Z.n. Akuter Pankreatitis

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Babybunny
Beiträge: 45
Registriert: 13. Mai 2016, 18:46

Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Babybunny »

:hallo:

Ich hab da mal eine Frage an alle, die Probleme mit ihrem Pankreas haben.

Wie ist es bei der Ernährung? Hattet ihr nach eurem Schub oder nach der akuten Pankreatitis Probleme nach bestimmten Lebensmitteln? Und wenn ja, wielange?

Da ich immer mal wieder über die Ursache der Pankreatitis bei mir nachdenke, experementiere ich neuerdings mit der Ernährung herum. Man sagt ja, dass man gewisse Lebensmittel nicht essen kann bzw Probleme danach hat.
Wie sieht es aus mit Schokolade? Burgern? Pizza? Pommes? Cola? Sollten diese Lebensmittel nicht zu Problemen führen? Wenn ja, in welcher Form würden sich diese Probleme zeigen?!
Ich frage, weil ich mich seit ein paar Wochen getraut habe und angefangen hab mit Kitkats, Mars, mal ne Pizza, ab und zu Burger mit Süßkartoffelpommes. (meistens esse ich eher gesund. Couscous, Obst, Kefir, Salate, Quinoa, oft Sushi) Ich mag, bis auf Schokolade, auch nicht unbedingt ungesundes Essen, aber es führte bei mir auch nicht zu Schmerzen...
Deswegen frage ich...weil ich hier immer was von Unverträglichkeit lese, ich diese bei mir aber nicht bemerkt habe.

Lg bunny
thphilipp
Beiträge: 1615
Registriert: 2. November 2010, 07:17

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von thphilipp »

Hallo,

laut medizinischer Sicht könnten die von Dir aufgeführten Lebensmittel wohl zu Problemen führen, aber...

meine Drüse ist auch total kaputt und ich kann alles essen. Habe kein Durchfall oder ähnliches. Bisher wohl Glück im Unglück gehabt. Bisher sind meine Elastasewerte jedoch auch fast normal und immer über 450....

Trifft also wohl nicht für jeden zu, was in der Literatur so steht!
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Liebe Grüße Thorsten
Babybunny
Beiträge: 45
Registriert: 13. Mai 2016, 18:46

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Babybunny »

Was für Beschwerden hast du denn allgemein? Wenn du fast alles essen kannst? Hast du dann Beschwerden unabhängig vom Essen?!

Lg
thphilipp
Beiträge: 1615
Registriert: 2. November 2010, 07:17

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von thphilipp »

Hallo,

eigentlich gar keine Probleme aktuell zumindest. Hatte aber auch schon lange Bauchschmerzphasen.
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Liebe Grüße Thorsten
Suedhessen
Beiträge: 52
Registriert: 20. Mai 2016, 12:56

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Suedhessen »

Ich wäre vorsichtig mit der Einteilung in "gesunde" und "ungesunde" Lebensmittel. Wenn Du z.B. Fructoseintoleranz hast und das tolle "gesunde" Obst fröhlich in Dich reinstopfst im Kilopack, dann werden daraus bald wirklich irre Schmerzen, Blähungen, Krämpfe und Durchfall. Bananen sind vielleicht nicht so schlimm, aber mach das mit Erdbeeren und Du bereust es. Das hat jetzt zwar weniger mit der Bauchspeicheldrüse zu tun, aber ich hoffe, Du akzeptierst das Beispiel trotzdem. Ich will nämlich darauf hinaus:

Menschen sind nicht alle gleich. Warum sollten alle Menschen das gleiche Essen gleich gut vertragen?

Ja, "vertragen", darum geht es mir, nicht um "gesund". Und was man verträgt und was nicht ist teilweise ganz schön individuell. Salat, generell Rohkost, ganz schlimm: Mais und zumindest die Schale von Paprika. Oder auch Körner, z.B. Mohn. Von Mohn vielleicht abgesehen, sollen Salat, Rohkost, Paprika, Körner uuuuunglaublich gesund sein. Ich dagegen, und ich bin mir sicher, da bin ich unter Patienten mit exokriner Pankreasinsuffizienz nicht allein, mache einen weiten Bogen darum. Ich kann das nicht verdauen und der Versuch ist schmerzhaft.
Also nochmal:
Ein Patient mit exokriner Insuffizienz und entsprechenden Verdauungsschwierigkeiten wird die Meinung vielleicht nicht teilen, dass Salat und sonstige Rohkost und selbst gekochte Paprika "gesund" sind.

