Whipple-OP mit 21

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Schmetterling04
Beiträge: 1
Registriert: 13. November 2025, 14:20

Whipple-OP mit 21

Beitrag von Schmetterling04 »

Guten Tag,

bei mir wurde per Zufallsbefund (Notfallaufnahme Oberbauchschmerzen) eine Zyste im Pankreaskopf (Proc. uncinatus) gefunden. Ich habe lange keinen Termin für ein MRT bekommen, 9Monate später war die Zyste dann im MRT auffällig: septiert, fokale Wandverdickung >5 mm mit Kontrastmittelaufnahme, schien auch solide Anteile zu haben. Die Lymphknoten waren unauffällig. Dann hatte ich eine EUS-Feinnadelpunktion zur histologischen Abklärung. Der Befund war unauffällig, also keine malignen Zellen wurden gefunden, allerdings betonte der Bericht dass die Gewebsprobe nur sehr spärlich gewesen sei. Beim Tumorboard wurde entschieden, die Zyste zu entfernen, weil es sich wahrscheinlich um eine Vorstufe handele und zu viel Entartungsrisiko bestehe. Es ist jetzt für Mitte bis Ende Dezember eine minimalinvasive OP mit dem DaVinci Roboter geplant, bei der die Zyste entfernt wird. Jedoch wurde mir gesagt, es könne gut sein dass sich intraoperativ herausstellt, dass man doch noch mehr entfernen muss wenn die Zyste bösartig wirkt, was aufgrund der Bildgebung wahrscheinlich ist trotz des unauffälligen histologischen Befunds und dann muss man die Whipple-OP machen. Ich habe zugestimmt und auch unterschrieben aber das kann ich ja zurücknehmen.

Ich bin 21, weiblich. In meiner Familie sind schon einige Verwandte an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben.

Meine Frage: Soll ich einer eventuellen Whipple-OP zustimmen oder nicht? Wenn die Zyste bösartig wirkt, würde man sie ohne Wipple-OP anscheinend garnicht rausnehmen wurde mir gesagt. Ich finde das schon einen ziemlich großen Eingriff vorallem in meinem Alter. Es hat vielleicht den Vorteil, dass die Heilungschancen gut sind. Es ist ja aber eigentlich ein unauffälliger histologischer Befund. Und mir ist der Eingriff wirklich etwas suspekt. Hat hier jemand Erfahrung mit der OP, vielleicht auch in einem jüngeren Alter? Wie ist die Lebensqualität, ist das überhaupt ein Eingriff der darauf ausgelegt ist dass das Verdauungssystem noch für 50+ Jahre funktioniert? Ich habe Angst, vielleicht kann mir auch jemand Mut machen dass es nicht so schlimm ist? Würdet ihr den Ärzten vertrauen, gibt es Motive dass sie dieses Verfahren vorschlagen ? Ich will eigentlich keine Whipple-OP wenn es dann intraoperativ ein "unklarer Befund" ist das sollte schon nur passieren wenn es gesichert maligne ist oder nicht?

Ich freue mich auf jede Antwort vielen vielen Dank!
Liebe Grüße
Keksdose
Beiträge: 39
Registriert: 6. März 2024, 18:58

Re: Whipple-OP mit 21

Beitrag von Keksdose »

Huhu,

ich bin kein Arzt. Aber ich denke, dass die Frage massiv die Kompetenz dieses Forums überschreitet. Wenn die Ärzte denken es ist bösartig und muss raus, dann kann dir hier niemand was anderes sagen.

Wenn mehrere deiner Verwandten an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben sind, bist du wahrscheinlich leider einer der ganz wenigen Fälle, wo aufgrund genetischer Ursachen dieser Krebs auch in jungen Jahren auftreten kann.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ja leider eine Krebsart, die extrem schnell metastasiert. Und dann ist es nicht mehr möglich, den Krebs operativ zu entfernen. Daher ist es so wichtig, wenn er erkannt wird, ihn so schnell es geht zu entfernen und kein Risiko einzugehen. Wenn die Ärzte es für bösartig halten und die Whipple als notwendig erachten, du dich aber dagegen entscheidest, gehst du eine Wette mit extrem hohen Einsatz (deinem Leben) ein. Wenn es Krebs wäre und der nicht rechtzeitig operiert wird, dann hast du nur noch wenige Jahre. Alle diagnostischen Verfahren sind leider nie 100 % absolut. Und deine Ärzte haben ja auch jahrelange Erfahrung und schlagen einem jungen Menschen eine solche OP nicht aus Spaß vor, sondern weil sie dein Leben bewahren wollen.

Was du natürlich machen kannst, ist deine Befunde an ein anderes Klinikum mit Bauchspeicheldrüsenzentrum zur Zweitmeinung zu schicken.

Ich kann deine Sorge vor der OP absolut verstehen. Und eine Whipple OP ist ein massiver Eingriff. Aber du findest hier im Forum auch Personen mit relativ geringen Einschränkungen. Und es kann ja auch sein, dass alles glatt läuft, es wirklich nur ne Zyste ist und die minimalinvasiv raus kommt.

