Das ERCP löste eine heftige Pankreatitis aus.
Verfasst: 14. Dezember 2024, 11:59
Moin aus dem hohen Norden! Ich habe mich hier angemeldet, um mich mit euch ein wenig auszutauschen, vielleicht auch um erstmal mir Luft machen zu dürfen und gegebenenfalls von anderen zu hören, die eventuell so etwas ähnliches erlebt haben? Ich hoffe, dass der Beitrag hier überhaupt reinpasst, aber ich lese schon seit längerem hier ein wenig mit und hoffe einfach auf ein bisschen moralische Unterstützung, auch wenn das hier der allererste Beitrag von mir ist.
Ich hole ein wenig aus: Schon seit 2023 plagten mich immer mal wieder "Blähungen", die jedoch immer nach einigen Stunden vorbeigingen. Nur waren es keine Blähungen, sondern die Galle, die mit kleinen Steinchen gefüllt war und von denen hin und wieder einer abging und für eine kurze Zeit im Gang feststeckte. Mitte Oktober 2024 ging ich wegen den lange anhaltenden Schmerzen zum Hausarzt, der ein Ultraschall machte und die Steine in der Galle entdeckte. Mir wurde Blut abgenommen und dann wurde ich nach Hause geschickt. Dann stand das Ergebnis fest. Die Lipase war bei rund 9700 und andere Entzündungswerte waren ebenfalls gestiegen. Allerdings ging es mir an dem Tag der Auswertung des Blutes schon besser, so dass ich nicht ins Krankenhaus gegangen bin. Also nochmal zum Hausarzt, Blutentnahme und dann gab es am Montag die Entwarnung. Die Werte waren schon fast wieder auf dem Normalwert gesunken.
Doch damit endet die Geschichte nicht. Seitdem habe ich einen dauerhaft aufgeblähten Bauch und muss ständig aufstoßen. Allerdings habe ich nie das Gefühl, dass die Luft weniger wird. Und dann fingen die Koliken so richtig an. Als ich dann am in der Woche des 13.11 Mittwochs, Donnerstags und Samstags wieder eine Kolik bekam, ahnte ich übles. Ich ging dann am Sonntag Morgen in die Notaufnahme, weil der Schmerz einfach nicht weniger wurde und ich den Verdacht auf eine erneute Pankreatitis hatte. In der Notaufnahme wurde das bestätigt, die Lipase Werte wieder extrem erhöht und man behielt mich gleich für eine Nacht da. Ich bin letztendlich auch ins Krankenhaus gegangen, weil ich wegen den Koliken immer verzweifelter wurde und hoffte, dass man mir helfen kann. Spätestens bei der zweiten Pankreatitis wurde klar, dass die Gallenblase raus musste. In der Notaufnahme bekam ich dann auch am nächsten Tag von einer engagierten Ärztin die Entlassungspapiere, sowie einen Termin für ein ERCP.
Das ERCP - der Goldstandart und ich musste nicht lange dafür warten! Ich war wirklich zuversichtlich und hoffte, dass dieses Verfahren mir helfen könnte, bis zur OP mich vor weiteren Koliken zu bewahren. Dass das ERCP eine Pankreatitis auslösen konnte, war mir klar. Aber ich war davon überzeugt, dass das schon nicht passieren würde.
Das ERCP fand genau eine Woche später statt und zwar am 25.11. Eine ausgeprägte Cholecystolithiasis wurde festgestellt und eine 3/4 Papillotomie in Richtung DHC durchgeführt. Soweit so gut. Im Aufwachraum bemerkte ich einen leicht stechenden Schmerz in der Brust, der dann im Laufe der weiteren Stunden sich zu einem Brüllen wandelte. Auf der Station bekam ich leider nur in unregelmäßigen Abständen Piritramid und andere Schmerzmittel (Buscopan, Ibuprofen).
Dummerweise wirkte nichts davon. So gar nichts! Als würde man mir Wasser verabreichen. Und so lag ich dann 18 Stunden im Bett, die ganze Zeit mit der brüllenden Pankreas, die im Bauchraum gebacken wurde und bettelte um stärkere Schmerzmittel, die ich nicht erhielt. Ich habe noch nie in meinem Leben solche Schmerzen erfahren und möchte sie auch nie wieder erleben.