Man muss sich selber beobachten, sehen, was man verträgt, was nicht. Ein paar Leitideen:
  • Wenn Bauchspeicheldrüse + Verdauungsprobleme, dann denkt man i.d.R. an: Exokrine Insuffizienz. Falls Du also einfach keine exokrine Insuffizienz hast, dann dürftest Du auch keine Verdauungsprobleme im Zusammenhang mit der Bauchspeicheldrüse haben. <-- Das ist keine allgemeingültige Regel, kein Naturgesetz. Ich meine das eher als Anhaltspunkt: Die Bauchspeicheldrüse kann ganz schön geschädigt sein und trotzdem noch genügend Enzyme herstellen bei manchen Patienten. Hat man dennoch - und vielleicht nur sporadisch - Verdauungsprobleme, dann muss nicht unbedingt die Bauchspeicheldrüse schuld sein. Auch dann nicht, wenn eine Schädigung irgendeiner Art bekannt ist.
  • Achte auf Blähungen und ein "Aufgebläht-sein". Das ist typisch für schlecht verdaute Lebensmittel.
  • Wie oben erwähnt: Mais, Rohkost, Paprika(schalen), Pilze und einiges mehr sind bekannt dafür, schwer verdaulich zu sein. Kohl zum Beispiel auch. Lies am besten ein paar Ratgeber zur Ernährung bei exokriner Insuffizienz, damit Du einen Überblick hast.
  • Es gibt viele verschiedene Ursachen und Formen von Verdauungsschwierigkeiten. O.g. Insufizienz muss es bei Dir ja nicht unbedingt sein.
  • Portionsgrößen: Große Portionen vertrage ich z.B. absolut überhaupt nicht, obwohl eine Mahlzeit vielleicht auch mal eher fettarm ist. Wenn Portionsgrößen für Dich nicht so das Problem darstellen, dann arbeitet Deine Bauchspeicheldrüse vielleicht ja noch relativ gut?
  • Umgekehrt kann ich auch ein Stück Pizza essen, aber leider keine ganze Pizza wie ein gesunder Mensch. Pizza mag viel Fett enthalten (25-30%?), aber wenn die Portion klein ist und ich brav Enzyme dazu nehme... Ich meine nur: Gesund-ungesund beim Essen ist wirklich so eine Sache. Haue ich mir eine Schale ach so gesunde Erdbeeren rein und ess dann genüsslich eine rohe Paprikaschote, dann ist die Beschreibung "gesund!" das letzte, woran ich später denke, wenn ich über Erdbeeren und Paprika nachdenke.
  • Scharfe Gewürze / stark gewürzte Speisen können kontraproduktiv sein bei exokriner Insuffizienz
Last but not least: Will man erkennen, ob man evtl. an exokriner Insuffizienz leidet, dann denkt man bei exokriner Insuffizienz an den typischen Fettstuhl und Unverdautes, z.B. Gemüse.
Suedhessen
Beiträge: 52
Registriert: 20. Mai 2016, 12:56

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Suedhessen »

Hier noch ein Link zur Uni Düsseldorf, damit Du siehst, dass ich mir das nicht alles ausdenke:
http://www.uniklinik-duesseldorf.de/index.php?id=21059
Durch vermehrte Bildung von Gasen kann es zu Blähungen mit krampfartigen Bauchschmerzen kommen. Festere Nahrungsbestandteile wie z.B. Gemüsestücke werden zum Teil (...)
Bitte versteh mich nicht falsch:
Ich will Dir nicht ausreden, dass Du eine exokrine Insuffizienz hast - oder andere Probleme mit der Bauchspeicheldrüse.

Aber ich glaube, wenn Du schreibst, dass Du eine Pankreatitis hast, dann schadet es nicht, dass Du Dich mit den typischen Verdauungsschwierigkeiten auseinandersetzt, die man mit der Bauchspeicheldrüse und speziell der exokrinen Insuffizienz in Verbindung bringt. Schließlich hattest Du auch geschrieben, dass Du besorgt bist wegen etwaiger Verdauungsschwierigkeiten. Ich denke, dass Du mit diesem Wissen besser gewappnet sein wirst und Deine eigene Situation besser einschätzen kannst.
Lass Dich aber nicht verrückt machen, insbesondere von Problemen, die Du im Augenblick gar nicht hast!

