. Druckschmerzen habe ich nur, wenn man auf den Oberbach drückt. Im Unterbrauch nicht. Zum Essen zwinge ich mich derzeit. Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber ganz ohne geht es ja auch nicht. Die Pankreas Sprechstunde in Heidelberg möchte mir die Tage noch einen Termin zukommen lassen. Da wird dann nochmal ein MRT gemacht und Blut abgenommen. Ich bin gespannt, was die sagen.

Als ob das nicht genug wäre, gibt es aktuell noch Probleme mit Gehalt, Übergangsgeld und Krankengeld bei denen ich gerade zusätzlich Rennerei habe (klar, weshalb sollte man auch NUR krank sein wenn man auch Bürakratiestreß haben kann^^). Das bekomme ich aber wenigstens alleine irgendwie geregelt. Zum Glück. Bleibt nur abzuwarten, was jetzt in der Klinik rauskommt. Um ehrlich zu sein habe ich nämlich die Nase voll davon, mit Augen wie ein Eichhörnchen auf Crack und viel Watte im Kopf rum zu laufen nur um was essen zu können...

Das war es erstmal von mir. Ich hoffe, ihr hattet in der Zeit von September bis heute bessere Nachrichten und Erfahrungen. Ich habe ja schon ein wenig gestöbert. Am meisten freute mich die Nachricht von @Manu1966 <3
Notorisches Steh-Auf-Männchen - auch wenn etwas erstmal umhaut, man richtet sich irgendwann IMMER wieder auf.
Andi
Beiträge: 1060
Registriert: 15. Februar 2011, 20:42

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Andi »

Hallo,
erst mal ein Dankeschön für den umfangreichen Erfahrungsbericht, es ist sehr interessant und lehrreich zugleich.
Schade, das Du so einen Ärger hast und es alles nicht so läuft wie es eigentlich sein soll.
Gut wäre, wenn man Dir jetzt wenigstens in Heidelberg weiterhilft nach all dem was hier abgegangen ist.
Hat man Dir den diese Rehaklinik in Heidelberg empfohlen ?, ich glaube da geht es drunter und drüber und es zählt nur, das Du schnell wieder arbeiten kannst, das ist nämlich denen ihr Ziel, alles andere interessiert wenig, einfach traurig, was Du so mitmachen must.
Es wäre schön, wenn Du über die Erfahrungen in Heidelberg, welche demnächst anstehen, berichten könntest.

Wünsche Dir erst mal Gute Besserung und weniger Beschwerden.

Viele Grüße Andi
Amarandel
Beiträge: 13
Registriert: 23. August 2015, 10:28

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Amarandel »

Guten Morgen Andi :)
Andi hat geschrieben:Hallo,
Hat man Dir den diese Rehaklinik in Heidelberg empfohlen ?, ich glaube da geht es drunter und drüber und es zählt nur, das Du schnell wieder arbeiten kannst, das ist nämlich denen ihr Ziel, alles andere interessiert wenig, einfach traurig, was Du so mitmachen must.
Die Rehaklinik Taubertal steht auf der Liste des AdP. Da hatte ich zuerst geschaut. In der Klinik hat der Sozialarbeiter diese dann selbst vorgeschlagen. Oder eine, von der ich noch nie gehört hatte und die ca. 400km weiter weg von meinem Wohnort gewesen wäre.
Deine Einschätzung zum "schnell wieder arbeiten" teile ich übrigens. Das Gefühl hatte ich auch. In meinem Fall war das aber scheinbar kontraproduktiv. Ich wurde als nicht arbeitsfähig entlassen und schaue jetzt zusammen mit meinem Arzt, dem Behindertensportverein vor Ort (Stichwort Rehasport) und hoffentlich bald den Ärzten in Heidelberg, wie ich wieder auf die Beine komme.

