Mein Vater wird nicht gesund

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Amy991
Beiträge: 11
Registriert: 20. Mai 2014, 01:25

Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Amy991 »

Guten Abend!

Bei der Suche nach Informationen, bin ich auf diese Seite gestoßen. Mein Vater liegt seit zwei Monaten auf der Intensivstation mit einer akuten nekrotischen Pankreatitis. Die Ärzte auf der Station geben auch Auskunft, aber ich muss leider zugeben, dass ich vieles nicht verstehe und dort auch oft zu gehemmt bin, um die Fragen zu stellen, oder die richtigen Fragen fallen mir erst später ein. Ich habe aber den Eindruck, dass mein Vati in den besten Händen ist. Er wurde zuerst konventionell, ohne OP der BSD behandelt, was auch gut lief, bis es zu einem schweren Rückschlag kam, da Bakterien aus dem nekrotischen Gewebe in den Körper kamen, die Rede war von Sepsis. Er wurde dann doch operiert, nekrotisches Gewebe so gut wie möglich entfernt, Drainagen zur Spülung gelegt, für zwei Wochen Tiefschlaf. Nun tägliche Spülungen der Stellen oder BSP. Was mich irritierte: der Arzt meinte, dass die BSP nicht aufhört zu verdauen, es wären schon neue Stellen aufgetreten, die in der Nähe großer Arterien liegen, das wäre ein Damoklesschwert, das über meinem Vati hängen würde. Man könnte an den Bauch auch nur schwer nochmal mit einer Op drangehen, es wäre alles schon so verwachsen.

Meine Verzweiflung ist groß, und nun habe ich gelesen, dass man auch ohne BSP leben kann, dass wusste ich noch nicht. Vielleicht wäre das die Rettung für meinen Vater, wenn das Ding endgültig raus wäre?

Bitte entschuldigt, falls meine Fragen zu einfältig sind.

LG Amy
Amy991
Beiträge: 11
Registriert: 20. Mai 2014, 01:25

Re: Nekrotische Pankreatitis-Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Amy991 »

PS: Ich habe keine Zweifel am Vorgehen der Ärzte, möchte nur die Vorgänge im Körper meines Vaters besser verstehen. Die Vorstellung, dass sich ein Organ quasi selbst verdaut und dabei verdautes Gewebe als Herd für Bakterien und Pilze bildet, die eine Bakterienschleuder für den Rest des Körpers sind....das brachte mich auf den Gedanken mit der Entfernung der Bauchspeicheldrüse, nachdem ich darüber gelesen hatte, dass es Menschen gibt, die auch ohne diese leben können. Ich würde die Ärzte darauf gerne ansprechen, traue mich aber nicht.
Barbara
Beiträge: 15
Registriert: 13. Dezember 2013, 11:53

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Barbara »

Hallo Amy
lieb von dir dass du dich so um deinen Vater kümmerst
Ja, man kann ohne BSP leben, ab Juli muss ich das auch, man ist dann u.a. Diabetiker und muss halt immer Insulin spritzen, aber mir wurde gesagt, dass es nicht so schlimm ist
Ich hoffe du bekommst noch mehr Antworten, alles Gute für deinen Vater
McMagellan
Beiträge: 3
Registriert: 18. Mai 2014, 20:45

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von McMagellan »

Hallo Amy,

Ich kann deine Probleme gut nachvollziehen weil mein Fall dem deines Vater sehr ähnlich ist. Komischerweise stehen unsere Themen hier im Forum auch direkt nebeneinander.

Bevor es mich selbst betraf hatte ich keine Ahnung von der BSD. Doch jetzt ist mein "Halbwissen" so, das ich zumindest ein paar Vorgänge erklären kann allerdings ohne wissenschaftlichen Anspruch.

1.) Die Selbstverdauung der BSD
Die dort produzierten Verdauungsenzyme müssen sehr scharf sein um ihre Aufgabe im Darm zu bewerkstelligen. Sie werden in der BSD daher in einer Art milden Vorstufe produziert und später im Darm scharf geschaltet. Bei mir hatte sich dieser Punkt der Aktivierung bis in die BSD zurück verschoben weswegen es zu der Selbstverdauung kommt. Einfluss auf die Nachproduktion hat man nicht. Es soll angeblich ausreichen nur ans Essen zu denken und die BSD produziert. Spätestens wenn alle produzierenden Zellen geschädigt sind hat es ein Ende.