Am Morgen entließ ich mich dann selbst und schlich wie ein geprügelter Hund zum Hausarzt. Ich fühlte mich einfach nicht ernstgenommen im Krankenhaus. Die Assistenzärztin zweifelte eh daran, dass es eine Pankreatitis wäre und konnte mir allerdings auch nicht sagen, was es sonst sein sollte. Die Lipasewerte deuteten auch auf eine Pankreatitis hin, denn ich hatte mir im Krankenhaus den Laborbericht von einer Schwester ausdrucken lassen und mitgenommen. Ich lies mir erneut beim Hausarzt Blut abnehmen (weil ich wissen wollte, ob die Werte gestiegen waren - einen Tag später rief er mich zurück. Die Werte hatten sich verdoppelt!) und Tramadol verschreiben. Ich ging dann nach Hause und lernte meinen uralten Sessel schätzen, in dem ich ganz vorsichtig sitzen konnte. Elf Tage konnte ich nicht im Bett liegen, sondern verbrachte die Zeit mit Schmerzmitteln vollgepumpt im Sessel. Es war eine harte Zeit.
Ich will echt nicht allzu zynisch klingen, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass das Krankenhaus für mich der denkbar schlechteste Ort ist, um eine Pankreatitis ausheilen zu lassen. Gerade das viele Liegen mit der warmen Decke im stickigen Zimmer hat ganz sicher nicht für eine Verbesserung der Situation beigetragen. Ich bin jetzt immer noch im aktuellen "recovery" Modus und muss sehr vorsichtig sein, was ich esse. Und ich verstehe, wenn sich manche fragen, was ich eigentlich mit diesem Beitrag bezwecken möchte.
Ich stelle mir die Frage, ob andere auch schon mal so etwas ähnliches erlebt haben? Ich meine, war ich zu naiv? Ich dachte, dass man heutzutage genügend Schmerzmittel bei Schmerzen bekommt. War es mein Fehler? Hätte ich mich auf den Boden wälzen und vor Schmerzen heulen müssen, damit man mich ernst nimmt? Ich meine, jede kleinste Bewegung löste Schmerzkrämpfe aus - sich theatralisch herumzurollen hielt ich nicht für angebracht. Am schlimmsten war dieser Vernichtungsschmerz, der wirklich ohne Pause sein Ding durchzog. Als ich hier zu Hause im Sessel das erste mal etwas dösen durfte, wusste ich, dass die Entlassung die richtige Entscheidung gewesen ist. Aber ich habe Schwierigkeiten damit, psychisch das erlebte zu verarbeiten. Vielleicht ist es deshalb ein Roman geworden.
Die OP wird frühestens im ersten Drittel des Jahres stattfinden - ich habe noch keinen Termin bekommen und ich hoffe, dass das ERCP wenigstens bis dahin neue Koliken und somit Entzündungen der Pankreas verhindert.
Ich danke jeden, der sich das ganze hier durchgelesen hat.
Grüße Kris
Ich hole ein wenig aus: Schon seit 2023 plagten mich immer mal wieder "Blähungen", die jedoch immer nach einigen Stunden vorbeigingen. Nur waren es keine Blähungen, sondern die Galle, die mit kleinen Steinchen gefüllt war und von denen hin und wieder einer abging und für eine kurze Zeit im Gang feststeckte. Mitte Oktober 2024 ging ich wegen den lange anhaltenden Schmerzen zum Hausarzt, der ein Ultraschall machte und die Steine in der Galle entdeckte. Mir wurde Blut abgenommen und dann wurde ich nach Hause geschickt. Dann stand das Ergebnis fest. Die Lipase war bei rund 9700 und andere Entzündungswerte waren ebenfalls gestiegen. Allerdings ging es mir an dem Tag der Auswertung des Blutes schon besser, so dass ich nicht ins Krankenhaus gegangen bin. Also nochmal zum Hausarzt, Blutentnahme und dann gab es am Montag die Entwarnung. Die Werte waren schon fast wieder auf dem Normalwert gesunken.
Doch damit endet die Geschichte nicht. Seitdem habe ich einen dauerhaft aufgeblähten Bauch und muss ständig aufstoßen. Allerdings habe ich nie das Gefühl, dass die Luft weniger wird. Und dann fingen die Koliken so richtig an. Als ich dann am in der Woche des 13.11 Mittwochs, Donnerstags und Samstags wieder eine Kolik bekam, ahnte ich übles. Ich ging dann am Sonntag Morgen in die Notaufnahme, weil der Schmerz einfach nicht weniger wurde und ich den Verdacht auf eine erneute Pankreatitis hatte. In der Notaufnahme wurde das bestätigt, die Lipase Werte wieder extrem erhöht und man behielt mich gleich für eine Nacht da. Ich bin letztendlich auch ins Krankenhaus gegangen, weil ich wegen den Koliken immer verzweifelter wurde und hoffte, dass man mir helfen kann. Spätestens bei der zweiten Pankreatitis wurde klar, dass die Gallenblase raus musste. In der Notaufnahme bekam ich dann auch am nächsten Tag von einer engagierten Ärztin die Entlassungspapiere, sowie einen Termin für ein ERCP.