Was ich aus Erfahrung weiß:
Nicht alle Ärzte werden zuhören wollen bei Verdauungsschwierigkeiten, weil sie auch nur Menschen sind und das Thema einfach... eklig finden. Umso wichtiger für eine Diagnose meiner Meinung nach: Bei Problemen sollte man als Patient die Verdauungsschwierigkeiten, wenn man sie denn hat, gut und ohne Scham beschreiben können.
Babybunny
Beiträge: 45
Registriert: 13. Mai 2016, 18:46

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Babybunny »

Hallo,

ich danke dir für deine ausführliche Antwort.

Ich denke nicht, dass ich an einer exokrinen Insuffizienz leide. Ich habe keine Durchfälle. Mein Stuhlgang ist ziemlich regelmäßig. Ich kann eine ganze Schale Erdbeeren ohne Probleme essen.
Ich hatte mein Leben lang immer öfters mit dem Magen zu tun. Aber festgestellt wurde nie etwas. Eventuell Reizmagen?! Ich hab mir auch ehrlich gesagt nie Sorgen gemacht. Es gab Phasen in denen hatte ich keine Probleme und Phasen, in denen ich keinen Kaffee mehr trinken konnte oder bestimmte Sachen essen (scharf, reizend, fettig)
Erst seitdem ich die akute Pankreatitis hatte, hab ich mir angefangen Gedanken bzw Sorgen zu machen. Und ich bin in dem Forum gelandet, weil auch die Ärzte keine Ahnung haben, wieso und weshalb. Die Vermutung war ein Gallenstein, der sich gelöst hatte und aus diesem Grund nicht entdeckt wurde. Ich hatte aber überhaupt keine Schmerzen dieser Art! Ich hab Rippenschmerzen bekommen. Ich denke ja immer noch, es kam vom Antibiotikum. Aber keiner glaubt mir. Wenn es also nicht davon kam, von was dann? Da ich ein Baby zu Hause habe und noch stille, kann ich nicht ständig beim Arzt sitzen bzw. gewisse Untersuchungen über mich ergehen lassen.

Lg
Bunny
Suedhessen
Beiträge: 52
Registriert: 20. Mai 2016, 12:56

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Suedhessen »

Hallo,

nun, wegen der Verdauung musst Du Dir vielleicht ja gar keine Sorgen machen. Ich wollte eigentlich nur Verständnis wecken für die "typischen" Beschwerden einer exokrinen Insuffizienz. Du sagst, dass Du dieses Problem vermutlich nicht hast und ich wünsche Dir, dass das so bleibt.

Deine Phasen bzgl. scharfem / fettigem Essen und Kaffee:
Könnte das Sodbrennen / Refluxösophagitis sein?

Ich will nicht sagen, dass das was mit der Bauchspeicheldrüse zu tun hat, und auch nicht, dass es nichts damit zu tun hat. Was ich aber ab und zu lese:
Das Pankreassekret enthält zum einen Bikarbonat zur Neutralisierung der Salzsäure, die mit dem Speisebrei aus dem Magen kommt.
--> Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Bikarbonat produziert, hat man evtl. mit der Magensäure Probleme ==> Sodbrennen zu tun. So habe ich es auf verschiedenen Websites gelesen.
Ein Endokrinologe (Facharzt für Hormone / endokrine Drüsen) sagte mir mal:
Alle seine Patienten mit chronischer (evtl. auch akuter?) Pankreatitis bekämen von ihm Magensäurehemmer, sog. Protonenpumpeninhibitoren. Die bräuchten das. Von Bikarbonat habe er noch nie gehört.
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Zusammenfassung:
  • Scharfe Speisen, Alkohol, Nikotin, fettreiche Speisen --> Können zu Sodbrennen führen
  • Ebenso sollten sie ggfs. generell bei Bauchspeicheldrüsenproblemen gemieden werden (v.a. Alkohol und Nikotin), egal, ob man eine exokrine Insuffizienz hat oder nicht. Die Speisen sind, würde ich sagen, vielleicht etwas "ungünstig". Richtig verbieten muss man sie vielleicht nicht unbedingt, aber das soll jeder für sich entscheiden.
  • Falls die Bauchspeicheldrüse bereits geschädigt ist (chron. Pankreatitis und / oder exokrine Insuffizienz), dann kann dies die Neigung zu Sodbrennen erheblich steigern: Siehe Stichwort Bikarbonat.
  • Auf Sodbrennen reagiert man ärztlich meiner Erfahrung nach z.B. durch regelmäßige Magenspiegelungen, Aufklärung bzgl. Ernährung und Lebensweise - und oft durch die Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (z.B. Omeprazol, Lansoprazol und andere).
  • In Wasser eingerührte Flohsamenschalen vor den Mahlzeiten haben mir geholfen, meine Magensäureprobleme erheblich zu mindern. Ohne Protonenpumpeninhibitoren komme ich leider trotzdem nicht aus.
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Magensäure und Verdauungsprobleme

