Ärzte uneinig

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Panko
Beiträge: 16
Registriert: 18. April 2020, 17:22

Ärzte uneinig

Beitrag von Panko »

Hallo,

ich hatte vor ein paar Wochen schon ins Forum geschrieben:

"Oktober 2018 hatte ich einen Lipasewert von 800. Der ging jedoch schnell zurück. Dezember 2019 hatte ich wieder einen Lipasewert von 840...der nach zwei Wochen zurückging.

Ich hab dann alle diagnostischen Verfahren durch:

MRT war unauffällig
Magenspiegelung unauffällig
Darmspiegelung unauffällig
Endosonso minimal scholliger Pankreas-->keine Anzeichen auf eine Entzündung
Laboruntersuchungen unauffällig
Elastasewert nur 1 x gemessen bei 120

Gestern hatte ich wieder rechts unterm Brustkorb Druckschmerzen. Heute ruft mich der Arzt für innere Medizin an und sagt mir die Lipasewerte seien bei 180 und wegen meinem Stuhlgangs habe ich eine chronische Pankreatitis."


Jetzt bin ich bei einem Prof.Gastroenterologen im Krankenhaus gewesen und der meinte zu mir, dass eine chronische Pankreatitis aufgrund des Schmerzes auf der rechten Seite und weil ich nicht trinke noch jemals in meinem Leben geraucht habe, ausgeschlossen werden kann. Als ich ihn auf die erhöhten Lipasewerte ansprach, meinte er das ich die ersten Male ja keine Schmerzen (auch bei Lipase von 870) hatte und es Menschen gibt, bei denen die Lipase ohne Grund mal hoch und mal runter geht. Seine eindeutige Diagnose KEINE chronische Pankreatitis und er will auch die Elastase nicht bestimmen sondern eher Ultraschall und aufgrund der rechtsseitigen Schmerzen den Brustbereich röntgen. Er meinte zwei Symptome wie z.B. Durchfall und Schmerzen rechts sind nicht ausreichend für eine chronische Pankreatitis. Da die Endosonografie keine chronische/akute Pankreatits diagnostiziert hat, ist diese Krankheit für ihn raus.
Ist das die richtig so? Irgendwie werd ich verrückt. Ein Internist ist sich ganz sicher, dass es chronisch ist und der andere schließt das kategorisch aus. Soll ich jetzt noch einen dritten Arzt rüberschauen lassen und ist die Vorgehensweise richtig?

Vielen Dank für die Antwort.
Tomas von Hindenburg

Re: Ärzte uneinig

Beitrag von Tomas von Hindenburg »

Guten Abend,

Ich muss leicht schmunzeln (nicht böse gemeint, nur für mich selber), ich muss immer wieder mit dem Kopf schütteln wie wenig sich einige sogenannte Professoren tatsächlich auskennen.
Wie Gert Postel es mal sagte,— „ich war Hochstapler unter Hochstaplern“.
Ein Amateur hat die Arche Noah gebaut. Experten die Titanic....
Ich wünsche mir dass Dir bald geholfen wird!!

Viele Grüße
Tomas
Panko
Beiträge: 16
Registriert: 18. April 2020, 17:22

Re: Ärzte uneinig

Beitrag von Panko »

Bist also der Meinung der Prof liegt falsch? Sollte ich jemand anderen aufsuchen? Was hast du für Tipps für mich. Ich will natürlich wissen was ich habe.
Tomas von Hindenburg

Re: Ärzte uneinig

Beitrag von Tomas von Hindenburg »

Guten Abend,

nun ja so einfach ist das alles nicht. Leider. Pankreas ist ein schwieriges Feld. Bildgebende Verfahren haben ihre Grenzen, Laborwerte aus meiner persönlicher Sicht und Erfahrung eher weniger. Fakt ist ja dass Deine Bauchspeicheldrüse irgendwie muckt, sonst wäre die Lipase nicht regelmäßig im 800er Bereich (immer dann wenn gerade mal Blut abgenommen wurde, es gibt also womöglich auch eine Dunkelziffer). Zudem ist der Elastasewert erniedrigt.

Ich möchte niemanden etwas unterstellen, biete Dir aber an Dir meine Geschichte in Kurzfassung anzuhören. Wie Du dann handelst und mit den Informationen umgehst, bleibt Dir überlassen.

