Enukleation - Glück gehabt und dennoch Probleme
Verfasst: 3. November 2015, 07:26
Hallo erst mal!
Ein paar von euch erinnern sich mit Sicherheit noch daran, dass ich mich im August mit meinen Ängsten zur Pankreaslinksresektion hier gemeldet habe. Am 8. September war die OP vor der ich solche Angst hatte. Eure Antworten hatten mir schon etwas Ruhe gegeben, weshalb ich recht zuversichtlich in den OP geschoben wurde.
Hinterher dann die große Überraschung: ich habe die Augen aufgeschlagen und mein Mann warf mir ein strahlendes "Schatz, deine Bauchspeicheldrüse ist noch komplett drin" entgegen. Mein erster Gedanke war "Shit, die haben mich vergessen".
Von wegen. Das Chirugenteam stellte nach dem Aufschneiden fest, dass das Gewebe gutartig ist und vor allem nicht in den Gängen. Die Zyste konnte herausgeschält werden. Klar, der Pankreas wird dabei trotzdem verletzt, aber es muss eben nichts wirklich entnommen werden. Das Ganze konnte Minimal-Inversiv erledigt werden. Ich habe vor Glück erst einmal geheult.
Danach ging es an die Genesung. Ich konnte anfangs genauso wenig etwas essen, wie die Whipple-operierte Dame neben mir. Kreon, Gehversuche, starke Schmerzen durch Blähungen nach dem versehentlichen Genuss von etwas Blumenkohl, etc... waren bei mir genauso an der Tagesordnung. Der einzige Unterschied war, dass bei mir alles etwas schneller besser wurde. Ich freute mich auf die Entlassung - die jedoch verzögert werden sollte. In meinem Beutelchen wurden Amylase und Lipase gefunden. Diagnose: Pankreasfistel. Trotz Teilnahme an einer entsprechenden Studie, die das Risiko stark verringern sollte.
Nach 15 Tagen in der Klinik durfte ich heim. Mit Drainage-Beutel. Dieser wurde eine Woche später gezogen, da nichts mehr gefördert wurde. Ich durfte 2 Wochen nach der Entlassung mit einer immer noch vorhandenen Fistel endlich nach Bad Mergentheim in die Reha. Zustand zu dieser Zeit: mein altes Gewicht war wieder erreicht (Enukleation bedeutet glücklicherweise nicht soviel Verlust, puh), ich konnte mit Kreon relativ normal essen und war nur bedingt wackelig auf den Beinen.
In der Reha sollte sich der eigentlich recht gute Zustand schnell ändern... Die Stationsärztin kam auf die glorreiche Idee, mich wegen der Erwähnung von Rückenschmerzen in die Wirbelsäulengymnastik zu schicken. Wie das so ist denkt man sich, die Ärzte wissen was sie machen. Das dem scheinbar nicht so war, erkannte ich erst gegen Ende der Gymnastik. Ich zitiere die Therapeutin "So, dann machen wir jetzt noch was für die Bauchmuskulatur". Öhm... nein, nicht nach Schnitten im Bauch. In der Chefarzt-Visite sprach ich das an. Der reagierte entsetzt darauf, dass seine Kollegin mich jetzt schon in solche Gymnastikgruppen geschickt hatte. Der Plan wurde angepasst. (war nicht das einzige was die Dame machte... Sie genehmigte sogar einen Wiedereingliederungsantrag der Sozialarbeiter obwohl die OP noch keine 2 Monate her war und noch starke Probleme bestanden - der Chefarzt hat die Wiedereingliederung entsetzt gecancelt und mir aufgetragen, erst einmal wieder auf die Beine zu kommen... so viel zur Ärztin)
Die Ärztin ("Ich lese ihre Befunde bis morgen durch") hatte sich scheinbar auch keine Befunde durchgelesen. Obwohl Heidelberg explizit um Überprüfung der Amylase und Lipase-Werte im Blut gebeten hatte (waren ja auch wegen der immer noch vorhandenen Fistel zu hoch) kam ich nach der ersten Blutuntersuchung wieder zu ihr und musste feststellen, dass sie diese Werte nicht angefordert hatte. Also nochmals Blutabnahme - auch weil die Leberwerte stark erhöht waren.
Mit der Zeit merkte ich, dass mir einiges immer schwerer viel. War ich die Treppen zu Anfang der Reha noch energiegeladen nach oben gehüpft, kam ich in der zweiten Woche schon stark aus der Puste. Nach einer Treppe musste ich erst einmal ausruhen. Ich bekam Herzrasen und schlecht Luft. Schließlich ging es so weit, dass ich Schmerzen auf der linken Seite unter den Rippen bekam. Das ganze gipfelte dann in starken Schmerzen beim Versuch zu essen. Ich nahm zwei Bissen, trank etwas Wasser und krümmte mich dann vor Schmerzen am Tisch zusammen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Messer in meine Seite stechen und genüsslich umdrehen. Mir blieb die Luft weg.