Das ERCP - der Goldstandart und ich musste nicht lange dafür warten! Ich war wirklich zuversichtlich und hoffte, dass dieses Verfahren mir helfen könnte, bis zur OP mich vor weiteren Koliken zu bewahren. Dass das ERCP eine Pankreatitis auslösen konnte, war mir klar. Aber ich war davon überzeugt, dass das schon nicht passieren würde.
Das ERCP fand genau eine Woche später statt und zwar am 25.11. Eine ausgeprägte Cholecystolithiasis wurde festgestellt und eine 3/4 Papillotomie in Richtung DHC durchgeführt. Soweit so gut. Im Aufwachraum bemerkte ich einen leicht stechenden Schmerz in der Brust, der dann im Laufe der weiteren Stunden sich zu einem Brüllen wandelte. Auf der Station bekam ich leider nur in unregelmäßigen Abständen Piritramid und andere Schmerzmittel (Buscopan, Ibuprofen).
Dummerweise wirkte nichts davon. So gar nichts! Als würde man mir Wasser verabreichen. Und so lag ich dann 18 Stunden im Bett, die ganze Zeit mit der brüllenden Pankreas, die im Bauchraum gebacken wurde und bettelte um stärkere Schmerzmittel, die ich nicht erhielt. Ich habe noch nie in meinem Leben solche Schmerzen erfahren und möchte sie auch nie wieder erleben.
Am Morgen entließ ich mich dann selbst und schlich wie ein geprügelter Hund zum Hausarzt. Ich fühlte mich einfach nicht ernstgenommen im Krankenhaus. Die Assistenzärztin zweifelte eh daran, dass es eine Pankreatitis wäre und konnte mir allerdings auch nicht sagen, was es sonst sein sollte. Die Lipasewerte deuteten auch auf eine Pankreatitis hin, denn ich hatte mir im Krankenhaus den Laborbericht von einer Schwester ausdrucken lassen und mitgenommen. Ich lies mir erneut beim Hausarzt Blut abnehmen (weil ich wissen wollte, ob die Werte gestiegen waren - einen Tag später rief er mich zurück. Die Werte hatten sich verdoppelt!) und Tramadol verschreiben. Ich ging dann nach Hause und lernte meinen uralten Sessel schätzen, in dem ich ganz vorsichtig sitzen konnte. Elf Tage konnte ich nicht im Bett liegen, sondern verbrachte die Zeit mit Schmerzmitteln vollgepumpt im Sessel. Es war eine harte Zeit.
Ich will echt nicht allzu zynisch klingen, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass das Krankenhaus für mich der denkbar schlechteste Ort ist, um eine Pankreatitis ausheilen zu lassen. Gerade das viele Liegen mit der warmen Decke im stickigen Zimmer hat ganz sicher nicht für eine Verbesserung der Situation beigetragen. Ich bin jetzt immer noch im aktuellen "recovery" Modus und muss sehr vorsichtig sein, was ich esse. Und ich verstehe, wenn sich manche fragen, was ich eigentlich mit diesem Beitrag bezwecken möchte.
Ich stelle mir die Frage, ob andere auch schon mal so etwas ähnliches erlebt haben? Ich meine, war ich zu naiv? Ich dachte, dass man heutzutage genügend Schmerzmittel bei Schmerzen bekommt. War es mein Fehler? Hätte ich mich auf den Boden wälzen und vor Schmerzen heulen müssen, damit man mich ernst nimmt? Ich meine, jede kleinste Bewegung löste Schmerzkrämpfe aus - sich theatralisch herumzurollen hielt ich nicht für angebracht. Am schlimmsten war dieser Vernichtungsschmerz, der wirklich ohne Pause sein Ding durchzog. Als ich hier zu Hause im Sessel das erste mal etwas dösen durfte, wusste ich, dass die Entlassung die richtige Entscheidung gewesen ist. Aber ich habe Schwierigkeiten damit, psychisch das erlebte zu verarbeiten. Vielleicht ist es deshalb ein Roman geworden.
Die OP wird frühestens im ersten Drittel des Jahres stattfinden - ich habe noch keinen Termin bekommen und ich hoffe, dass das ERCP wenigstens bis dahin neue Koliken und somit Entzündungen der Pankreas verhindert.
Ich danke jeden, der sich das ganze hier durchgelesen hat.
Grüße Kris