Übrigens habe ich in der Klinik gehört, dass der Chefarzt der Inneren wohl in Rente geht und die Innere dann geschlossen wird. Damit hat sich das dann für zukünftige potenzielle Patienten erledigt. Ist wahrscheinlich auch besser so. Das einzig tolle dort waren die Physiotherapeuten (nachdem die erstmal wussten was operiert worden ist, haben die sehr darauf geachtet, dass nichts schädigendes gemacht wird), die Mitpatienten und der Chefarzt (als meine Stationsärztin rumgezickt hat, hat er das dann besorgt übernommen und Untersuchungen eingeleitet).
Notorisches Steh-Auf-Männchen - auch wenn etwas erstmal umhaut, man richtet sich irgendwann IMMER wieder auf.
Maja123
Beiträge: 9
Registriert: 13. April 2015, 15:16

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Maja123 »

Liebe Amarandel,

da sitzen wir wohl im ziemlich ähnlichen Boot. Auch ich habe eine Enukleation eines gutartigen zystischen Tumors aus der Bauchspeicheldrüse hinter mir. Das Ganze wurde im Mai diesen Jahres ebenfalls laparaskopisch in Heidelberg gemacht. Wie Du, war ich nach der OP sowas von erleichtert, dass das Teil komplett gutartig war, dass mir kein Stück der Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste und dass mir ein großer Bauchschnitt erspart geblieben bist. Bei mir sass dass Teil im Körper der Bauchspeicheldrüse, geplant war zunächst eine Linksresektion, aufgrund der Gutartigkeit und der "günstigen" Lage hat man aber dann eine Enukleation gemacht. Wie bei Dir hatte sich auch bei mir eine postoperative Pankreasfistel gebildet. Auch ich war 14 Tage in HD in der Klinik und wurde mit Drainage entlassen. Diese wurde mir dann knapp 1,5 Wochen nach Entlassung gezogen, weil nichts mehr gefördert wurde. In der Klinik hatte ich auch noch extreme Probleme mit dem Essen, es gingen nur Miniportionen und Appetit hatte ich gleich null. Laufen ging zum Glück recht schnell schon recht gut. Als ich dann zu Hause war, hat sich über ein/zwei Monate dann sehr viel getan- ich konnte nach ca. 2 Monaten wieder ganz normal essen und fühlte mich echt gut. 6 Wochen nach der Entlassung war ich nochmal zur Kontrolle bei meinem Gastroenterologen- Ultraschall und Blutbild alles unauffällig und gut. Auch die Lipase und Amylase-Werte völlig in der Norm und keinerlei Entzündungszeichen im Blut. Ich hatte echt gedacht, dass ich es geschafft habe.

Tja, und nun habe ich seit ca. 6 Wochen immer mal wieder, mehr oder weniger Beschwerden: Ich muss ständig Luft aufstossen, habe einen ekligen Geschmack im Mund (kann ihn gar nicht richtig beschreiben), mal drückt es in der Mitte des Bauches, mal zwackt es links unter den Rippen (da wo operiert wurde). Mal ist mir schlecht, mal nicht. Ich kann die Beschwerden auch irgendwie gar nicht mit irgendwelchen Nahrungsmitteln in Verbindung bringen. Mal ist es einen Tag gut, dann ist es wieder schlechter - eigentlich egal, was ich esse. Mein Stuhlgang ist an vielen Tagen ganz normal, manchmal dann wieder breiiger. Kreon nehme ich keines. Hat man mir in Heidelberg von Anfang an nicht geben wolle- ich bräuchte es nicht. Mein Elastasewert im Stuhl war bei der Kontrolle bei meines Gastroenterologen (6 Wochen nach der Klinikentlassung) bei 414. Also gut.

Sind denn bei Dir auch mal die Werte diesbezüglich gecheckt worden? Ist denn sichergestellt, dass Du überhaupt Kreon brauchst? Wie groß war denn Dein zystisches Gewächs?

