Hallo!
Also nachdem ich hier schon seit einer Weile still mitlese melde ich mich auch mal zu Wort.
Die Situation ist geradezu famos. Ich bin selber 35, werde in ein paar Tagen zum ersten mal Vater, und bin eigentlich grundsätzlich gesund. Sportlich, nicht übergewichtig, nicht alkoholkrank, aber auch kein Antialkoholiker (trinke wenn dann ausschließlich Bier), eher Nicht- als Gelegenheitsraucher, seit Corona rauche ich praktisch gar nicht mehr. Und eigentlich bin ich sehr glücklich mit Freundin, Hund und bald Kind.
Als es mir letzten Sommer aber wegen einer emotionalen Ausnahmesituation nicht so gut ging hatte ich zum ersten Mal Bauchschmerzen unter/am linken Rippenbogen ganz außen. Diese blieben für ein paar Tage und verschwanden dann wieder. Seitdem kamen und gingen sie immer wieder, zum ersten Mal ging ich nach 3 Monaten, im Oktober zum Arzt, seitdem habe ich 3 Sonographien, 1 Röntgen, eine Magenspiegelung (hatte schon vorher Probleme mit Reflux) und letztlich ein Abdomen-CT hinter mir. Ach so und natürlich mehrere Blutabnahmen sowie Stuhlproben welche aber nur auf Parasiten untersucht wurden. Alles ohne Befund. Der Arzt hat mich immer ernst genommen aber die Möglichkeit einer chronischen Pankreatitis habe ich mir selber eingeredet. Nicht nur dank Google, sondern auch, weil ich Medizin studiere. Das ist nicht immer günstig. Man nennt es Morbus Doctor.
Meine Schmerzen sind eigentlich die einzigen Symptome. Stuhlgang ist auch so ein Thema. Aber sind wir doch mal ehrlich - was ist da eigentlich normal und wie findet man wirklich Unterschiede zu anderen oder zu sich selber früher genau heraus? Ist euch zB. schon mal aufgefallen, dass der Stuhl ganz anders aussieht, wenn er mit Urin im Wasser liegt? Da gibt es sooo viele Möglichkeiten. Und Bilder googlen bringt ja mal gar nix.
Ich hatte immer einen nervösen Verdauungsprozess - das trifft vermutlich auf die meisten Menschen zu, die Sensibilität zu ihren besten Eigenschaften zählen können. Wenn man dann sich Ängste einredet, dann verändert sich auch der Stuhlgang, da ist man dann fast bei Schrödingers-Katze.
Ich würde es absolut genauso beschreiben wie du @passi . Auch die Beobachtung, dass er fester ist und dunkler, wenn man länger wartet.
Die Schmerzen treten ausschließlich am linken Rippenrand auf und zwar meistens verstärkt beim tiefen einatmen und weiter verstärkt, wenn mein Magen gut gefüllt ist. Ist beides nicht gegeben ist es eher ein Druckgefühl, habe ich sehr gut gegessen ist es auf einer Skala von 1-10 wohl eine 3, vielleicht auch eine 4. Schon störend aber nicht quälend. Es wird besser wenn ich oder meine Freundin den Bereich massieren. Dann ist es für ein paar Minuten weg und kommt dann langsam wieder. Nach körperlicher Anstrengung (vor allem Rennrad fahren) oder verspanntem Sitzen/vielem Reden ist es schlimmer. Das sind Trigger. Entspannung, Massage und vor allem Schlafen bessern die Symptome. Nach dem Aufwachen morgens oder auch nachts habe ich eigentlich nie Schmerzen. Alkohol scheint keinen Einfluss zu haben. Trinke ich wochenlang nichts habe ich auf einmal Schmerzen, trinke ich mal was mehr, kann es sein, dass ich am nächsten Tag keine Schmerzen mehr habe, obwohl sie mich über Wochen verfolgt haben.
Wie ihr seht - ich habe meine Erfahrungen auch sehr detailliert analysiert, mache mir seit Monaten schlimme Gedanken, versuche mich hier trotzdem kurz zu fassen. Ich hatte schon dutzende Theorien, Verspannungen im Zwerchfell, alte Narben (ich hatte vor 2 Jahren mal zwei Rippen auf der linken Seite nach einem Autounfall gebrochen). Diese Theorien beruhigen mich dann mehr oder weniger, andere beunruhigen mich. Wie zum Beispiel Recherchen zu CP. Ich habe mich auch hier im Forum zurückgehalten, da ich glaube, dass es absolut nicht sinnvoll ist sich hier verrückt zu machen, bevor man eine eindeutige Diagnose hat.
