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Erfahrung erwünscht
Verfasst: 4. November 2023, 17:17
von Abraxas
Hallo,
am 15.11. habe ich einen ersten Arzttermin bei meinem Hausarzt. Meine Geschichte im Kurzen:
ich bin weiblich, 66 Jahre, 172 cm bei 62 kg. Seit 1984 habe ich Morbus Crohn (Erstdiagnose), 20 Jahre Einnahme von Azathioprin, jetzt ohne Medikamente. Im August 2021 hatte ich von jetzt auf gleich extrem starke, kolikartige Oberbauchschmerzen, die nach 2 Tagen wieder weg waren. Danach ging es mir wieder gut. Im März 2022 hat sich das wiederholt. Seitdem habe ich Ruhe.
Erhöhten Fettanteil im Stuhl habe ich immer wieder mal gehabt, die Werte wie Pankreaselastase und Gallensäure waren im grünen Bereich. Meine Blutwerte bzgl. Amylase und Lipase waren auch alle in Ordnung. Allerdings war die letzte Untersuchung im letzten Jahr.
Ich verliere kein Gewicht, habe wie gesagt Fettstuhl, der nicht schwimmt und eher mittelbraun ist und habe auch keine Bauchschmerzen nach dem Essen.
Verunsichert bin ich wegen der beiden Schmerzattacken, was ich so nicht kannte. Könnte das eine Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Rezidiv gewesen sein? Muss ich befürchten, dass es chronisch sein könnte? Mir ist bewusst, dass Ihr einen Arztbesuch nicht ersetzen könnt, aber eine Einschätzung aufgrund Eurer Erfahrung wäre schon hilfreich.
Für Eure Rückmeldung wäre ich sehr dankbar.
Re: Erfahrung erwünscht
Verfasst: 4. November 2023, 18:38
von Jana
Hallo,
ich habe auch Morbus Crohn.
Es kann soo viel in Frage kommen, bei MC und Oberbauchschmerzen, besonders bei langjährigen CED Patienten. Wichtig wäre unbedingt der Gang zum Gastroenterologen.
Mal ein paar Ideen:
- deutlich erhöhtes Risiko für Gallensteine, besonders wenn bereits Darmresektionen erfolgt sind.
- deutlich erhöhtes Risiko für Nierensteine. Nieren-Koliken können gerne auch in den Oberbauch strahlen, bzw. nur dort Schmerzen machen.
- bei starker Entzündung, Vernarbung oder gar Resektion des Terminalen Ileums hohe Wahrscheinlichkeit für Gallensäureverlustsyndrom. Das kann Fettstuhl machen, Therapie bei Verdacht darauf Lipocol. Manchen hilft auch Flohsamenschalen, Achtung bei Stenosen!!
- Gastritis als Begleiterkrankung bei MC bzw. langer Tabletteneinnahme
- eher bei Colitis PSC, selten auch bei Morbus Crohn PSC, PBC oder IGG4-Cholangitis
- Entzündungen, Vernarbungen, Engstellen insb. im Bereich des Zwölffingerdarms
- generell Stenosen im Darm
- CED Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen: allen voran akute Pankreatitis aufgrund Azathioprin oder Gallensteine, deutlich seltener andere akute und chronische Pankreatitis-Erkrankungen.
- CED Patienten, hier ganz besonders junge Colitis Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Autoimmunpankreatitis Typ2.
Dass deine Elastase gut ist, ist schon mal sehr gut. Auch die normwertigen Lipase/Amylase Werte sprechen nicht für eine BSD Problematik.
Ich persönlich halte Steine für die am wahrscheinlichste Möglichkeit, für deine Koliken. An zweiter Stelle irgendwelche Engstellen, wo der Nahrungsbrei hängen geblieben ist.
Übrigens können so viele Ursachen auch für fettigen Stuhl verantwortlich sein, insb. wenn man eine CED hat. Wie sieht es bei dir mit Unverträglichkeiten, allen voran Laktoseintoleranz aus, das haben sehr viele Crohnler?
Deutlich seltener, aber häufiger als bei der Normalbevölkerung können auch Fruktoseintoleranz oder gar Zöliakie auftreten.
Re: Erfahrung erwünscht
Verfasst: 4. November 2023, 20:44
von Abraxas
Liebe Jana,
ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Dann lasse ich am besten neben meiner Bauchspeicheldrüse auch die Galle und Nieren mit überprüfen. Bedeutet das, dass man als CED Kranker "nur" ggf. rezidivierende akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen bekommt?
Bei mir ist der Crohn übrigens auf den Dickdarm beschränkt. Abgesehen von einigen Fistelops vor 38 Jahren hatte ich keine weiteren Eingriffe. Richtige Unverträglichkeiten habe ich nicht, allerdings verzichte ich - bis auf ganz seltene Ausnahmen - auf Zucker, Laktose und Gluten, da dies Entzündungen im Körper auslöst. Flohsamenschalen nehme ich täglich. Mir war übrigens nicht bewusst, dass Nierenkoliken auch nur im Oberbauch Schmerzen verursachen können.
Da Du schreibst, dass CED-Patienten eher nicht an chronischer Pankreatitis erkranken, von den genannten Ausnahmen abgesehen, gehe ich davon aus, dass es Dich sehr früh erwischt hat. Wie kommst Du denn damit zurecht? Das ist ja schon ein ganz schön dickes Paket, das Du zu tragen hast.
Re: Erfahrung erwünscht
Verfasst: 11. November 2023, 07:04
von Jana
Abraxas hat geschrieben: ↑4. November 2023, 20:44
Liebe Jana,
ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Dann lasse ich am besten neben meiner Bauchspeicheldrüse auch die Galle und Nieren mit überprüfen. Bedeutet das, dass man als CED Kranker "nur" ggf. rezidivierende akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen bekommt?
Bei mir ist der Crohn übrigens auf den Dickdarm beschränkt. Abgesehen von einigen Fistelops vor 38 Jahren hatte ich keine weiteren Eingriffe. Richtige Unverträglichkeiten habe ich nicht, allerdings verzichte ich - bis auf ganz seltene Ausnahmen - auf Zucker, Laktose und Gluten, da dies Entzündungen im Körper auslöst. Flohsamenschalen nehme ich täglich. Mir war übrigens nicht bewusst, dass Nierenkoliken auch nur im Oberbauch Schmerzen verursachen können.
Da Du schreibst, dass CED-Patienten eher nicht an chronischer Pankreatitis erkranken, von den genannten Ausnahmen abgesehen, gehe ich davon aus, dass es Dich sehr früh erwischt hat. Wie kommst Du denn damit zurecht? Das ist ja schon ein ganz schön dickes Paket, das Du zu tragen hast.
Bei Nierensteinen ist es i.d.R. so bei mir gewesen, dass nach der Kolik, wo sie abgegangen sind, man nix mehr im Ultraschall gesehen hat. Man müsste also ein Ultraschall während der Beschwerden machen.
Ich weiß nicht, ob das bei Gallensteinen ähnlich ist.
Hier noch etwas interessantes zu Nierensteinen und Crohn
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/1997/daz-28-1997/uid-2087