Aber ich werde meine Beschwerden einfach nicht los. War auch schon wieder beim Gastroenterologen. Ultraschall weiter unauffällig- er meinte, wenn er nicht wüsste, dass ich an der Bauchspeicheldrüse operiert worden sei, dann würde man das auch überhaupt nicht sehen, wenn man sich die Bauchspeicheldrüse per Ultraschall anschauen würde. Meine Blutwerte waren alle gut, bis auf die leicht erhöhte Lipase von 66. Ich muss dazu sagen, dass ich schon vor der OP immer mal leicht erhöhte Lipasewerte hatte (schwankend zwischen 66 und 78). Und die gleichen Beschwerden wie jetzt. Von daher glaube ich selbst schon, dass meine Beschwerden wieder von der Bauchspeicheldrüse kommen. Mein Gastroenterologen will nun in einer Woche per Magen-Darmspiegelung etwas andere ausschließen. Und wenn dem so sein sollte, werde ich mich auch wieder an Heidelberg wenden müssen. Und ich hatte so gehofft, dass ich da nie wieder hin muss.

Ich habe ja große Sorge, dass ich eine chronische autoimmunindizierte Bauchspeicheldrüsenentzündung haben könnte, weil ich parallel noch eine andere Autoimmunkrankheit habe. Frage an die Mitlesenden hier: hätte man das denn während der OP sehen müssen, wenn ich eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse hätte?

Ich trinke nie Alkohol und Kaffee (schon vor der OP nicht), rauche nicht, ernähre mich recht recht ausgewogen und gesund und trotzdem zickt meine Drüse so rum. Was kann man denn noch tun, um diese zu entlasten?

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was Du von Deinen weiteren Untersuchungen in Heidelberg berichtest und wünsche Dir dafür alles alles Gute!

Du siehst: Du bist nicht allein mit Deinen Beschwerden.

Liebe Grüße
Maja
Allende
Beiträge: 327
Registriert: 21. Dezember 2013, 18:09

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Allende »

Ich denke, dass die Drüse schon geschädigt ist, sonst hätte es diesen Tumor ja nicht gegeben. Obwohl das Pankreas optisch vielleicht gut ausgesehen hat, muss es nicht unbedingt sein, dass es auch dementsprechend funktioniert. Kreon ist hier vielleicht doch eine Möglichkeit, trotz guter Elastase , eine Besserung zu erfahren. Ich empfehle immer wieder sehr hoch zu dosieren.

Alles Gute!
Amarandel
Beiträge: 13
Registriert: 23. August 2015, 10:28

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Amarandel »

Guten "Morgen" alle zusammen. Ich wollte mich nun endlich einmal zurückmelden. Das wollte ich eigentlich schon länger, habe aber keine Kraft gefunden... Danke auf jeden Fall für eure letzten Antworten!

Ich war Ende November endlich zur Pankreassprechstunde in Heidelberg. Dort wurde zuerst ein CT gemacht. Die Ärztin in der Sprechstunde fragte mich danach, wie es mir geht. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass es mir wirklich bescheiden ging. Die Schmerzen waren die Tage zuvor immer schlimmer geworden und selbst die Schmerzmittel halfen nicht mehr.
Sie meinte dann nur ohne Umschweife, das würde sie gar nicht wundern. Im CT wurde eine größere Flüssigkeitsansammlung am Pankreas entdeckt. Laut Untersuchungen größer als bei der letzten Untersuchung nach der OP, als ich noch in der Klinik lag.
Sie bereitete mich dann darauf vor, dass mir eine weitere Drainage gelegt werden sollte. Da aber Freitag mittag war, war der entsprechende Ultraschall-Arzt nicht mehr im Haus.Da meine Blutwerte in Ordnung waren und ich auch kein Fieber hatte, wurde ich mit Tillidin versorgt und bis Montags nach Hause geschickt. Da die Schmerzen trotz Tillidin noch spürbar waren, wurde es kein ganz entspanntes Wochenende.

Montags kam ich dann in die normale Ambulanz wo ein Termin für mich vereinbart worden war. Der Ultraschall-Arzt schaute kurz auf meinen Pankreas, meinte dann so schlimm sei die Flüssigkeitsansammlung nicht und schickte mich ohne Drainage nach Hause. Er ging davon aus, dass sich das alleine erledigen würde.

