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Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 22. August 2016, 13:05
von grentsch
Hallo zusammen,
nachdem es wieder mal Lieferprobleme gibt mit Kreon 25000, habe ich mich auf die Suche nach Alternativen gemacht. Dabei bin ich auf Nortase gestoßen. Anscheinend braucht man dafür auch keinen Magensäurehemmer.
Hat jemand Erfahrung damit? Wie viele Kapseln Nortase braucht man denn für eine Kreon 25000?
Ich nehme Kreon 25000 nach einer Whipple Operation.
Viele Grüße
Gerhard
Re: Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 26. August 2016, 14:51
von Suedhessen
Hallo, das würde mich auch interessieren.
Ich habe bei drei behandelten Ärzten nachgefragt wegen der Nortase. Verschreiben will es mir niemand. Die Hausärztin nicht, weil sie sich als Hausärztin nicht zuständig sieht: Exokrine Insuffizienz ist Sache von Fachärzten, z.B. Gastroenterologen. Die anderen beiden Ärzte verschreiben es leider auch nicht, weil sie Nortase nicht kennen bzw. noch nie davon gehört haben.
Ich habe mir zur Probe in der Apotheke nun selber eine Packung aus Verzweiflung gekauft (nicht rezeptpflichtig!), aber bin mir auch sehr unsicher bei der Einnahme. Und was mache ich, wenn es wirkt? Eine Packung reicht da sicher nicht pro Monat, das wäre also ein dreistelliger Betrag jeden Monat (in €).
Im Internet findet man nicht viel - nur, dass es die einzige Alternative ist, wenn man aus religiösen Gründen Schweinepankreasenzyme nicht nehmen möchte / darf. Und, dass es manche nur als Ergänzung zu Kreon sehen, nicht als reinen Ersatz. Ich hätte wahnsinnig gern mal mit einem Arzt darüber gesprochen, und seien es nur 2 Minuten.
Grüße aus Südhessen
PS: Habe gerade eine 40000er Packung Kreon 200St. in der Apotheke heute ergattert. Vorratshaltung ist das A & O, frühzeitigste Bestellung notwendig.
Re: Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 5. September 2016, 14:02
von Dcatta
Hallo zusammen,
ich habe nun tatsächlich eine Packung Nortase verschrieben bekommen. Nach einem Telefonat mit meiner KK, die mir versicherte, dass der Arzt das Gleiche ankreuzen muss wie wenn er Kreon verschreibt. Es muss also immer eine Insuffizienz vorliegen. (Klar, sonst bräuchten wir das Medikament auch nicht) Ich habe noch ein PDF des Herstellers gesendet bekommen, bei Bedarf kann ich es gerne weiterleiten. (Mal schauen ob es klappt.) Als ich mit den Infos dann zu meinem HA ging, meinte dieser, dass die KK die Verbraucher anlügen würden. Sie würden also zu mir sagen, dass das gar kein Problem wäre, wenn der Arzt die richtige Begründung angibt. Beim HA dann aber eben doch bockig sind, bzw. die Kosten nicht übernehmen. Das muss ich ihm ja nun mal so glauben, fällt mir aber schwer. Da ich jetzt keine großen Unterschiede zwischen Nortase und Kreon feststellen konnte, ich aber diese ständige Rumbettelei satt habe, nehme ich nun wieder Kreon ein. Zum Ausprobieren von Nortase hat mein HA aber auch nur 200 Stück verschrieben und um sich mit der Dosierung zurechtzufinden müsste ich schon mehr Zeit und Nortase bekommen. Das ist für einen "normalen" HA schwierig einzuschätzen. Alles bleibt kompliziert. Obwohl ich gerne auf diese PPI's verzichte würde und mir mit Nortase der Ausstieg wohl eher glücken müsste.
Mein Beitrag zu Nortase kann man unter dieser Frage hier finden:
Arzt kann Nortase nicht verschreiben?!
