Es gibt keine Hoffnung mehr

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Hope
Beiträge: 24
Registriert: 17. April 2012, 16:28

Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von Hope »

Hallo,
mein Jochem (Pankreas-CA mit Lebermetastasen) hat in der letzten Zeit stark abgebaut, er wiegt nur noch 57 kg. , fährt kein Auto mehr, kann auch keine Spaziergänge
mehr machen. Das Palliativ-Team hat die Schmerzmittel erhöht. Jochem bekommt Fentanyl Pflaster 400 myg, dazu noch das Fentanyl Nasenspray.
Der Tumor liegt am Darm, die Schmerzen sind so unerträglich. Eine Kanüle ist gelegt worden, er bekommt morgens und abends von mir ein Schmerzmittel gespritzt..
Zusätzlich noch Tavor zur Beruhigung. Es ist so grausam. Es geht hier nicht um mich, um all die Arbeit und die Zukunft. Ich jammeere auch nicht.
Dass ein Mensch so leiden muß, er weiß, dass er sterben muß. Er sagt zu mir, dass er leben will. Ich bin rund um die Uhr für ihn da, aber ich kann nicht helfen. Ihm keine Schmerzen nehmen.
Am Anfang waren wir alle voller Hoffnung. Aber dieser Pankreaskrebs scheint immer zu gewinnen.
Das alles wollte ich eigentlich nicht vor Weihnachten schreiben, ich wollte mich mitteilen.

Ich wünsche Allen eine besinnliche Weihnachtszeit und hoffe so sehr, dass es irgendwann eine Möglichkeit gibt, diese Krankheit zu heilen.

Susanne
stocki
Beiträge: 119
Registriert: 23. August 2010, 08:57
Wohnort: Meerbusch (Nähe Düsseldorf)

Re: Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von stocki »

Liebe Susanne,
ich hab schon oft an euch gedacht und überlegt, wie es Dir und Jochem wohl gehen mag.
Aber leider fehlen mir in solchen Momenten die richtigen Worte....
Ich frage mich, ob man nicht die Dosis der Schmerzmittel erhöhen kann oder etwas anderes geben kann, weil ich immer höre, daß man gegen die Schmerzen etwas tun kann. Angeblich muss doch niemand starke Schmerzen haben, wenn denn keine Hoffnung mehr besteht.
Trotz der widrigen Umstände wünsche ich euch ein schönes, gemeinsames Weihnachtsfest.
Ich denke an euch !
Claudia
Muggle
Beiträge: 224
Registriert: 24. November 2012, 17:58

Re: Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von Muggle »

Liebe Susanne, warum wolltest du es nicht vor Weihnachten schreiben? Es beschäftigt dich doch und wenn es hilft, hier zu schreiben, dann mach das doch. Wir können an der Situation nichts ändern, aber wir können dir zuhören und vielleicht ist das ja schon mal ein bisschen Hilfe.

Ich wünsche dir, dass du trotz allem im Alltag Oasen findest, die dich auftanken lassen. Und Jochem wünsche ich, dass vielleicht doch noch einmal jemand einen guten Gedanken hat bezüglich der Schmerzbekämpfung. Es muss doch noch etwas geben, was man diesbezüglich versuchen kann.
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Paula
Beiträge: 106
Registriert: 3. August 2012, 18:59
Kontaktdaten:

Re: Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von Paula »

Hallo Susanne ua.
Ich finde es besser die Dinge beim Namen zu nennen,auch wenn es hart klingen mag.
Das unauflösbare Problem scheint mir in diesem traurigen Fall in der der Aussage des Patienten zu liegen.Da heißt es "er will leben".Eine vollkommene Schmerz Beseitigung wäre sicher mit einer Lebensverkürzung verbunden.Diese Entscheidung kann und darf nur der Patient treffen und die,die dabei sind müssen es hinnehmen und wenn es auch noch so schwer fällt.Auch wenn das mit leiden unerträglich scheint.
Ich wünsche dir all die Kraft,die du nun in dieser Zeit brauchst.
19.3.2012 klassische Whipple OP in Heidelberg pT3,pN1,(5/31) cM0,Pn1,L1,G2,R1 mit Rezidiv und Lungenmetastasen. Weitergehende Infos unter http://www.peh.blogger.de/
Hope
Beiträge: 24
Registriert: 17. April 2012, 16:28

Re: Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von Hope »

Hallo,
vielen Dank für Eure lieben Worte und Anteilnahme.

Jochem bekommt Schmerzmittel in Form von Fentanyl Pflaster, und Nasenspray bei Durchbruchschmerzen. Die Dosis hat sich in letzter Zeit ständig erhöht, da die Schmerzen immer stärker werden. Zusätzlich spritze ich ihm Buscopan nach Bedarf und morgens sowie abends Octreotid für Magen und Darm. Er hat eine Dauerkanüle im Oberschenkel.
Das Palliativ-Team hat uns aufgeklärt. Es wird der Moment kommen und Jochem wird nur noch schlafen.
Das Team vom Palliativdienst nimmt sich alle Zeit und tut wirklich alles, damit Jochem schmerzfrei ist.
Auch nehmen wir einen Psycho-Onkologen in Anspruch. Er hat früher mehrere Jahre ehrenamtlich in einem Hospiz gearbeitet und kommt zu uns nach Hause.
Jochem hat zum ersten Mal vor einem anderen Menschen geweint. Wir weinen auch öfters zusammen. Vor seinem Vater kann er nicht weinen, da beherrscht er sich.
Sein Vater war noch nie in der Lage, Gefühle zu zeigen. Statt dessen wurde Jochem mehrmals von ihm gefragt, wo er beerdigt werden möchte und dass schon seit vielen Wochen.
Dass hat ihn so runtergezogen.
Jochems Wünsche werde ich respektieren und alles was in meiner Macht steht für ihn tun.

Alles erdenklich Gute für Euch.
Susanne
stocki
Beiträge: 119
Registriert: 23. August 2010, 08:57
Wohnort: Meerbusch (Nähe Düsseldorf)

Re: Es gibt keine Hoffnung mehr

Beitrag von stocki »

Hallo Susanne,
vielleicht kannst Du mit Jochems Vater reden. Ich weiss, das das Verhältnis nicht so toll ist, aber in der jetzigen Situation sollte er eigentlich ein offenes Ohr haben.
Sag ihm doch einfach, z.B. wenn Du ihn an der Tür verabschiedest, daß es seinem Sohn eher helfen würde, wenn er solche Fragen nicht stellt und einfach mal ein paar Gefühle für seinen Sohn zeigt, solange er noch die Gelegenheit dazu hat.....

Fühl Dich gedrückt, in Gedanken bin ich oft bei Euch
Claudia
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