Meine ehem. Hausärztin (Internistin) hatte mir erklärt, dass zuviel Magensäure generell Verdauungsprobleme auslösen kann. Zum Beispiel: Ist die Magensäure morgens sehr schlimm, dann kann man schon beim Trinken von Wasser kurz danach Durchfall erleben.
Wie genau der Zusammenhang ist, und, ob die Hausärztin völlig recht hatte, weiß ich nicht. Aber meiner Erfahrung nach sind die Probleme bei zuviel Magensäure schon mannigfaltig.




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Noch ein Wort zur exokrinen Insuffizienz:
Die exokrine Insuffizienz ist oft ein fortschreitender Prozess. Die typischen Verdauungsschwierigkeiten treten erst ab einer Schädigung von satten ca. 90% des relevanten Bauchspeicheldrüsengewebes auf (* aus dem Gedächtnis, lasse mich gerne korrigieren). Das heißt: Die Bauchspeicheldrüse kann über viele Jahre hinweg immer weiter geschädigt werden (z.B. durch Alkohol oder Nikotin), aber die Symptome der exokrinen Insuffizienz treten eventuell erst sehr viel später auf.
Wenn man also ohne Symptome und Diagnose der exokrinen Insuffizienz trotzdem schon auf sich Acht gibt und v.a. Alkohol und Nikotin meidet - wer weiß, vielleicht kann man diese Probleme ein paar Jahre hinauszögern, falls sie trotzdem kommen sollten?

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Quelle für das Zitat oben: http://www.netdoktor.de/anatomie/bauchspeicheldruese/
Zuletzt geändert von Suedhessen am 28. Juli 2016, 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
Suedhessen
Beiträge: 52
Registriert: 20. Mai 2016, 12:56

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von Suedhessen »

Noch was zum Thema Alkohol und Nikotin:
Ich will und kann Dir diese Stoffe nicht verbieten.
Ich unterstelle Dir auch auf keinen Fall, zuviel Alkohol oder Nikotin zu konsumieren oder je konsumiert zu haben. Ich verurteile zwar auch niemanden, der den Süchten verfallen ist, denn jeder Mensch kann einer Sucht verfallen. Die Bauchspeicheldrüse kann jedenfalls aber auch ohne Alkohol und Nikotin geschädigt werden bzw. geschädigt worden sein.

Ich wollte nur widergeben, was viele Ärzte stark hervorheben:
Die Schädlichkeit von Alkohol und Nikotin.
Das heißt: Wenn Du darauf verzichten kannst und willst, dann ist es, nach allem, was Ärzte sagen, sehr förderlich, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten, wenn man Bauchspeicheldrüsenprobleme hat.
veritas
Beiträge: 448
Registriert: 29. Juli 2016, 10:58

Re: Z.n. Akuter Pankreatitis

Beitrag von veritas »

Hey, also zur Ernährung ist es so, dass ich auch im Krankenhaus, wenn ich mal das Glück hab wen anderen mit Pankreatitis kennenzulernen, merke, dass das oft sehr unterschiedlich ist.
Das was bei mir zum Beispiel eine sofortige Entzündung unter irrsinnigen Schmerzen bereitet ist Kaffee, ich kann nichtmal ein paar Schluck von einem Milchkaffee trinken, ohne Schmerzen zu kriegen. Auch bei Kohlensäure krieg ich sehr leicht Schmerzen. Dazu bekomme ich, wenn ich was Fettiges esse (also z.B. Auberginen mit viel Öl, persisches Essen, Palatschinken in viel Butter herausgebacken) Schmerzen und starken Durchfall.
Ich habe von vielen gehört, dass sie Pilze überhaupt nicht essen können, damit hab ich aber gar keine Probleme.

Wenn es mir schlechter gehen sollte, kann ich nichts Rohes essen, vor allem kein Obst. Essig ist auch immer wieder ein Problem und lasse ich jetzt ganz weg. Sushi esse ich allerdings gerne sogar wenns mir schlechter geht, das vertrage ich irgendwie extrem gut.

Was Alkohol angeht, habe ich eigentlich nie direkt Schmerzen davon bekommen, aber ich lasse es sicherheitshalber trotzdem weg, ich hab Angst, dass das langfristig doch Schäden macht. Also trinke ich so drei, viermal im Jahr etwas, zu ganz besonderen Anlässen.
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