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Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 18. April 2020, 13:21
von roberto86
Hallo,
ich würde gerne eure Einschätzung dazu hören, wie ihr in meinem Fall weiter verfahren würdet.

Ich bin 33 Jahre alt, 194 groß und wiege 88 kg.
Ich hatte vor etwa 6 Monaten eine akute Pankreatitis, da der Grund dafür unklar war, habe ich ein MRT machen lassen und etwa 2 Monate später noch ein Verlaufs-MRT.
Ich verstehe den Befund nur bedingt und auch mein Hausarzt war keine große Hilfe.

Hier einige Stichpunkte aus dem radiologischen Befund:
- Keine konkrementverdächtigen Signalaussparungen im Gallengang/Pankreassystem
- Unauffälliger Pankreasgang
- Verdacht auf Pankreas Divisum
- Läsion im Pankreasschwanz (diese ging auf dem Verlaufs-MRT zunehmend zurück und stammt wohl von der Entzündung)
- Geringe Splenomegalie

Ich habe es nach den beiden MRTs dann erstmal dabei belassen und gehofft, dass die Pankreatitis eine einmalige Sache bleiben würde.
Allerdings habe ich aktuell wieder ein leichtes Ziehen an der Stelle, wo ich damals erhebliche Schmerzen hatte (linker Oberbauch). Also war ich beim Arzt und mein Lipase-Wert ist mit über 70 leicht erhöht (bei der Pankreatitis vor 6 Monaten lag er bei über 500). Hinzu kommt, dass ich aktuell Durchfall und Blähungen habe. Die Blähungen hatte ich auch schon in den letzten Monaten, aber ansonsten keine Beschwerden. Der Durchfall hat erst in den letzten Tagen eingesetzt.

Ich habe seit der akuten Pankreatitis vor 6 Monaten nur noch an 2 Tagen Alkohol getrunken. Der letzte war kurz bevor die aktuellen Probleme begonnen haben, insofern könnte es einen Zusammenhang geben. Ansonsten habe ich mich die letzten 6 Monate gesund ernährt.

Mein Hausarzt sieht eigentlich kein wirkliches Problem/Handlungsbedarf.

Aus diesem Grund möchte ich euch fragen, wie ihr weiter vorgehen würdet. Um die Verdachtsdiagnose Pankreas-Divisum zu bestätigen bräuchte es ja wahrscheinlich ein MRCP oder eine Endosonographie. Meine Fragen:

1. Welches Verfahren haltet ihr für sinnvoller?
2. Wo kann ich so etwas durchführen lassen? Bei einem niedergelassenen Gastroenteorologen oder nur im Krankenhaus?
3. Sollte ich dazu in eine ambulante Pankreassprechstunde gehen, sofern es so etwas derzeit gibt? (wohne Nähe Bochum)

Da ich hier im Forum gelesen habe, dass man Probleme mit der Pankreas nicht einfach so laufen lassen sollte, möchte ich sichergehen, die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Vielen Dank!

Re: Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 18. April 2020, 13:52
von wasistes
Wenn du ein symptomatisches Pankreas Divisum hast gehörst du in den Hände eines Pankreasspezialisten.
Du kannst natürlich selber versuchen durch Lebensstil möglichst das Pankreas so wenig wie möglich zu reizen.
Aber es könnte auch sein das du irgendwann einen Stent brauchst oder operiert werden müsstest.

Ich würde mich nach Corona an ein Pankreaszentrum wenden.

Re: Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 18. April 2020, 14:40
von roberto86
ok, vielen Dank!
Eure Erfahrung ist also, dass die Pankreaszentren derzeit nicht zu kontaktieren sind?
Corona wird ja noch eine Weile bleiben.

Re: Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 22. April 2020, 22:31
von alleswirdgut
Hallo Ich (56J) hatte seit 2011 insgesamt 10 Pankreatitisschübe von harmlos bis Intensivstation. Erst vor 3Jahren wurde per MRCP ein Pankreas Divisum festgestellt. D.h. 2 Gänge anstatt einem. Leider ist oft der, der gerade aus Richtung 12Fingerdarm läuft, der dünnere. Der dickere biegt ab und fließt an anderer Stelle in den 12FD.
Durch zu viel Essen in Verbindung mit Alkohol kann es zu einer Verstopfung kommen. Dann fließt es nicht ab und die BSD fängt an sich selbst zu verdauen. Das ist der Grund für die starken Schmerzen. Da man nicht viel machen kann, besorge dir gescheite Schmerzmittel (mindestens Novalgin, besser ein Opiat) und iss wenig (leichte Kost) und trinke mindestens 3 Liter.
Leider wird mit jeder Entzündung Gewebe zerstört. Dies kann wie bei mir zu einer Pseudozyste führen. Die sind zunächst harmlos, können aber zu einem IPNM (einer Vorstufe von Krebs) werden. Ab 20mm besteht die Gefahr das es zu einem bösartigen Tumor umschlägt. Bei mir war es nach 2 Jahren Beobachtung soweit und musste mich einer Whipple OP unterziehen ( volles Programm - Galle, 12Fd, Magenausgang und Pankreaskopf entfernt)
Gehe so bald wie möglich in eine Pankreasambulanz und lasse ein MRCP mit Kontrastmittel machen. Du hilfst dir selbst, wenn du Alkohol, Fettes und Zuckers reduzierst ( in dieser Reihenfolge)
Grüße

Re: Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 23. April 2020, 13:06
von Andi
:hallo:
dein Bericht ist sehr gut interessant.
Mich würde mal interessieren welche Untersuchungen veranlasst wurden bis 2017, weil ja erst danach das Pankreas Divisum festgestellt wurde. Hat man das vorher übersehen?
Vielen Dank im Voraus 😄
Lg Andi

Re: Pankreatitis und Verdacht auf Pankreas Divisum

Verfasst: 18. Mai 2020, 13:08
von alleswirdgut
Hallo
Sorry, dass ich mich so spät erst melde - bin nicht mehr so oft im Forum...
Es wurde am Anfang Ultraschall gemacht, dann auch eine Endosono - also Ultraschall von innen sowie Magenspiegelung.
Irgendwann wurde auch ein zweiter Gang im Bericht erwähnt, das Wort bzw. Diagnose Pankreas Divisum fehlte allerdings.
Erst mit einer MRCP - also MRT mit Kontrastmittel konnte man es besser sehen.
Nach der durch Vernarbung und der vielen Entzündungen eine Pseudozyste enstand wurde regelmäßig alle halbe Jahre eine MRCP gemacht.
Nach der OP wird 1-2 mal ein CT gemacht (höhere Strahlenbelastung) und lebenslang jährliche Kontrolle mit MRT/MRCP

Grüße