Da ich mich aber so sehr in euren (bzw deinen, passi) Berichten wiedergefunden habe möchte ich doch noch kurz etwas hier beitragen, was ich aus meinem Medizinstudium gelernt habe:
Dies gilt jetzt nur für die Beiträge die ich hier von passi gelesen habe
Wahrscheinlichkeiten und Relationen. Wir versteifen uns so sehr auf diese Diagnose, weil sie die für uns unangenehmste, schlimmst mögliche Diagnose darstellt. Sie ist aber auch die unwahrscheinlichste. Auch wenn die CP vielleicht unterdiagnostiziert ist, ist sie grundsätzlich eine extrem seltene Krankheit. Insbesondere bei nicht alkoholischer Genese. Kontrollierte Studien zeigen, dass Ethanol als Auslöser zwar häufig vorkommt, CP aber selbst unter den schwer Alkoholkranken eher selten ist. Ich komme jetzt hier nicht mit Zahlen um die Ecke, aber es stellt sich schnell eine Fehleinschätzung der Wahrscheinlichkeiten ein, wenn man beginnt sich in einschlägigen Foren zu informieren. Denn hier sammeln sich natürlich die Menschen, die die Diagnose schon gestellt bekommen haben. Schnell hat man das Gefühl endlich Gleichgesinnte getroffen zu haben. Manchmal hat man dann vielleicht das Gefühl endlich verstanden zu werden - eine Diagnose ist das aber dann noch nicht!
Die andere, daraus resultierende Gefahr ist sich mit anderen Möglichkeiten dann gar nicht mehr auseinanderzusetzen. Reizdarm ist vielleicht eine sogenannte "Verlegenheitsdiagnose", aber sie erfüllt einen sehr wichtigen Zweck. Nämlich verhindert sie meiner Meinung nach eine weiter ausufernde Diagnostik. Diagnostik muss nicht immer ein Segen sein. Eine diagnostizierte Pankreasinsuffizienz ist nicht immer gleich eine CP, aber die Angst davor ist definitiv eine Belastung. Schmerzen in der Pankreasgegend müssen auch nicht immer vom Pankreas kommen. Und wenn doch muss auch nicht das gesamte Pankreas gleich den Geist aufgeben. Man muss meiner Meinung nach nicht Esoteriker sein, oder auf traditionelle Medizin abfahren um hin und wieder zu akzeptieren, dass der Körper eben nicht perfekt ist. Dass es reparaturbedürftige Stellen gibt. Oder Stellen die einfach dauerhaft Probleme bereiten werden. Probleme die aber vor allem dann groß werden, wenn wir uns nie Ruhe geben, diese Probleme mal zu akzeptieren. Ich habe ständig Schmerzen, in meinem Nacken, in meinem Rücken, in meinem Knie...aber ich versteife mich auf den Bauch, weil ich da das große Übel vermute. Klar gibt es viele Leute die ewig nicht diagnostiziert werden und von Arzt zu Arzt rennen und irgendwann nach vielen Jahren die chronische Pankreatitis schwarz auf weiß haben. Aber die große Mehrzahl der Leute wird am Ende keine CP haben. Sondern wahrscheinlich doch einen Reizdarm. Und das ist gut so. Egal was am Ende wirklich der Wahrheit entsprach.
So der Text ist jetzt ultralang geworden, war so gar nicht meine Absicht, aber wenn man es dann das erste Mal niederschreibt ist es doch ganz schön viel, was sich da seit einem Jahr entwickelt hat. Ich werde jedenfalls, als großer Jünger der Schulmedizin, trotzdem nicht weiter versuchen Ärzte von weiteren Bildgebungen und Tests zu überzeugen, sondern versuchen mich zu entspannen. Die Schmerzen zu akzeptieren und dann beruhigt zur Seite zu schieben, so wie ich es mit meinem Knie, meinem Nacken und meinem Rücken schon seit vielen Jahren mache. So wie es eigentlich jeder unterbewusst tut, bis er sensibilisiert wird. Denn am Ende ist es doch wirklich vielleicht "nur" Reizdarm oder ein eingeklemmter Nerv. Und die Zeit, die ich jetzt schon mit Sorgen, Recherchen, gar schon Trauer und Angst verbracht habe, die kriege ich nicht mehr zurück. Und am Ende ist Reizdarm eben so viel wahrscheinlicher
Liebe Grüße!