Ich wünsche allen eine gute Woche
Daniela
Re: Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 5. September 2016, 14:09
von Suedhessen
Hallo,
sehr interessant, danke. Ich weiß nicht, was genau die Hausärzte für ein Problem haben, Kreon zu verschreiben. Meine alte Hausärztin konnte es 11 Jahre lang problemlos verschreiben.
Ich konnte inzwischen Gott sei Dank bei einem Gastroenterologen vorsprechen, der mir versicherte, dass er als Gastroenterologe keinerlei Problem habe, Kreon dauerhaft und in jeder von mir benötigten Menge zu verschreiben. Gott sei Dank kein Bettelproblem mehr, kann ich gut nachvollziehen. Aber nur bei Kreon: Nortase könne er nicht verschreiben, weil er es nicht kenne.
Danke für den Beitrag.
Re: Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 9. September 2016, 23:20
von M-R
Es ist leider ganz einfach: Jedem niedergelassenen Arztgruppe wird nach eingehenden Verhandlungen mit den Krankenkassen von den Kassenärztlichen vereinigung ein Budget zugeteilt. Das heißt, es gibt einen gewissen Eurobetrag, für den der Arzt Medikamente pro betreuten Patienten im Vierteljahr verordnen darf. Für Allgemeinärzte gibt es dann noch die Unterschiede zwischen Kindern, Erwachsenen und Rentnern. Während der Allgemeinarzt z.B.für Rentner 65 € pro Patient im Vierteljahr (Quartal) zur Verfügung hat, sind es für den Erwachsenen ca. 36 €. Diese Beträge werden am Ende eines Vierteljahres (Quartal) mit der Anzahl der Betreuten multipliziert. Hier ein Beispiel: Betreut ein Allgemeinarzt 1000 Patienten im Erwachsenenalter im Vierteljahr, darf er für diese Gruppe Medikamente für 36 000 € verschreiben. Überschreitet er diese Grenze um einen bestimmten Betrag, wird von den Krankenkassen eine Regreßverfahren eingeleitet mit der Folge, daß der Arzt/die Ärztin den die 36 000 € überschreitenden Betrag aus der eigenen Tasche (!) der kranken Kasse (kein Druckfehler!) erstatten muß. Nun kostet eine Packung Kreon 40 000 mit 200 Stück 131,53 €, alsdo mehr als das Dreifache dessen, was er pro Patient im Vierteljahr verordnen darf. Hat er nun viele solcher "teuren" Patienten, kann ihn das in den Ruin treiben, und wer hat dazu schon Lust? Der Arzt/die Ärztin kann versuchen, Praxisbesonderheiten geltend zu machen. Das gelingt aber nicht immer, und der Arzt/die Ärztin muß zahlen, für etwas, von dem er selbst überhaupt keinen Nutzen hatte. Gastroenterologen, "Krebsärzte" etc. verfügen in der Regel über ein höheres Budget, aber auch das ist irgendwo begrenzt.
Wenn Sie zur kranken Kasse gehen und den Mitarbeiter fragen, ob ihr Arzt ein sehr teures Mekdikament verordnen darf, wird er Ihnen I M M E R von Angesicht zu Angesicht sagen, daß der Arzt/die Ärztin selbstverständlich alles verordnen darf, was er für nötig hält und die Kasse es bezahlt. Der Mitarbeiter der kranken Kasse will ja nicht lange diskutieren und kkeinen Ärger mit Ihnen bekommen. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, daß die Mitarbeiter der kranken Kasse sich immer (!) geweigert haben, es dem Patienten schriftlich zu geben, daß ich ein teures Medikament verordnen darf und dafür kein Regreßantrag von der kranken Kasse zu erwarten hätte. Das Ganze gilt übrigens auch für den Heil- und Hilfsmittelbereich!
MfG
Ihr
MR
Re: Nortase als Kreon Ersatz
Verfasst: 10. September 2016, 00:49
von Suedhessen
Vielen Dank für die Aufklärung. Ein ziemlich absurdes System.
Hoffen wir besser, dass es nicht noch schlimmer wird.