Chemotherapie mit Gemzar - Erfahrungsbericht
Verfasst: 27. Januar 2013, 17:49
Nach fast 6 Monaten Chemo (dazu später mehr) hab ich es jetzt hinter mir und die Anschlußheilbehandlung vor mir.
Als man mir mitteilte, dass ich eine Chemo bräuchte, habe ich im Netz nach Erfahrungen gesucht, ohne wirklich fündig zu werden. Da es meine erste Chemo war, bin ich ein bisschen ängstlich gewesen, auch wenn es die ganze Zeit hieß, die Chemo wäre allgemein gut verträglich. Daher für alle, denen es ähnlich geht, hier mein Bericht - höchst individuell, und daher nicht geeignet, Angst oder Mut zu machen. Wer aber alle Nebenwirkungen bekommt, von denen er oder sie liest, sollte wegklicken.
Meine Chemo mit Gemzar sollte 18 Mal laufen, jede Woche ,immer mit einer Woche Pause nach drei Mal. Dazu wurde mir mit einer kleinen Vollnarkose ein Port implantiert. Über diesen Port, den ich immer noch habe (und auch wohl noch ein bisschen behalte) wurde Blut abgenommen, das Mittel gegen Übelkeit und die Chemo gegeben. Dieser kleine Gummiball liegt bei mir direkt unter der Haut unterhalb des Schlüsselbeins und stört im Alltag fast nicht ( man kann keinen Rucksack tragen, das drückt). Bei der Chemo wird er mit einer Portnadel angestochen. Leider bin ich so gar kein Fan von Spritzen und Nadeln (ganz hilfreich bei Diabetes!), deshalb hab ich so eine Stunde vorher ein Emla Pflaster auf die Einstichstelle geklebt - dann merkt man den Stich nicht. Die Chemo selbst läuft so ca 30 Minuten. Die ersten drei Male war das alles relativ unspektakulär: mir war hinterher etwas übel und am nächsten Tag fühlte ich mich wie bei einer aufziehenden Grippe - leicht matschig.
Ab dem zweiten Block wurde das mit der Übelkeit schlimmer - ca 6 Stunder später habe ich mich übergeben, und die Schmerzen - hauptsächlich Gliederschmerzen - am nächsten Tag wurden auch etwas schlimmer.
Ich bin schon recht früh von Hausarzt und Heilpraktiker betreut worden; beide kennen sich mit Krebspatienten und auch mit BSP-Krebs gut aus und empfahlen mir Infusionen mit Glutathion (Schreibweise unbekannt) sowie Nahrungsergänzung in Form von Selen, Eisen, Zink, Magnesium und VitaminC zur Bekämpfung derr freien Radikalen und zur Entgiftung.
So ab Mitte des dritten Blocks fingen meine Haare dann an, auszugehen. Also, ich hab jetzt keine Glatze, aber so fast ein Drittel meiner Haare verloren. Natürlich habe ich auch gedacht:"Scheiß auf die Frisur, Hauptsache ich bleibe hinterher gesund", aber als dann die Haare nach dem Waschen in der Badewanne lagen und ich den Abfluß frei gepult habe, flossen doch ein paar Tränen. Wer mich nicht kennt, würde das nicht sehen, die Haarpracht ist halt einfach etwas dünner, aber eine (zum Glück) kurze Zeit sah man es an den Wimpern. Da fiel das Dünne viel stärker auf! Aber nichts, was sich mit Mascara und Eyeliner nicht beheben ließ. Und es war, wie gesagt, nur eine kurze Zeit.
Auch die Knochenschmerzen sind im Verlauf der Chemo stärker geworden und länger geblieben. Manchmal wie bei einem blauen Fleck, manchmal wie bei einem verknacksten Fuß. Ich bin nicht mehr besonders schnell - allein schon wegen des schlechten HB-Wertes, aber auch, weil ich manchmal vor Schmerz humpel oder die Hüfte schmerzt. So eine Grünphase bei der Ampel kann ganz schön kurz sein!!
Die Übelkeit und das Erbrechen sind dann weiter schlimmer geworden. An manchen Tagen war ich froh, wenn ich nach der Chemo eingeschlafen bin: wer schläft kotzt nicht! Auch der nächste Tag war dann nicht mehr so ganz easy: manchmal musste ich auch da noch spucken oder war so platt, dass ich bis nachmittags im Bett geblieben bin. Mit dem Essen war das natürlich mit Diabetes etwas schwierig. Am Tag der Chemo war mir so schlecht, da hab ich vorher gegessen und hinterher nichts, am Tag danach klappte es ganz gut mit Dosenobst und Cola ohne Kohlensäure und ab und zu einem Zwieback. Tja, beim Essen schon ans Erbrechen denken!
