Re: Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs - bin fix und fertig
Verfasst: 6. März 2015, 22:15
Hallo Ihr Lieben,
erstmal ganz lieben herzlichen Dank für Eure Anteilnahme - es tut einfach gut, nicht allein zu sein....
Nach den ersten Wochen des Schockzustandes geht es uns ein bisschen besser - es ist schon erstaunlich, welche Phasen die Psyche nach einer solchen Diagnose durchläuft... Nach dem Schock fängst du an, zu akzeptieren. Und nach der Akzeptanz fängst du an, dein Leben neu einzurichten. Wir Menschen brauchen Regelmäßigkeit, Rituale, sowas wie Normalität. Es war alles aus den Fugen, NICHTS war mehr normal, und so langsam pendelt sich denn doch wieder ein Alltag ein, auch wenn der ganz anders aussieht als zuvor.
Ich habe auch erkannt, was ich falsch gemacht habe, und ich kann nur jedem, der dieses Schicksal teilen muss, ans Herz legen, nicht denselben Fehler zu machen. Ich wusste es nicht besser, ich kannte auch niemanden, der Ähnliches erlebt hat und mir hätte helfen können. Mein dringender, aus ganz frischer Erfahrung resultierender Rat:
Lasst den Kranken nicht außen vor, weil Ihr ihn schonen wollt. Klammert seine Mutter nicht aus, weil ihr sie schonen wollt. Macht nicht alles alleine, weil Ihr denkt, der Kranke kann das nicht mehr. Der kann das in dem Stadium durchaus noch, der WILL das. Und der wird stinksauer, wenn er von Alleingängen erfährt. Versucht nicht, den Krebs zu verharmlosen. Oder die statistische Lebenserwartung. Der Kranke weiß eh, was los ist. Sagt es ihm der Arzt nicht, sagt es ihm Google. Verbietet Euch Eure Tränen und Eure Gefühle nicht.
Ich hab das alles falsch gemacht. Ich habe vier Wochen lang alles geschultert, meinen Mann von seiner miesen Prognose ferngehalten, mir jede Träne ihm gegenüber verboten, ich habe mich vollgefressen mit Fachwissen, nächtelang im Internet recherchiert, ihn daneben betüttelt, bekocht, mit Liebe überschüttet, bin in die Arbeit, danach ins Krankenhaus, abends um 21, 22 h nach Hause, Schwiegermutter beruhigt (wir wohnen im selben Haus), mit meiner Mutter telefoniert ( wir wohnen 300 km auseinander), ein paar Bissen essen, dann wieder Internet, Infos fressen, und dann kam, was kommen musste: Fieber, Schüttelfrost, Kreislauf- und Nervenzusammenbruch.
Verliert nicht wertvolle Zeit damit, Euch gegenseitig etwas vorzumachen - je länger Ihr Euch kennt, desto weniger wird Euch das gelingen. Für uns war es wie eine Befreiung, uns in den Armen zu halten und miteinander zu weinen. Und das ist auch gar nicht schlimm - ja, es zerreißt einen das Herz, aber: Ich kenne keinen einzigen Moment in den 20 Jahren, die ich mit meinem Mann verbracht habe, in dem wir uns SO nahe waren. Das ist grausam, aber auch ganz, ganz wertvoll und einmalig. Und in DEN Momenten spürst Du sie - die wahre Liebe. Das geht so unter die Haut, das ist so schrecklich schön, das ist gerade in unserer Situation so wertvoll - denn in dem Moment erkennst Du, worum und wofür Du kämpfst, und du weißt, dein Mann sieht das genauso, der will leben, seiner selbst willen und auch Deinetwillen, und genauso funktioniert das auch.
@fritzpop - die Frage hat sich nie ernsthaft gestellt - der Gedanke kommt denke ich ganz automatisch hoch. Mein Mann und ich sind beide viel zu bodenständig, um uns in solchen Gedanken allzu lange zu verfangen. Ich war da auch ganz brutal und hab ihm gesagt: Hör auf damit - oder fang an, darüber nachzudenken, warum Dreijährige an Krebs sterben müssen - es gibt verdammt nochmal keine Schuldigen, wer kann denn unschuldiger sein als ein Kind?????
@Andrea - ich bin glaube ich ein bissl anders gestrickt als Du. Dass Zucker schädlich ist, ist wissenschaftlich nicht erwiesen, im Gegenteil pushen unsere Ärzte meinen Mann mit Hochkalorischem, und das ist nun mal Zucker und Fett, und außerdem gefällt uns ganz persönlich das Verb "kämpfen" viel besser als "heilen". Den Scheißkrebs kannst Du nicht wegfasten, schönreden, gesundessen oder wegbeten. Den kannst Du auch nicht heilen. Denn kannst Du mit ganz viel Glück operativ entfernen. Wenn nicht - dann nicht. Dann kannst Du Glück haben wie Dieter, der damit seit 3 Jahren lebt. Schön, wenn Menschen ihren Krebs besiegt haben und an ihren Büchern damit Geld verdienen - gönne ich ihnen. BSPD-Karzinom ist eine andere Liga - und darüber hat auch noch niemand ein Buch geschrieben. Mir gibt das sehr zu denken....
Sorry, soll nicht aggressiv sein, aber ich bin bei aller irrationalen Hoffnung ein sehr realistischer Mensch....
@Dieter - Danke für das Telefonat heute, Danke für Deine Zeit, Du hast mir sehr geholfen. Alles Liebe und Gute weiterhin für Dich -ich ziehe den Hut vor Dir!