Die Stationsärztin gab mir Schmerzmittel und Bettruhe. Es besserte sich. Bei der nächsten Mahlzeit wiederholte sich das Ganze jedoch.
Ich wurde zum CT in die örtliche Klinik geschickt. Verdacht auf Lungenembolie. Das war es jedoch nicht. Ich kam zurück und bekam 4x tgl. 30 Tropfen Novalgin verordnet. Das sorgte dafür, dass ich essen und auch wieder leichte Gymnastik machen konnte. Eine Lösung war es nicht. Eine angeforderte Blutuntersuchung ergab, dass Amylase und Lipase im Blut wieder angestiegen waren. Der Verdacht des Arztes: eine leichte Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Mittlerweile bin ich wieder zu Hause. Die Reha hat mir in meinen Augen nichts gebracht. Die Schmerzen beim Essen habe ich mit nach Hause gebracht. Zusätzlich habe ich immer das Gefühl, gebläht zu sein und ich habe ein Völlegefühl. Druckschmerzen habe ich nur, wenn man auf den Oberbach drückt. Im Unterbrauch nicht. Zum Essen zwinge ich mich derzeit. Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber ganz ohne geht es ja auch nicht. Die Pankreas Sprechstunde in Heidelberg möchte mir die Tage noch einen Termin zukommen lassen. Da wird dann nochmal ein MRT gemacht und Blut abgenommen. Ich bin gespannt, was die sagen.
Als ob das nicht genug wäre, gibt es aktuell noch Probleme mit Gehalt, Übergangsgeld und Krankengeld bei denen ich gerade zusätzlich Rennerei habe (klar, weshalb sollte man auch NUR krank sein wenn man auch Bürakratiestreß haben kann^^). Das bekomme ich aber wenigstens alleine irgendwie geregelt. Zum Glück. Bleibt nur abzuwarten, was jetzt in der Klinik rauskommt. Um ehrlich zu sein habe ich nämlich die Nase voll davon, mit Augen wie ein Eichhörnchen auf Crack und viel Watte im Kopf rum zu laufen nur um was essen zu können...
Das war es erstmal von mir. Ich hoffe, ihr hattet in der Zeit von September bis heute bessere Nachrichten und Erfahrungen. Ich habe ja schon ein wenig gestöbert. Am meisten freute mich die Nachricht von @Manu1966 <3
Ein paar von euch erinnern sich mit Sicherheit noch daran, dass ich mich im August mit meinen Ängsten zur Pankreaslinksresektion hier gemeldet habe. Am 8. September war die OP vor der ich solche Angst hatte. Eure Antworten hatten mir schon etwas Ruhe gegeben, weshalb ich recht zuversichtlich in den OP geschoben wurde.
Hinterher dann die große Überraschung: ich habe die Augen aufgeschlagen und mein Mann warf mir ein strahlendes "Schatz, deine Bauchspeicheldrüse ist noch komplett drin" entgegen. Mein erster Gedanke war "Shit, die haben mich vergessen".
Von wegen. Das Chirugenteam stellte nach dem Aufschneiden fest, dass das Gewebe gutartig ist und vor allem nicht in den Gängen. Die Zyste konnte herausgeschält werden. Klar, der Pankreas wird dabei trotzdem verletzt, aber es muss eben nichts wirklich entnommen werden. Das Ganze konnte Minimal-Inversiv erledigt werden. Ich habe vor Glück erst einmal geheult.
Danach ging es an die Genesung. Ich konnte anfangs genauso wenig etwas essen, wie die Whipple-operierte Dame neben mir. Kreon, Gehversuche, starke Schmerzen durch Blähungen nach dem versehentlichen Genuss von etwas Blumenkohl, etc... waren bei mir genauso an der Tagesordnung. Der einzige Unterschied war, dass bei mir alles etwas schneller besser wurde. Ich freute mich auf die Entlassung - die jedoch verzögert werden sollte. In meinem Beutelchen wurden Amylase und Lipase gefunden. Diagnose: Pankreasfistel. Trotz Teilnahme an einer entsprechenden Studie, die das Risiko stark verringern sollte.
Nach 15 Tagen in der Klinik durfte ich heim. Mit Drainage-Beutel. Dieser wurde eine Woche später gezogen, da nichts mehr gefördert wurde. Ich durfte 2 Wochen nach der Entlassung mit einer immer noch vorhandenen Fistel endlich nach Bad Mergentheim in die Reha. Zustand zu dieser Zeit: mein altes Gewicht war wieder erreicht (Enukleation bedeutet glücklicherweise nicht soviel Verlust, puh), ich konnte mit Kreon relativ normal essen und war nur bedingt wackelig auf den Beinen.
