1 Jahr nach Whipple

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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rookie
Beiträge: 2
Registriert: 25. Mai 2010, 01:50

1 Jahr nach Whipple

Beitrag von rookie »

Hallo Leute,
ich bin im März 2009 in Bochum (Prof.Uhl) operiert worden, Pankreaskopf wg.Verwachsungen, Gallenblase, Zwölffingerdarm entfernt.
Seitdem leide ich immer noch unter starken Schmerzen im OP Bereich, ich nehme neben 10/5 Targin 2x, 20mg Oxygesic bis zu 6x täglich.
Dazu ist jetzt noch ein Narbenbruch gekommen der wieder operiert werden muss, meine Ehe neigt sich dem Ende weil meine Frau einfach nicht mehr kann (verständlicherweise, wer will schon einen Ehemann der zu nichts mehr taugt). Meinen Job als Pilot werde ich nicht mehr ausüben können und auf diese beschissene Station 2 in Bochum möchte ich auch nicht mehr, die Nachtbetreuung war eine einuige Katastrophe, besonders eine Nachtschwester, die wohl die meiste Zeit dort ist weil sie nur Nachts arbeitet.
Einen Termin habe ich schon platzen lassen, einfach aus Panik, ich stoße zuhause nur noch auf Verständnislosigkeit.
Am llebsten würde ich meinen MX-5 nehmen und mit 220 gegen eine Brückenpfeiler fahren, dann ist alles vorbei, die Schmerzen, die Schlaflosigkeit, die Blähungen,die Angst meine Frau auch noch zu verlieren. Ich sehne mich nach der Fliegerei, nach einem geregelten Alltag......... ich kann mich einfach nicht mehr ertragen.
Wisst Ihr in welche Klinik ich hier im Ruhrgebiet noch gehen kann als Kassenpatient?
Liebe Grüße Ingo
lailadk
Beiträge: 48
Registriert: 24. Mai 2008, 14:32
Wohnort: Hamburg

Re: 1 Jahr nach Whipple

Beitrag von lailadk »

Hej
bzgl einen Klinik kann ich dir leider nicht helfen. Ich wuerde dich raten einen Kuratrag zu stellen um Abstand zu bekommen fuer dich und deine Familie. Ich war in Herbst in St. Peter Ording beim Roten Kreuz. Ich war ganz begeistert. Ich hatte 2x die Woche Gespraeche mit der Psychologin: wie gehts weiter, Angst vom sterben, umgehen mit chronische Schmerzen usw und das hat mich viel gebracht. Das "heilt" ja nicht, kann aber einen Anstoss dazu geben wie es nach der Kur weitergehen soll.
Es ist nicht immer eine Hilfe zu hoeren wie es andere Betroffene geht. Ich moechte aber trotzdem versuchen dich Mut zu geben. Meine erste Op war 2008 . Vor einen Monat wurde ich wieder operiert wegen Narbenbruch und Verwachsungen. DIe letzten 2 Jahren war ich mehr krankgemeldet als im Job. Aber es geht weiter mit ganz kleine Schritte. Du darf die Hoffnung nicht aufgeben. Du kannst jederzeit hier schreiben und sicher sein, das wir verstehen was du durchmachst.
Mit freundlichen Gruss aus Hamburg
von Laila
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Sonnenblume
Beiträge: 79
Registriert: 31. August 2009, 11:44
Wohnort: Kreis Borken

Re: 1 Jahr nach Whipple

Beitrag von Sonnenblume »

Hey Ingo,

ich bin im Sept. 09 in Bochum gewhippelt worden, aufgrund eines Karzinoms.
Klar gab es auch bei meinem Aufenthalt dort einige Dinge, die hätten besser laufen können, ebenso bei der Nachsorge im Dez. 09....

Die OP an sich ist aber gut gelungen - ich kann bis auf die bekannten Verdächtigen eigentlich alles essen, habe keine Durchfälle und bis auf ein Taubheitsgefühl unterhalb der Narbe auch sonst kaum Probleme im Bauchbereich.
Mittlerweile gehe ich wieder Vollzeit arbeiten, wenn auch meine Leistungsfähigkeit mit früher nicht zu vergleichen ist.....trotzdem bin ich mehr als zufrieden mit dem aktuellen Stand...

Ende Juni geht's dann wieder für drei Tage stationär nach Bochum zur Nachkontrolle....bin mal gespannt, auf welcher Stat. ich diesmal lande :zw:

Alles in allem bin ich sehr froh darüber, dass mein HA mich im vergangenen Jahr direkt nach Bochum überwiesen hat...rein vom medizinischen her hatte ich dort sofort ein gutes Gefühl und mit dem gleichen Gefühl werde ich mich auch in ein paar Wochen wieder auf den Weg machen...

Liebe Grüße und alles Gute für Dich,
Silke
Endokrines Pankreaskopfkarzinom - pp Whipple-OP Sept.'09 (G1, pT2, pN0, M0, L0, V0)

Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling,
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man
auch haben..........