Ich wünsche dir alles Gute!
Kerstin2015
Beiträge: 330
Registriert: 23. August 2019, 08:43

Re: Whipple-OP mit 21

Beitrag von Kerstin2015 »

Hi,
Alle deine Bedenken kann ich nur zu gut nachvollziehen. Je nachdem wie viel weggenommen wird bei der Whipple op,hat man auch die Konsequenzen zu tragen, sein Lebenlang.
Ich hatte einen Franz Tumor oder auch SPN ,ein gaaanz seltener,der vorwiegend bei jungen Frauen auftritt und sehr groß wird.Bei Diagnose war er Faustgroß und leider musste die klassische Whipple gemacht werden .Nicht alles was an der BDS wächst ist bösartig...aber Du hast ja diese familiäre Vorbelastung Wenn es malig sein sollte, hast du gute Chancen nach Op ein gutes langes Leben zu leben mit Einschränkungen ,die unterschiedlich ausfallen und sich im Laufe der Zeit auch verändern (können).
Leider wird das Ausmaß oft erst bei Op festgestellt und dann wird entschieden.
Da begibt man sich in die Hände der Ärzte und hat keine wirkliche Entscheidungsgewalt mehr, ja das fand ich auch schlimm.
Umso wichtiger, das man sich in der richtigen Klinik befindet mit genügend Erfahrung auf dem Gebiet . Eine zweit /dritt Meinung von einer anderen ,guten Klinik hilft einem sicherlich bei der Entscheidungsfindung..oft werden die Befunde per Mail übermittelt und die schauen da drüber, aber da haben hier andere mehr Erfahrung zu.
Liebe Grüße Kerstin
UschiPf
Beiträge: 109
Registriert: 23. Juli 2025, 18:00

Re: Whipple-OP mit 21

Beitrag von UschiPf »

Lieber Schmetterling, ich kann mich der Meinung von Keksdose nur anschließen! Ich bin 30 Jahre älter als du und meine Whipple OP ist 6 Wochen her. Ich wurde wegen chronischer Pankreatitis operiert und hatte 2 Zysten mit 9mm am Pankreaskopf. Sie waren kurz vor der Entartung!
Nach der OP ging es mir zirka 1 Woche von den Schmerzen und der Verdauung her nicht so gut, aber es wurde täglich besser! In der 2. Krankenhauswoche war ich schon im Cafe einen Happen essen, da das Essen im KH ja nicht sehr gut ist. Nach 12 Tagen wurde ich nach Hause entlassen. Ich brauche seitdem auch keine Schmerzmittel mehr, ich habe auch keinen Durchfall! Ich esse auch fast alles wieder. Und Diabetikerin bin ich auch nicht geworden! Es gibt viele im Forum, die die OP leider nicht so gut wegstecken, aber es gibt auch viele, die gar nicht im Forum sind und die OP so wie ich, gut überstanden haben.
Wichtig ist ein guter Chirurg und ein Pankreaszentrum!
Wie gesagt, du bist viel jünger als ich, und wenn ich die OP so gut überstanden habe, schaffst du das erst recht! Liebe Grüße Uschi
Michelina
Beiträge: 1
Registriert: 13. November 2025, 13:14

Re: Whipple-OP mit 21

Beitrag von Michelina »

Ich war letztes Jahr 5 Monate im Krankenhaus ohne Schmerzen, allerdings waren meine Leberwerte 100fach zu hoch, 4 Monate davon ohne Diagnose. Man nahm bei mir 10 Endoskopien, 6 CT und genau soviel MRT´s vor und das immer mit Narkosen. Ich wog bei der Entlassung ganze 31 kg. Selbst im MRT war nichts zu sehen. Danach hatte ich ein Gespräch über eine Whipple OP weil die Ärzte sagten, es könne sich jetzt nur noch um Krebs handeln. Es war für mich und meine Familie eine mehr als schwere Entscheidung. Mir blieb letztendlich nichts anderes übrig, denn mit der Ungewissheit konnte ich einfach nicht mehr leben. Als ich wieder ins Leben zurück kam nach der großen 8 stündigen Bauch OP stellte sich heraus, dass ich nicht nur ein Tumor an der Gallenblase hatte sondern auch 5 Lymphknoten die metastasiert waren. Sie entnahmen mir 4 gesunde Organe vorsichtshalber weil der Tumor so ungünstig lag. Auf einmal mal war ich Diabetiker Typ 3c hatte keine Milz, keine Gallenblase, keine Bauspeicheldrüse , ein Stück vom Zwölffingerdarm und 25 Lymphknoten mehr. Danach eröffnete man mir das ich eine Chemotherapie machen muss. Es ist jetzt ein Jahr her aber viele Nebenwirkungen und Schmerzen bleiben. Das ganze Leben ist auf den Kopf gestellt. Aber ohne dieser OP wäre ich heute nicht mehr am Leben. Ich wünsche allen hier von ganzem Herzen nur das Beste.
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