In der Reha sollte sich der eigentlich recht gute Zustand schnell ändern... Die Stationsärztin kam auf die glorreiche Idee, mich wegen der Erwähnung von Rückenschmerzen in die Wirbelsäulengymnastik zu schicken. Wie das so ist denkt man sich, die Ärzte wissen was sie machen. Das dem scheinbar nicht so war, erkannte ich erst gegen Ende der Gymnastik. Ich zitiere die Therapeutin "So, dann machen wir jetzt noch was für die Bauchmuskulatur". Öhm... nein, nicht nach Schnitten im Bauch. In der Chefarzt-Visite sprach ich das an. Der reagierte entsetzt darauf, dass seine Kollegin mich jetzt schon in solche Gymnastikgruppen geschickt hatte. Der Plan wurde angepasst. (war nicht das einzige was die Dame machte... Sie genehmigte sogar einen Wiedereingliederungsantrag der Sozialarbeiter obwohl die OP noch keine 2 Monate her war und noch starke Probleme bestanden - der Chefarzt hat die Wiedereingliederung entsetzt gecancelt und mir aufgetragen, erst einmal wieder auf die Beine zu kommen... so viel zur Ärztin)
Die Ärztin ("Ich lese ihre Befunde bis morgen durch") hatte sich scheinbar auch keine Befunde durchgelesen. Obwohl Heidelberg explizit um Überprüfung der Amylase und Lipase-Werte im Blut gebeten hatte (waren ja auch wegen der immer noch vorhandenen Fistel zu hoch) kam ich nach der ersten Blutuntersuchung wieder zu ihr und musste feststellen, dass sie diese Werte nicht angefordert hatte. Also nochmals Blutabnahme - auch weil die Leberwerte stark erhöht waren.
Mit der Zeit merkte ich, dass mir einiges immer schwerer viel. War ich die Treppen zu Anfang der Reha noch energiegeladen nach oben gehüpft, kam ich in der zweiten Woche schon stark aus der Puste. Nach einer Treppe musste ich erst einmal ausruhen. Ich bekam Herzrasen und schlecht Luft. Schließlich ging es so weit, dass ich Schmerzen auf der linken Seite unter den Rippen bekam. Das ganze gipfelte dann in starken Schmerzen beim Versuch zu essen. Ich nahm zwei Bissen, trank etwas Wasser und krümmte mich dann vor Schmerzen am Tisch zusammen. Es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Messer in meine Seite stechen und genüsslich umdrehen. Mir blieb die Luft weg.
Die Stationsärztin gab mir Schmerzmittel und Bettruhe. Es besserte sich. Bei der nächsten Mahlzeit wiederholte sich das Ganze jedoch.
Ich wurde zum CT in die örtliche Klinik geschickt. Verdacht auf Lungenembolie. Das war es jedoch nicht. Ich kam zurück und bekam 4x tgl. 30 Tropfen Novalgin verordnet. Das sorgte dafür, dass ich essen und auch wieder leichte Gymnastik machen konnte. Eine Lösung war es nicht. Eine angeforderte Blutuntersuchung ergab, dass Amylase und Lipase im Blut wieder angestiegen waren. Der Verdacht des Arztes: eine leichte Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Mittlerweile bin ich wieder zu Hause. Die Reha hat mir in meinen Augen nichts gebracht. Die Schmerzen beim Essen habe ich mit nach Hause gebracht. Zusätzlich habe ich immer das Gefühl, gebläht zu sein und ich habe ein Völlegefühl. Druckschmerzen habe ich nur, wenn man auf den Oberbach drückt. Im Unterbrauch nicht. Zum Essen zwinge ich mich derzeit. Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber ganz ohne geht es ja auch nicht. Die Pankreas Sprechstunde in Heidelberg möchte mir die Tage noch einen Termin zukommen lassen. Da wird dann nochmal ein MRT gemacht und Blut abgenommen. Ich bin gespannt, was die sagen.
Als ob das nicht genug wäre, gibt es aktuell noch Probleme mit Gehalt, Übergangsgeld und Krankengeld bei denen ich gerade zusätzlich Rennerei habe (klar, weshalb sollte man auch NUR krank sein wenn man auch Bürakratiestreß haben kann^^). Das bekomme ich aber wenigstens alleine irgendwie geregelt. Zum Glück. Bleibt nur abzuwarten, was jetzt in der Klinik rauskommt. Um ehrlich zu sein habe ich nämlich die Nase voll davon, mit Augen wie ein Eichhörnchen auf Crack und viel Watte im Kopf rum zu laufen nur um was essen zu können...
Das war es erstmal von mir. Ich hoffe, ihr hattet in der Zeit von September bis heute bessere Nachrichten und Erfahrungen. Ich habe ja schon ein wenig gestöbert. Am meisten freute mich die Nachricht von @Manu1966 <3