Ich ernährte mich zu dieser Zeit schon nahezu Fett- und Blähungsfrei. Dies führte ich so weiter. Zwei Wochen nach dem Termin in der Ambulanz nahm ich immer noch Tillidin und hatte dennoch starke Schmerzen. Mein Arzt überwies mich zu meinem Gastroenterologen und veranlasste dort eine weitere Ultraschalluntersuchung. Dieser stellte fest, dass etwas über 160ml Flüssigkeit am Pankreas zu finden sind. Außerdem war wohl mein Darm sehr gebläht, was er allerdings weniger als Problem empfand. Er empfahl eine erneute Vorstellung in der Klinik da laut ihm in Anbetracht der Schmerzen Handlungsbedarf bestehe.

Am nächsten Tag wurde ich wieder in der Ambulanz vorstellig. Ich landete beim gleichen Ultraschall-Arzt wie zuvor. Er schaute kurz auf meinen Bauch, meinte er würde mir glauben das ich Schmerzen habe, aber daran läge es seines Erachtens nach nicht und schickte mich mit einem "Sie können jetzt wieder arbeiten gehen" nach Hause. Mit Tillidin und starken Schmerzen...

In Absprache mit meinem Hausarzt, vereinbarte ich einen Termin zur Zweitmeinung in Mannheim. Die Schmerzen fingen an zu kommen und zu gehen bzw. endlich immer mal wieder schwächer zu sein. Nur leider kamen sie nach schwachen Tagen mit voller Wucht wieder. Trotzdem gelang es mir kurz nach Weihnachten, das Tillidin abzusetzen und nur noch Novalgin zu nehmen. Wenn die Schmerzen wieder Tillidin-Stärke erreichen lege ich mich meist hin und hoffe, dass ich einfach einschlafe. Nach dem aufwachen ist es meist wieder erträglicher...
Kurz vor Weihnachten kam eine Mail aus dem Geschäft, die mich recht unter Druck setzte. Was da noch so war, ist ein anderes Thema. Fakt ist aber, dass ich an meinem Job eigentlich hänge und diese Nachricht mich noch mehr darin bestärkte, dass ich wollte, dass endlich etwas unternommen wurde damit ich wieder arbeiten gehen kann.

Kurz vor Silvester dachte ich dann, es sei endlich Besserung in Sicht. Ich fühlte mich ganze zwei Tage richtig gut und dachte schon, juhu, das wird ein toller neuer Anfang im neuen Jahr. Pustekuchen... am 1. und 2. Januar wollte ich vor Schmerzen wieder sterben. Zusätzlich wurde mir immer öfter übel und ich begann Gewicht zu verlieren. Da ich mich aus persönlichen Gründen jeden morgen Wiege fiel mir auf, dass ich innerhalb einer Woche 3kg Gewicht verlor. Ich kann morgens nichts mehr essen, mittags nur schlecht und Abends geht es einigermassen, aber ich wache Nachts häufig mit Übelkeit auf. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich heute um 2:50 noch am Laptop sitze und euch diesen zugegebenermaßen sehr verworrenen Text schreibe... ich habe mich mal wieder übergeben, bin müde und hoffe, dass das Vomex bald wirkt :(
Mein Mann und ich haben angefangen, meine Kohlenhydratzufuhr so weit wie möglich ohne Fetterhöhung zu steigern. Seitdem schaffen wir es, dass ich das momentane Gewicht halte. Toitoitoi. So lange das so klappt, muss ich mir wenigstens darum keine Sorgen machen.

Anfang Januar hat der Gastroenterologe nochmals auf den Pankreas geschaut. Hatte ich zuerst gehofft, dass die Flüssigkeitsmenge weniger geworden ist, enttäuschte er mich bald. Von 160ml auf 200ml hoch. Das sind zwar nur 40ml mehr, aber es ist eben mehr und nicht weniger. 200ml hört sich für mich eigentlich wenig an. Ich habe mir aber mal den Messbecher zur Hand genommen und war dann doch überrascht, welche Menge das ist...

