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Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 11. September 2009, 21:24
von tula
Guten Abend,
es gibt da etwas, was mir seit Tagen nicht aus den Gedanken geht.

Ist BSD-Krebs erblich? Sollte das in diesem Forum schon mal Thema gewesen sein, dann habe ich es nicht mitbekommen.

Ich frage deshalb weil: Mein Vater hatte die Diagnose 1976. Er wurde erfolgreich nach Whipple operiert. Die OP wurde im Bundeswehr Zentralkrankenhaus in Koblenz durchgeführt. Damals war mein Vater 55 Jahre alt. Gestorben ist Papa 2006, er wurde 85 Jahre. Die Drüse, oder was da noch übrig war, hatte mit seinem Tod nichts zu tun, es war Herzversagen.
Bei dem jüngsten Bruder von Papa wurde BSD-Krebs 1998 im November festgestellt. Leider inoperabel. Er starb fünf Monate nach der Diagnose, mit 71 Jahren. Beide haben nicht geraucht und kaum Alkohol getrunken.

Der Fall ist nun aus unserer Familie. Das mein Mann an BSD-Krebs erkrankt ist, hat ja nichts mit der Familie zu tun und ist ein schlimmer Zufall.

Gestern habe ich erfahren, die Tochter einer Nachbarin ist vor 6 Jahren an BSD-Krebs erkrankt sie war damals 39 Jahre alt und nun auch ihr Bruder, mit 42 Jahren.

Deshalb meine Frage hier: Kann BSD-Krebs erblich sein? Sollte er erblich sein, dann leben die Kinder der Erkrankten mit einem hohen Risiko und da sollte es gezielte Vorsorgeuntersuchungen geben, vielleicht mit dem 19-9 Tumormarker??!!

Nie wurde mein Mann darauf hingewiesen, dass seine Krankheit erblich sein könnte.

Bin auf Antworten sehr gespannt.

LG
Ulla

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 11. September 2009, 21:56
von Sonnenblume
Experten-Sprechstunde
Bauchspeicheldrüsenkrebs

Wie entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs? Ist er erblich?

Der wichtigste, zugleich aber auch beeinflussbare Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist das Rauchen. Gegenüber Nichtrauchern haben Raucher ein doppelt so hohes Risiko, diese Tumorart zu entwickeln. Jeder dritte Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ursächlich auf das Rauchen zurückzuführen. Im Übrigen nimmt die Gefährdung mit steigendem Alter zu.


Ein beträchtliches Risiko weisen auch Patienten mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung auf (etwa 15- bis 25-fach gesteigerte Gefährdung), wobei allerdings die Erkrankung, wenn überhaupt, dann im Allgemeinen mit einer Verzögerung von mindestens 20 Jahren auftritt (man spricht hier von der „Latenzzeit“).


Noch deutlicher erhöht ist das Risiko bei der seltenen, autosomal dominant vererbten hereditären Pankreatitis, einer erblichen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung. "Hereditär" bedeutet erblich; "autosomal dominant" besagt, dass sich ein körperliches Merkmal als Variante von zwei ähnlichen Erbinformationen durchsetzt; sie sind in diesem Fall auf den "Autosomen" genannten Chromosomen gespeichert.


Für die Risikoeinschätzung ist aber auch eine eventuelle familiäre Belastung mit Bauchspeicheldrüsenkrebs bedeutsam: Ist ein Familienmitglied erkrankt, so erhöht sich das Risiko weiterer Erkrankungsfälle in der Familie auf das Neunfache.


Darüber hinaus wird das Auftreten dieses aggressiven Tumors begünstigt durch einen erhöhten Verzehr roten Fleisches, Übergewicht sowie durch die Zuckerkrankheit, und zwar bei Menschen, die eigentlich die dafür typischen Risikofaktoren wie Übergewicht oder metabolisches Syndrom (vgl. Frage: “Fördert das metabolische Syndrom auch Gallensteine?“) nicht aufweisen und erst im fortgeschritteneren Lebensalter daran erkrankt sind.


Ich hoffe das beantwortet deine Frage

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 11. September 2009, 22:13
von tula
Hallo Robert,
erst einmal, Danke. Das beantwortet schon meine Frage, wobei ich über das Meiste schon informiert bin, leider musste ich mich schon seit Jahren mit dieser Krankheit und deren Folgen auseinander setzen.

Vielleicht kann noch jemand was zu meiner Frage antworten, sie steht es mit der Vorsorge der Kinder, des Erkrankten. Wie beschrieben, mir gehen die Gedanken nicht aus dem Kopf, ob und wie man das Risiko eines zu spät erkannten BSD-Karzinom, minimieren kann.

Werde die Frage, am kommenden Mittwoch, dem Onkologen meines Mannes stellen und dessen Antwort dann hier posten.

LG
Ulla

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 12. September 2009, 22:00
von Reinhard
Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?
Ja, ich glaube es sind auch schon Studien gelaufen. Näheres wäre noch zu ermitteln.

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 12. September 2009, 22:11
von tula
Hallo Reinhard,
mich interessiert, ab diese Studien, wenn es sie denn gibt, eine Vorsorge wemigstens für einen bestimmten Personenkreis empfehlen.

Habe bis jetzt nichts davon gelesen. Es gibt einige Vorsorgeangebote und Empfehlungen, aber meines Wissens keine für Pankreas.

Die meisten Erkrankten haben Kinder und Enkelkinder.....................