Alles Dinge, die dazu führten, dass ich psychisch ganz schön runter war: Alpträume, Heulattacken, den fiesen Blues. Zum Glück habe ich die Unterstützung einer Psycho-Onkologin, und sei es nur, damit mir jemand sagen konnte, das all dies völlig normal ist. Typisch krebskrank halt, kein Grund zu weiterer Sorge.
Die erste Zeit habe ich noch gearbeitet, aber ich war selbständig und habe mein Geschäft verloren. Allerdings hätte ich auch ab Mitte der Chemo nicht mehr 8 Stunden im Laden stehen können. Und mein Kopf hätte das leider auch nicht mitgemacht. Ich hab das immer frotzelnd meine Chemo-Demenz genannt und habe erst jetzt beim Studieren des Angebots meiner Kurklinik erfahren, dass Konzentrationsstörungen unter des Chemotherapie völlig normal sind, deswegen wird dort Gedächtnistraining angeboten...
Viele dieser Nebenwirkungen haben mich beunruhigt, weil ich nicht wusste, dass es sich um Nebenwirkungen handelt: dieser Knubbel am Fingergrundgelenk, der mal da ist und mal nicht und beim Aufdrehen von Flaschen stört, fällt darunter ebenso wie die Hitzeattacken (das Thema vorgezogene Wechseljahre könnte ebenfalls eins werden...).
Und das jetzt unter den dunklen Augenringen große Pickel sprießen, trägt auch nicht zum Wohlbefinden bei, ist aber eine völlig normale Entgiftungsreaktion des Körpers, genauso wie die Kopfschmerzen.
16 von 18 Chemo-Gaben habe ich geschafft, danach ging einfach keine mehr rein. Nicht für Geld und gute Worte, aber vielleicht bin ich auch einfach eine Memme. Zum Glück fand keiner meiner zahlreichen Ärzte das wirklich schlimm, das hätte mir die Entscheidung noch schwerer gemacht, vermutlich aber nichts geändert.
Heute kann ich zurückblicken und sagen: "Ja, ich habe es tatsächlich ganz gut vertragen". Viele Nebenwirkungen von denen andere Krebskranke mit anderen Chemos sprechen, habe ich nicht bekommen: keine bleierne Müdigkeit, keine Abneigung gegen Essen (außer am Tag selbst), keine Gewichtsabnahmen und mein angeschlagenes Immunsystem hat mich tapfer vor Krankheiten bewahrt: keine Grippe, kein Pilz, keine noch so kleine Infektion.
So, jetzt ist es doch fast ein Roman geworden, aber so verrückt war es halt. Natürlich kein Kindergeburtstag, aber zu schaffen.
Als man mir mitteilte, dass ich eine Chemo bräuchte, habe ich im Netz nach Erfahrungen gesucht, ohne wirklich fündig zu werden. Da es meine erste Chemo war, bin ich ein bisschen ängstlich gewesen, auch wenn es die ganze Zeit hieß, die Chemo wäre allgemein gut verträglich. Daher für alle, denen es ähnlich geht, hier mein Bericht - höchst individuell, und daher nicht geeignet, Angst oder Mut zu machen. Wer aber alle Nebenwirkungen bekommt, von denen er oder sie liest, sollte wegklicken.
Meine Chemo mit Gemzar sollte 18 Mal laufen, jede Woche ,immer mit einer Woche Pause nach drei Mal. Dazu wurde mir mit einer kleinen Vollnarkose ein Port implantiert. Über diesen Port, den ich immer noch habe (und auch wohl noch ein bisschen behalte) wurde Blut abgenommen, das Mittel gegen Übelkeit und die Chemo gegeben. Dieser kleine Gummiball liegt bei mir direkt unter der Haut unterhalb des Schlüsselbeins und stört im Alltag fast nicht ( man kann keinen Rucksack tragen, das drückt). Bei der Chemo wird er mit einer Portnadel angestochen. Leider bin ich so gar kein Fan von Spritzen und Nadeln (ganz hilfreich bei Diabetes!), deshalb hab ich so eine Stunde vorher ein Emla Pflaster auf die Einstichstelle geklebt - dann merkt man den Stich nicht. Die Chemo selbst läuft so ca 30 Minuten. Die ersten drei Male war das alles relativ unspektakulär: mir war hinterher etwas übel und am nächsten Tag fühlte ich mich wie bei einer aufziehenden Grippe - leicht matschig.
Ab dem zweiten Block wurde das mit der Übelkeit schlimmer - ca 6 Stunder später habe ich mich übergeben, und die Schmerzen - hauptsächlich Gliederschmerzen - am nächsten Tag wurden auch etwas schlimmer.
Ich bin schon recht früh von Hausarzt und Heilpraktiker betreut worden; beide kennen sich mit Krebspatienten und auch mit BSP-Krebs gut aus und empfahlen mir Infusionen mit Glutathion (Schreibweise unbekannt) sowie Nahrungsergänzung in Form von Selen, Eisen, Zink, Magnesium und VitaminC zur Bekämpfung derr freien Radikalen und zur Entgiftung.