Ich habe seit ca. 7 - 8 Jahren schwerste Probleme mit meiner Bauchspeicheldrüse, gefühlt auch noch länger. Seit 7 Jahren begleitet mich stärkste Übelkeit, seit etwa 6 Jahren stärkste Schmerzen mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Sämtliche Untersuchungen (MRT mit MRCP, CT, Endosonografie) blieben immer ergebnislos, ohne Befund. Die besten Ärzte, Top Professoren können mit Sachen die sie nicht erklären können, nicht umgehen. Auch bei mir war es so, dass ich deutschlandweit bei den besten Schallern war, die mir immer wieder erklärt haben dass wenn Endosono und MRCP nichts anzeigen, dass man dann das Thema Pankreas ad Acta legen kann. Mittlerweile war ich irgendwann Schmerzpatient. Dass das ganze dann auch auf die Psyche geht ist auch klar. Irgendwann begann ich dann zu lesen und zu studieren, sämtliche Lektüren in deutscher und in englischer Sprache aufzusaugen.

Ich kann Dir hier anraten Dir die S3 Leitlinie- der chronischen Pankreatitis anzuschauen. Dort steht ganz klar beschrieben dass es Fälle gibt bei denen die Symptome den organischen Veränderungen des Organs vorausgehen. So kam es dann auch bei mir.
Überall hieß es,— Sie sind gesund, es ist psychisch. Ein Professor wollte mir sogar erklären dass meine massenhaften gelben Stuhlabgänge auch psychisch wären....

Seit ca. 6 Jahren bin ich Patient im Pankreaszentrum Bochum. Hier wurde ich ernst genommen und war jährlich zu meinen Untersuchungen (EUS, MRCP, CT) die auch hier immer ohne Befund waren. Die Ärzte in Bochum waren aber die einzigen und ersten die der Meinung waren dass bei dieser Qualität von Schmerzen ein Pankreas Geschehen diskutiert werden müsse. Und seit letzten Jahr sieht man mittlerweile starke Veränderungen des Organs. Die BSD. zeigt sich stark arthrop und volumengemindert. Die Elastase war schon lange erniedrigt. Hin und wieder habe ich aber auch noch sehr gute Werte. Bei mir war die Lipase beispielsweise noch nie erhöht, so ist jeder Verlauf anders.

Eins ist aber Fakt, wenn die Bauchspeicheldrüse die Ursache der Beschwerden ist und es sich um eine beginnende schleichende chronische Pankreatitis handelt, wird sich das Organ irgendwann beginnen zu verändern. Irgendwann würde es in der Bildgebung sichtbar werden. So sind meine Erfahrungen.

Viele Grüße
Tomas von Hindenburg
Panko
Beiträge: 16
Registriert: 18. April 2020, 17:22

Re: Ärzte uneinig

Beitrag von Panko »

Hallo,

erstmal danke für deine Erklärung. Mir macht das alles ein bisschen Sorge. Vor allem weil jeder Arzt was anderes diagnostiziert bei mir.

Ist es denn so, dass wenn die Elastase1 im Stuhl zu niedrig ist, es immer eine chronische Pankreatitis ist? Oder kann auch eine akute Pankreatitis dahinterstehen?

Ab wann spricht man von einer akuten und wann von einer chronischen Pankreatitis? Kann man auch öfter akute Pankreatitisanfälle haben? Die neueste Diagnose ist jetzt, es seien öfter akut aufkommende Pankreatitisanfälle, weil die Lipasewerte steigen aber auch schnell wieder sinken.

Vielen Dank für deine Info und deine Geschichte. Ich wünsche dir wirklich das beste.

Gruß
Carlos
Beiträge: 61
Registriert: 8. Oktober 2014, 22:07

Re: Ärzte uneinig

Beitrag von Carlos »

Ich melde mich auch mal eben zu Wort.
Es ist wie Thomas sagt ein komplexes Gebiet.
Die genaueste Diagnose bekommst du von einem guten Endoakopiker. Ich würde diese Untersuchung in einem Pankreas Zentrum durchführen lassen. Die Ärzte müssen auf dem Gebiet Erfahrung haben.
Evtl hast du auch ein Pankreas Divusum, was jetzt zu einem Ruckstau führt, evtl eine chr. Pankreatitis oder sonst was. Auf jedem Fall entzündet sich deine Bauchspeicheldrüse bei so einem hohen Lipasewert und das ist nicht gut.
Also ab in ein Pankreaszentrum und einmal gründlich untersuchen lassen.
Viele Grüsse
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