Nächste Woche Mittwoch werde ich stationär in Mannheim aufgenommen. Dort soll dann geschaut werden, woher die Schmerzen jetzt genau kommen, ob etwas gegen die Flüssigkeit unternommen werden muss und ob evtl. eine Schmerztherapie durchgeführt wird. Ich bin gespannt. Ich hoffe, dass nimmt bald ein Ende... Die Pankreas-Geschichte letztes Jahr war ja für mich noch nicht mal das schlimmste was passiert ist... Anfang 2015 hatte ich noch ein weiteres einschneidendes Erlebnis das einen Eingriff unter Vollnarkose nötig machte. Im März nochmals ein Eingriff mit Vollnarkose, Ende August wieder ein Eingriff mit Vollnarkose und dann die OP am Pankreas... dazu jetzt noch die Mails aus dem Geschäft die mich unter Druck setzen endlich wieder gesund zu werden... Mir wird gerade alles etwas viel und ich würde so ziemlich alles dafür geben, dass der ganze Mist endlich rum ist und ich wieder einen normalen Alltag habe. Ich weiß, ich kann froh sein, dass es kein Krebs war, mit Krebs ist man weiß Gott schlimmer dran... aber mir persönlich reicht es dennoch gerade :/ das letzte Mal habe ich mich so hilflos gefühlt, als ich auf der Kinderkrebsstation lag und die Ärzte versucht haben herauszufinden, was das für eine Tumormasse ist die sich durch meinen Körper zieht... ich hasse einfach die Tatsache nicht zu wissen, was genau ist und wie es weitergeht :(

Oh man. Sorry für das Mimimi-Rummjammern dazwischen. Na ja, ich probiere jetzt noch mal zu schlafen. Gute Nacht ihr Lieben *alle drück*
Notorisches Steh-Auf-Männchen - auch wenn etwas erstmal umhaut, man richtet sich irgendwann IMMER wieder auf.
Ludwig.H
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Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Ludwig.H »

Liebe Amarandel,
das ist ja schlimm, was du da mitmachst. Ich denke dass das einholen einer Zweitmeinung richtig war, außerdem glaube ich dass Heidelberg zu hoch eingeschätzt wird. Es gibt auch noch sehr gute andere Pankraszentren.
Ich wurde im Januar 2013 in Mannheim gewippelt. 2 Wochen Krankenhausaufenthalt kompetente und sehr freundliche Ärzte, sehr sehr nettes Pflegepersonal und eine strukturierte und gute Nachsorge.
Ich habe meine Entscheidung nach Mannheim zu gehen nie bereut, obwohl mir fast jeder zu Heidelberg geraten hat.
Ich war auch nach meinem Krankenhausaufenthalt in Bad Mergentheim Taubertal, habe ähnliches erlebt, und ich glaube auch dass es die gleiche Ärztin war, aber ich habe mich durchgesetzt und letztendlich hat sie fast alles abgesegnet was ich wollte.
Mir geht es nach 3 Jahren sehr gut, keine Probleme. Sport gut, kann alles Essen und habe keine Einschränkungen.
Das gleiche Ergebnis wünsche ich dir, und für deinen Aufthalt in Mannheim alles Gute.
Liebe Grüsse
Erbsenzähler
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Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Erbsenzähler »

Hallöchen,

das hört sich ja übel an, hoffentlich wird's bald besser, ich kämpfe selbst auch schon eine gefühlte halbe Ewigkeit mit meiner Drüse.
Wieso hast du denn im Krankenhaus nicht nach der Ärztin verlangt die eine Drainage empfohlen hatte bevor sie dich übers Wochenende heimgeschickt hat?