So ab Mitte des dritten Blocks fingen meine Haare dann an, auszugehen. Also, ich hab jetzt keine Glatze, aber so fast ein Drittel meiner Haare verloren. Natürlich habe ich auch gedacht:"Scheiß auf die Frisur, Hauptsache ich bleibe hinterher gesund", aber als dann die Haare nach dem Waschen in der Badewanne lagen und ich den Abfluß frei gepult habe, flossen doch ein paar Tränen. Wer mich nicht kennt, würde das nicht sehen, die Haarpracht ist halt einfach etwas dünner, aber eine (zum Glück) kurze Zeit sah man es an den Wimpern. Da fiel das Dünne viel stärker auf! Aber nichts, was sich mit Mascara und Eyeliner nicht beheben ließ. Und es war, wie gesagt, nur eine kurze Zeit.
Auch die Knochenschmerzen sind im Verlauf der Chemo stärker geworden und länger geblieben. Manchmal wie bei einem blauen Fleck, manchmal wie bei einem verknacksten Fuß. Ich bin nicht mehr besonders schnell - allein schon wegen des schlechten HB-Wertes, aber auch, weil ich manchmal vor Schmerz humpel oder die Hüfte schmerzt. So eine Grünphase bei der Ampel kann ganz schön kurz sein!!
Die Übelkeit und das Erbrechen sind dann weiter schlimmer geworden. An manchen Tagen war ich froh, wenn ich nach der Chemo eingeschlafen bin: wer schläft kotzt nicht! Auch der nächste Tag war dann nicht mehr so ganz easy: manchmal musste ich auch da noch spucken oder war so platt, dass ich bis nachmittags im Bett geblieben bin. Mit dem Essen war das natürlich mit Diabetes etwas schwierig. Am Tag der Chemo war mir so schlecht, da hab ich vorher gegessen und hinterher nichts, am Tag danach klappte es ganz gut mit Dosenobst und Cola ohne Kohlensäure und ab und zu einem Zwieback. Tja, beim Essen schon ans Erbrechen denken!
Alles Dinge, die dazu führten, dass ich psychisch ganz schön runter war: Alpträume, Heulattacken, den fiesen Blues. Zum Glück habe ich die Unterstützung einer Psycho-Onkologin, und sei es nur, damit mir jemand sagen konnte, das all dies völlig normal ist. Typisch krebskrank halt, kein Grund zu weiterer Sorge.
Die erste Zeit habe ich noch gearbeitet, aber ich war selbständig und habe mein Geschäft verloren. Allerdings hätte ich auch ab Mitte der Chemo nicht mehr 8 Stunden im Laden stehen können. Und mein Kopf hätte das leider auch nicht mitgemacht. Ich hab das immer frotzelnd meine Chemo-Demenz genannt und habe erst jetzt beim Studieren des Angebots meiner Kurklinik erfahren, dass Konzentrationsstörungen unter des Chemotherapie völlig normal sind, deswegen wird dort Gedächtnistraining angeboten...
Viele dieser Nebenwirkungen haben mich beunruhigt, weil ich nicht wusste, dass es sich um Nebenwirkungen handelt: dieser Knubbel am Fingergrundgelenk, der mal da ist und mal nicht und beim Aufdrehen von Flaschen stört, fällt darunter ebenso wie die Hitzeattacken (das Thema vorgezogene Wechseljahre könnte ebenfalls eins werden...).
Und das jetzt unter den dunklen Augenringen große Pickel sprießen, trägt auch nicht zum Wohlbefinden bei, ist aber eine völlig normale Entgiftungsreaktion des Körpers, genauso wie die Kopfschmerzen.
16 von 18 Chemo-Gaben habe ich geschafft, danach ging einfach keine mehr rein. Nicht für Geld und gute Worte, aber vielleicht bin ich auch einfach eine Memme. Zum Glück fand keiner meiner zahlreichen Ärzte das wirklich schlimm, das hätte mir die Entscheidung noch schwerer gemacht, vermutlich aber nichts geändert.
Heute kann ich zurückblicken und sagen: "Ja, ich habe es tatsächlich ganz gut vertragen". Viele Nebenwirkungen von denen andere Krebskranke mit anderen Chemos sprechen, habe ich nicht bekommen: keine bleierne Müdigkeit, keine Abneigung gegen Essen (außer am Tag selbst), keine Gewichtsabnahmen und mein angeschlagenes Immunsystem hat mich tapfer vor Krankheiten bewahrt: keine Grippe, kein Pilz, keine noch so kleine Infektion.
So, jetzt ist es doch fast ein Roman geworden, aber so verrückt war es halt. Natürlich kein Kindergeburtstag, aber zu schaffen.