LG
Ulla

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 13. September 2009, 01:02
von Corinna B.
Hallo Ulla, nicht nur der Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint erblich zu sein, sondern offensichtlich Bauchspeicheldrüsenerkrankungen - die ja unter Umständen in Bösartigkeit ausarten- überhaupt. Jedenfalls werde ich immer wieder von verschiedenen auch medizinischen Seiten darauf hingewiesen das doch meine Kinder sich einer regelmäßigen Kontrolle unterziehen. Von anderen Krebsarten weiß man ja inzwischen das zumindest eine starke Veranlagung vererbt wird wie zB. beim Brustkrebs.

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 13. September 2009, 14:48
von tanja zimpel
Liebe Ulla,
es gibt seit einigen Jahren das Forschungsprojekt „Familiäres Pankreaskarzinom“.
Auf unserer AdP-Studienseite ( http://www.bauchspeicheldruese-pankreas ... /index.php) finden Sie unter folgender Direktverlinkung alle wichtigen Informationen zum familiären Pankreaskarzinom bzw. zu diesem Projekt: http://www.pankreaszentrum-hessen.de/fapaca.html
Hauptverantwortlich für dieses Projekt war viele Jahre ein Mitglied unseres Wissenschaftlichen Beirates, Herr Prof. Keim.
Momentan ist Herr Prof. Dr. med. Detlef K. Bartsch, Direktor der Klinik für Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Giessen und Marburg der verantwortliche Forschungsleiter. Hier auch eine diesbezügliche Direktverlinkung: http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_ach/index.html
Hoffentlich können bei Durchsicht der angegebenen Internet-Seiten Ihre wichtigsten Fragen erst einmal beantwortet werden.
Ansonsten können Sie sich aber auch gerne einmal direkt an mich wenden. Es besteht Kontakt zu Menschen, die schon an diesem Projekt teilnehmen.
Es sendet Ihnen auf diesem Wege die besten Grüße
Tanja Zimpel
Regionalgruppe Nord-Baden-Württemberg
Arbeitskreis der Pankreatektomierten e. V.
(Bauchspeicheldrüsenerkrankte)
Gartenstrasse 10
75031 Eppingen-Elsenz
Tel.: 07260/1416
Fax: 07260/920328
e-Mail: tanja-norbert-zimpel@t-online.de oder E384S@aol.com

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 13. September 2009, 22:23
von tula
Guten Abend, Tanja,
danke für Ihre Antwort. Ich habe mich vorhin durchgelesen. Wirklich befriedigend ist es für die Betroffenen noch nicht.

Auf der Seite der Uni Heidelberg habe ich folgendes gefunden:

Wie kann man Bauchspeicheldrüsenkebs früh erkennen?
Es ist leider häufig nicht möglich, den BSD-Krebs frühzeitig zu erkennen.
Es gibt noch keine einfache Vorsorgeuntersuchung.
An der Früherkennung des BSD-Krebses wird intensiv geforscht und die Grundlagenforschung wird sicherlich neue und bessere Diagnoseverfahren in die klinische Praxis bringen.

Hoffen, wir das unsere Wissenschaftler bald etwas finden, was den nahen Verwandten der Betroffenen eine gewisse sichere Früherkennung bringt. Wenn dann noch die Risikogruppe selbst etwas dazu tut, z.B. auf Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss zu verzichten, wäre das schon mal ein Schritt in eine erstrebenswerte Richtung.

Sollte ich noch Fragen haben, werde ich mich gerne bei Ihnen melden. Ich denke da an dieses Projekt, das Sie erwähnen.

Liebe Grüße,
Ulla

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 14. September 2009, 01:17
von yasmin75
Hallo an alle,


bei uns ist es ein genetischer Defekt und mein Bruder
hat jetzt leider Gottes das selbige problem am Hals wie ich.
Man hat das bei mir in HD gesagt und als mein Bruder mit dem selben Problemen
zu Kämpfen hatte wie ich und diese von Diversen Ärzten,wie bei mir,
als Paniattacken und Depr. abtaten,habe ich lange gebraucht meinen
Bruder davon zu überzuegen auch nach HD zu gehen.
Letzden endes hab ich ihn ohne wiedersprüche zu hören,
ihn mit nach HD geschleppt und er kann von Glück reden das dieser Elend Tumor noch
so winzig ist das es bei ihm mit einer kleinen Op gereicht hat.
Er braucht keine Enzyme oder ADEK Vitame zu bekommen.


Fazit:
Es kommt darauf an welche Art von Tumor
und liegt ein genetischer Defekt vor oder ist es eine Auto. Erkrankung.
Was ich auch sehr traurig finde,das es immer noch nicht bei Vorsorge Untersuchungen,
die Marker,Pankreas angeht völlig ausser Acht gelassen werden.
Bei meiner Tochter können die Ärzte noch nichts sagen ob sie es auch im laufe der Jahre bekommen wird.
Aber es ist in ihrer Patienten Datei(Kinderarzt notiert).


LG
Yasmin

Re: Bauchspeicheldrüsenkrebs erblich?

Verfasst: 14. September 2009, 21:36
von tula
Hallo Yasemin,
da hatte Dein Bruder einen Schutzengel :!: :)

Schön, dass Du so hartnäckig warst und Du mit ihm dorthin bist, wo
ihm geholfen wurde. Bravo, kleine Große, gut gemacht :!: :!:

LG
Ulla