Diagnose am Karfreitag

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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xanamo
Beiträge: 1
Registriert: 31. März 2013, 12:33

Diagnose am Karfreitag

Beitrag von xanamo »

Erst einmal ein Hallo in dieses Forum und frohe Ostern!
Ich habe mich hier im Forum durchgearbeitet und hoffe, hier richtig zu sein.
Es geht nicht um mich, sondern um meinen Freund, mit dem ich seit Dez. letzten Jahres zusammen bin. Er hat mir damals schon gesagt, dass er ein "Problemfall" ist, da er verschiedene Krankheiten hat, u.a. Bluthochdruck, Herzkrank, Diabetes sowie Depressionen. Meine Antwort darauf war: kein Problem, das ist eine Herausforderung. Nun also habe ich diesen Menschen kennen- und lieben gelernt. Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass er unter Appetitlosigkeit bzw. sog. Fressanfällen leidet, über Übelkeit, Erbrechen und Rückenschmerzen klagt. Bei einer Routineuntersuchung wurde im Februar eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse festgestellt, die "mehr oder weniger" behandelt werden konnte. Einzelheiten dazu kann ich später noch einmal erklären, nur soweit erklärt: es liegt daran, dass er privat versichert ist, in Vorkasse treten muss und finanziell momentan nicht auf "Rosen gebettet" ist..

Als er nun am letzten Wochenende wieder einmal in die Klinik kam um seinen Tropf abzuholen, wurde zum 4. mal in Folge eine Endoskopie gemacht, bei der die Entzündung mit Schmerzsalbe oder sowas in der Art behandelt wurde. Gleichzeitig bekam er einen Zugang in den Bauchraum um die starken Schmerzen zu lindern. Ich habe schon damals bei der ersten Endoskopie gedacht, dass es sich nicht nur um eine Entzündung handelt, da dieser zweite Tropf vor zwei Wochen bereits eingesetzt wurde. Das Problem bei meinem Freund ist, dass er durch die Depris auch keinen Besuch im Krankenhaus empfangen will, was mit damit verbundenen Ängsten zu tun hat. Ich bin schon immer froh gewesen, dass er sich telefonisch bei mir gemeldet hat. So konnte ich sicher sein, dass er noch lebt.
Nun ist er also Gründonnerstag erneut in die Klinik gekommen, wo wieder ein Tropf in die Vene und einer in den Bauch gelaufen ist. Ich habe diese Behandlung wie so viele finanziert und natürlich wusste ich, dass er Karfreitag die Klinik wieder verlassen musste. Aber dem war leider nicht so, Freitag abend bekam ich wieder einen Anruf bei dem er mir mitteilte, dass es sich leider wirklich um Krebs handelt.
Er ist nun auf einer speziellen Krebsstation, hat Freitag die erste Chemo (er erklärte mir, die würde punktuell direkt auf den Tumor mittels Punktionsnadeln geleitet) bekommen, heute morgen die zweite.
Seit Donnerstag habe ich ihn immer nur gesprochen, ich bin gerade ziemlich hilflos. Wir schreiben SMS, es war jedoch vor dieser Diagnose so, dass wir über alles und jeden geredet hatten, die Gespräche bis zu 6 Std. dauerten. Jetzt haben wir max. ein Gespräch von 20 Min. Die SMS'en enden auf einmal, dann bin ich mir nicht sicher, ist er in Behandlung, schläft er, geht es ihm schlecht?
Er möchte auch nicht über die Krankheit reden, möchte wie gesagt auch keinen Besuch haben. Obwohl ich ihm auch versucht habe zu erklären, dass er im Moment jegliche Unterstützung benötigt, und sei es nur die Anwesenheit von mir. Ich bin auch die Einzige, der er die Diagnose gesagt hat.
Um welche Form es sich bei dem Krebs handelt, sagt er mir nicht, er hat mir nur versucht zu sagen, dass der Krebs nicht gestreut hat und 100%-ige Chance auf Heilung besteht. Ich wusste, er lügt. Auf Nachfragen sagte er mir, dass die Chance bei 50-70% liegt. Und dieser Tumor sei im Moment nicht operabel, darum die Chemo um diese Zellen am Wachsen zu hindern.
In den letzten fast 4 Monaten habe ich so viel gelitten und gekämpft, ihm mehrfach das Leben durch Behandlungen gerettet (u.a. Stents, da durch den Bluthochdruck die Venen dicht waren), die nötigen Medis für die Behandlung seiner Zuckerkrankheit, die Tropfe für die "angebliche" Bauchspeicheldrüsenentzündung bezahlt. Ich bin mit meiner Kraft fast am Ende. Besonders, da ich nicht mehr weiß, wie ich ihm helfen kann. Abends schlafe ich weinend ein, wache nachts weinend auf, und morgens nach 2-3 Std. Schlaf sieht es nicht besser aus.
Meine ganzen Gedanken kreisen momentan nur um die Heilungschancen dieser beschissenen Krankheit. Ich habe selbst meine Eltern verloren durch Krebs (Mutter Gebärmutterhals und Vater Darmkrebs und auch Bauchspeicheldrüse). Das ist mittlerweile fast 20 Jahre her, ich habe diese Verluste noch immer nicht verwunden. Und nun wieder so ein Schicksalsschlag.
Ich habe keine Ahnung wie es weitergehen soll. Ich bin auch schon froh, dass er seit Freitag ein trockenes Brötchen gegessen hat (ein halbes Freitag, ein halbes gestern, alles andere findet den Weg wieder durch den Kopf).
Ich weiß, das ist sehr viel, besonders heute am Ostersonntag. Aber für mich sind diese Gedanken um seine Gesundheit und sein Leben gerade sehr vordergründig. Vielleicht kann mir ja jemand einen Rat geben, was ich noch tun kann und wie ich mich weiter verhalten soll. Weil im Moment ist bei mir nur Leere im Kopf.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein ruhiges Osterfest
xanamo
sternej
Beiträge: 193
Registriert: 9. Januar 2013, 17:40