Hans Christian Andersen
rookie
Beiträge: 2
Registriert: 25. Mai 2010, 01:50

Re: 1 Jahr nach Whipple

Beitrag von rookie »

Dank Euch allen, aber momentan ist es immer der Zug dessen Licht du am Tunnelende siehst.
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Reinhard
Beiträge: 656
Registriert: 1. Mai 2008, 09:32
Wohnort: Bückeburg

Re: 1 Jahr nach Whipple

Beitrag von Reinhard »

Hallo Ingo,
wie soll Deine Frau Dich ertragen, wenn Du Dich selbst nicht magst. Und das mit dem schönen MX 5 würde ich vergessen. Nimm lieber einem Leihwagen, ohne Selbstbeteiligung. Und die Krankenschwester? Die geht dann, wenn Du Uhl erzählst, sie hätte Dir die Pillen wegefressen, jede Nacht, die brauchte das.
Ich glaube, Du bist viel zu klug, um meine Zeilen falsch zu verstehen.
Ich war in einer ähnlichen Situation, von daher kann ich Dich gut verstehen. Mit der Einstellung, die Du jetzt hast, hätte ich bei meiner Frau nichts erreicht. Sie war Nachtschwester, und grundsätzlich liegt bei denen die Mitleidsgrenze extrem hoch. Unter Intensiv läuft da nichts! Aber Du willst bestimmt nicht, dass Dich Deine Frau bemitleidet!!??
Es sagt sich immer so leicht, man soll das positiv sehen, anderen geht es noch schlimmer. Aber das hilft selten. Als ich nach einem 7monatigem Krankenhausaufenthalt nach Hause kam, ging es mir nicht viel besser. Ich hatte einen Anus Praeter (Seitenausgang-AP), was einem bei der Damenwelt nicht unbedingt attraktiver macht, dachte ich jedenfalls.
Danach gab es noch Irrwege über ein Provinzkrankenhaus (Keiner Ahnung, Enzyme unbekannt) über die psychiatrische Abteilung eines Kreiskrankenhauses (noch weniger Ahnung, Enzyme lt. Innere wurden gegeben, aber 15 Minuten nach dem Essen) bis ich nach großem Kampf zur Inneren verlegt wurde.
Ich konnte dann nach fünf Wochen intensiver stationären Behandlung beim einem sehr guten Arzt ( heute Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des AdP) das Krankenhaus verlassen. Mir ging es schlecht, jedoch hatte ich wieder Hoffnung.
Ich fing wieder etwas an zu leben. Ich rutschte nicht mehr an der "Stange" herunter, wie vorher, sonder konnte mich festhalten.
Wollte es mir zu Hause schön machen und war auf dem Weg zum Baumarkt. Zufällig kam ich bei einem Autohändler vorbei, und hatte innerhalb eineinhalb Stunden (Betreten des Ladens und Verlassen des Händler mit zugelassenem Auto) ein Cabrio gekauft, nur um mir selbst was Gutes zu gönnen. Ich ließ es mir einmal selbst "Gutgehen". Meine Stimmung wurde besser und langsam kam der Wendepunkt. Nach ca. zwei Jahren wurde die Anatomie teilweise wiederhergestellt, der Anus Praeter wurde zurück verlegt.
Es war ein weiter Weg, und der AdP (Gruppe und Ärzte) haben mir dabei geholfen.
Was unterscheidet uns. Ich hatte weniger Schmerzen und Du hast schon das Cabrio. Psychisch war ich auch am Ende, nur in der Psychiatrie war ich damals falsch..
Ich denke,Du musst das "Heute" als Ist-Zustand akzeptieren. Dieser Zustand soll gebessert werden. Und, in der jetzigen Situation ist arbeiten sowieso nicht möglich. Und ob es so wie früher wird, ist fraglich. Viele mit der Erkrankung sind Rentner.
Ich würde zunächst eine gute Schmerzambulanz aufsuchen. Unser Kollege aus Oberhausen (siehe Hauptseite AdP Regional und dann unter Regionalgruppen) wird Dir dabei sicher helfen. Eventuell könnte es auch stationär gemacht werden. Und eine im vorigen Beitrag angesprochene Kur würde ich auch machen. Dabei würde ich mich auch vom AdP beraten lassen.
Weiterhin sollten die grundsätzlichen und einfachen Dinge geprüft werden. Werden Enzyme ausreichend und zur richtigen Zeit genommen.
Es gibt noch viele Dinge zu beachten und wir helfen Dir gern. Du kannst mich auch telefonisch jederzeit anrufen. Die Telefonnummer findest Du unter der Regionalgruppe Hannover. Ich schreibe Dir das, um Dir etwas Mut zu machen!!
Nur, der Ausgangspunkt ist ein anderer als vor der OP.
Bis dann
Lieben Gruß
Reinhard
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