160ml oder sogar 200ml sind ganz schön heftig. Also in meinen Augen ist das nicht nur "ein bisschen Flüssigkeit".
Ich hätte dem der das Ultraschall gemacht hat umgehend die Meinung gegeigt und sofort nach der anderen Ärztin verlangt.

Sowas zu lesen regt mich einfach nur auf. Selbst geht es Ihnen wunderbar aber der Patient soll seine Schmerzen gefälligst aushalten, ist ja eh alles nur Spinnerei :evil:

Schöne Grüße und halt durch
Erbse
Amarandel
Beiträge: 13
Registriert: 23. August 2015, 10:28

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von Amarandel »

Erst einmal danke für eure Antworten!

Ich war für ein paar Tage in Mannheim in der Klinik. Geplant war laut Nachricht von Professor Schneider, dass an Tag 1 stationäre Aufnahme erfolgt und ein Ultraschall gemacht wird, an Tag 2 eine Sonografie zur Beurteilung des Pankreas durchgeführt wird und dann Tag 3 für weitere Untersuchungen, Schmerztherapie, etc... verwendet wird.
Es wurden leider doch noch 3 Tage mehr. Ich habe Fieber bekommen und musste noch bleiben^^

Im Ultraschall wurden drei Zysten gefunden. Eine wieder 5x5cm mit der Flüssigkeit. Ob die wirklich der Grund für die Schmerzen war bleibt abzuwarten. Am nächsten Tag wurde ein Stent zwischen Zyste und Magen gelegt. Der muss jetzt ca. 6 Monate liegen bleiben.
Außerdem hat mich zum ersten Mal ein Arzt darüber aufgeklärt, dass ich eine chronische Pankreatitis habe... Das war mir neu und hat mich erst einmal umgehauen. Die Empfehlung der Ärztin ist für die Zukunft zu jedem Essen mindestens eine 40.000 Kreon zu nehmen. Sie hofft, dass die Schmerzen damit auf Dauer auch besser werden. Mal schauen, ob ich das überhaupt verschrieben bekomme... ich habe öfter gehört, dass die Krankenkassen sich gerne mal sperren.
Allende hat geschrieben:Ich denke, dass die Drüse schon geschädigt ist, sonst hätte es diesen Tumor ja nicht gegeben.

Du hattest mit der Vermutung einer weiteren Schädigung leider zu 100% Recht.

Außerdem hat man mich aufgeklärt, dass ich eine Sigma Divertikulose habe. Juhu, da geht der Spaß doch erst richtig los.
Im März wird überprüft, ob alles noch in Ordnung ist und ich habe einen Gesprächstermin mit Professor Schneider
Erbsenzähler hat geschrieben:Ich hätte dem der das Ultraschall gemacht hat umgehend die Meinung gegeigt und sofort nach der anderen Ärztin verlangt.
Um ehrlich zu sein, war ich zu geplättet um auf den Gedanken zu kommen. Ich bin immer davon ausgegangen, intern kommunizieren die Ärzte auch mal miteinander und plötzlich sagte der was anderes... Na ja, hat sich ja jetzt zum Glück hoffentlich erledigt.
Ludwig.H hat geschrieben:Das gleiche Ergebnis wünsche ich dir, und für deinen Aufthalt in Mannheim alles Gute.
Danke danke. Schauen wir mal, ob es was gebracht hat :)

So, dann mal ab zum Arzt und schauen, ob ich Kreon bekomme.
Notorisches Steh-Auf-Männchen - auch wenn etwas erstmal umhaut, man richtet sich irgendwann IMMER wieder auf.
uwe
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Registriert: 11. März 2008, 10:50
Wohnort: Dorsten

Re: Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme

Beitrag von uwe »

Hallo amarandel,
Zumindest hast du jetzt eine genaue Diagnose.
Wegen der Enzymeinahme schau noch mal hier im Forum nach wie man die richtig dosiert und einnimmt.
Wenn dein Arzt vermerkt das du eine exokriene Pankreasinsuffizienz hast gibt auch keine Probleme mit der KK.
VG
Uwe
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