Liebe Grüße Euch allen,
Manu
erstmal ganz lieben herzlichen Dank für Eure Anteilnahme - es tut einfach gut, nicht allein zu sein....
Nach den ersten Wochen des Schockzustandes geht es uns ein bisschen besser - es ist schon erstaunlich, welche Phasen die Psyche nach einer solchen Diagnose durchläuft... Nach dem Schock fängst du an, zu akzeptieren. Und nach der Akzeptanz fängst du an, dein Leben neu einzurichten. Wir Menschen brauchen Regelmäßigkeit, Rituale, sowas wie Normalität. Es war alles aus den Fugen, NICHTS war mehr normal, und so langsam pendelt sich denn doch wieder ein Alltag ein, auch wenn der ganz anders aussieht als zuvor.
Ich habe auch erkannt, was ich falsch gemacht habe, und ich kann nur jedem, der dieses Schicksal teilen muss, ans Herz legen, nicht denselben Fehler zu machen. Ich wusste es nicht besser, ich kannte auch niemanden, der Ähnliches erlebt hat und mir hätte helfen können. Mein dringender, aus ganz frischer Erfahrung resultierender Rat:
Lasst den Kranken nicht außen vor, weil Ihr ihn schonen wollt. Klammert seine Mutter nicht aus, weil ihr sie schonen wollt. Macht nicht alles alleine, weil Ihr denkt, der Kranke kann das nicht mehr. Der kann das in dem Stadium durchaus noch, der WILL das. Und der wird stinksauer, wenn er von Alleingängen erfährt. Versucht nicht, den Krebs zu verharmlosen. Oder die statistische Lebenserwartung. Der Kranke weiß eh, was los ist. Sagt es ihm der Arzt nicht, sagt es ihm Google. Verbietet Euch Eure Tränen und Eure Gefühle nicht.
Ich hab das alles falsch gemacht. Ich habe vier Wochen lang alles geschultert, meinen Mann von seiner miesen Prognose ferngehalten, mir jede Träne ihm gegenüber verboten, ich habe mich vollgefressen mit Fachwissen, nächtelang im Internet recherchiert, ihn daneben betüttelt, bekocht, mit Liebe überschüttet, bin in die Arbeit, danach ins Krankenhaus, abends um 21, 22 h nach Hause, Schwiegermutter beruhigt (wir wohnen im selben Haus), mit meiner Mutter telefoniert ( wir wohnen 300 km auseinander), ein paar Bissen essen, dann wieder Internet, Infos fressen, und dann kam, was kommen musste: Fieber, Schüttelfrost, Kreislauf- und Nervenzusammenbruch.
Verliert nicht wertvolle Zeit damit, Euch gegenseitig etwas vorzumachen - je länger Ihr Euch kennt, desto weniger wird Euch das gelingen. Für uns war es wie eine Befreiung, uns in den Armen zu halten und miteinander zu weinen. Und das ist auch gar nicht schlimm - ja, es zerreißt einen das Herz, aber: Ich kenne keinen einzigen Moment in den 20 Jahren, die ich mit meinem Mann verbracht habe, in dem wir uns SO nahe waren. Das ist grausam, aber auch ganz, ganz wertvoll und einmalig. Und in DEN Momenten spürst Du sie - die wahre Liebe. Das geht so unter die Haut, das ist so schrecklich schön, das ist gerade in unserer Situation so wertvoll - denn in dem Moment erkennst Du, worum und wofür Du kämpfst, und du weißt, dein Mann sieht das genauso, der will leben, seiner selbst willen und auch Deinetwillen, und genauso funktioniert das auch.
@fritzpop - die Frage hat sich nie ernsthaft gestellt - der Gedanke kommt denke ich ganz automatisch hoch. Mein Mann und ich sind beide viel zu bodenständig, um uns in solchen Gedanken allzu lange zu verfangen. Ich war da auch ganz brutal und hab ihm gesagt: Hör auf damit - oder fang an, darüber nachzudenken, warum Dreijährige an Krebs sterben müssen - es gibt verdammt nochmal keine Schuldigen, wer kann denn unschuldiger sein als ein Kind?????
@Andrea - ich bin glaube ich ein bissl anders gestrickt als Du. Dass Zucker schädlich ist, ist wissenschaftlich nicht erwiesen, im Gegenteil pushen unsere Ärzte meinen Mann mit Hochkalorischem, und das ist nun mal Zucker und Fett, und außerdem gefällt uns ganz persönlich das Verb "kämpfen" viel besser als "heilen". Den Scheißkrebs kannst Du nicht wegfasten, schönreden, gesundessen oder wegbeten. Den kannst Du auch nicht heilen. Denn kannst Du mit ganz viel Glück operativ entfernen. Wenn nicht - dann nicht. Dann kannst Du Glück haben wie Dieter, der damit seit 3 Jahren lebt. Schön, wenn Menschen ihren Krebs besiegt haben und an ihren Büchern damit Geld verdienen - gönne ich ihnen. BSPD-Karzinom ist eine andere Liga - und darüber hat auch noch niemand ein Buch geschrieben. Mir gibt das sehr zu denken....
Sorry, soll nicht aggressiv sein, aber ich bin bei aller irrationalen Hoffnung ein sehr realistischer Mensch....
@Dieter - Danke für das Telefonat heute, Danke für Deine Zeit, Du hast mir sehr geholfen. Alles Liebe und Gute weiterhin für Dich -ich ziehe den Hut vor Dir!
Liebe Grüße Euch allen,
Manu