Re: Diagnose am Karfreitag

Beitrag von sternej »

Hallo,
dass ist ja nu n mal wirklich schlimm, was Ihr alles erleiden musstest. Leider kann ich Dir von der medizinischen Seite überhaupt nicht helfen.
Für Dich selbst finde ich ganz wichtig, dass Du an Dich denkst, dass Du auch tust was dir gut tut. Du hast auf jeden Fall einen langen, schwierigen Weg vor Dir. Du brauchst alle Deine Kraft, vergiss das nicht! In Eurem Fall ist es nicht egoistisch, sondern notwendig an sich zu denken!
Wie du wahrscheinlich weißt, geht die Chemo ja leider auch auf die Psyche. Auch die positivsten Menschen werden allein durch Chemo schon oft depremiert, zusätzlich zu der Diagnose, ist es ja auch klar, dass das jetzt auch für Deinen Freund sehr schwer ist mit der Tatsache klar zu kommen, einen Weg zu finden mit der Krankheit klar zu kommen. Da ich Deinen Freund nicht kenne, weiß ich natürlich nicht welch ein Typ er ist, schein so als ob er das erstmal alleine verarbeiten muss. Du kannst ihm letztendlich immer wieder nur zeigen, dass Du ihn vermisst, ihn liebst, für ihn da bist, ihm sagen, dass DU es einfacher finden würdest er würde dir alles sagen.
Wichtig für dich auch zu wissen, dass Dein Freund Dich liebt, dass seine evtl. ablehnende Haltung nicht er ist, sondern Teil seiner Krankheit und der Medikamente.
Es tut mir leid, dass ich Dir nicht wirklich helfen kann. Ich werde für dich beten, dass du trotz allem deinen inneren Frieden behälst und eine Sicherheit bekommst, wie du deinem Freund helfen kannst. Machmal sieht man erst im Nachhinein, dass man trotz aller Unsicherheit eine große Hilfe war.
Auch wenn es für uns alle richtig ist, sich Gedanken darüber zu machen, dass wir nicht ewig leben werden, sollten wir da nicht stehen bleiben. Wir haben uns Leben nicht in der Hand, aber das JETZT können wir mit gestalten.
Dafür wünsche ich dir ganz, ganz viel Kraft
Stern
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