2.) Entfernung der BSD
Selbstverdauung bedeutet nicht das die BSD anschließend weg ist. Es bleibt ein stark vernarbtes verwachsenes Restorgan zurück. Ich hatte auch den Vorschlag gemacht das Restorgan operativ zu entfernen. Aussage der Ärzte: Ihren Pankreas fasst keiner mehr an.

3.) Alltag danach
Nachdem ich letztes Jahr insgesamt 90 Tage deswegen im Krankenhaus war bin ich jetzt seit 8 Monaten wieder zu Hause und es geht mir gut. Schmerzen habe ich nur bei Druckbelastung des Bauches. Die verloren gegangene Enzymproduktion der BSD wird durch Kreon übernommen und Insulin spritze ich jetzt auch neuerdings.

Hoffe dir weiter geholfen zu haben, kannst mir ja für weitere Infos ein Mail schicken.

Gruß
Gerhard
Amy991
Beiträge: 11
Registriert: 20. Mai 2014, 01:25

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Amy991 »

Hallo,

Vielen Dank für Eure Antworten. Ich wünsche Euch beiden von Herzen gute Besserung.

Lieber Gerhard, habe Deinen Beitrag gelesen, Du hast Schlimmes durchgemacht und machst es noch. Ja, das hört sich ähnlich an wie bei meinem Vater. Durch Deinen Beitrag kann ich die Vorgänge jetzt etwas besser verstehen. Bei nächsten Arztgespräch werde ich mal nach dem Thema Entfernung fragen, denn nun weiß ich, dass meine Fragen nicht völlig aus der Luft gegriffen sind.

Ich bin froh, dass ich dieses Forum gefunden habe, denn wenn mein Paps diese schwere Erkrankung überstanden hat, wird es danach noch viele Fragen geben, gerade wie bei Dir Gerhard zum Thema Ernährung.

Viele Grüsse
Amy
SaSem

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von SaSem »

Hallo,

vielleicht hilft Dir dieser Artikel:

*Quelle Fachtagung Pankreas Chirurgie Mai 2014:

Pankreatitis so spät wie möglich operieren. Die Chancen, eine schwere akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) zu überleben, werden immer besser. Während bislang möglichst schnell operiert wurde, warten die Ärzte mittlerweile länger ab, erklärte der Gastroenterologe Professor Dr. Peter Layer kurz vor Beginn des Kongresses Viszeralmedizin in Hamburg. So konnte die Sterblichkeitsrate von mehr als 50 Prozent auf unter 20 Prozent gedrückt werden. Früher ging man davon aus, dass eine frühe Operation bei Nekrosen vor Gewebezerstörungen durch die aggressiven Enzyme eines entzündeten Pankreas den Schaden in Grenzen hält. Bei infizierten Nekrosen galt die Entfernung von Teilen des Organs als zwingend. Tatsächlich scheint aber eine sofortige OP die Überlebenschancen eher zu senken. Den Ausschlag für den Paradigmenwechsel gaben laut Layer große, prospektive Studien aus den Niederlanden.

Daher behandeln Gastroenterologen und Viszeralchirurgen heutzutage zunächst konservativ, das heißt sie überwachen den Patienten über Wochen intensivmedizinisch. «Es gibt noch keine kausale Therapie», so Layer, der Direktor der Medizinischen Klinik des Israelitischen Krankenhauses in Hamburg ist. Alle spezifischen Arzneistoffe seien bislang in klinischen Studien gescheitert. «Daher können wir nur die Symptome der Erkrankung bekämpfen.» Die Ärzte sorgen zum Beispiel für den Erhalt der Lungen- und Nierenfunktion und versuchen, Infekte zu verhindern. «Wir entscheiden jeden Tag gemeinsam neu, ob wir operieren», so Professor Dr. Stefan Post, Direktor der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim. Wenn möglich, sollte frühestens nach vier Wochen konservativer Therapie operiert werden, möglichst minimalinvasiv. Dann liegt die Überlebenschance sogar höher als 80 Prozent.

Gute Besserung an Deinen Vater, liebe Grüße Sabine
Amy991
Beiträge: 11
Registriert: 20. Mai 2014, 01:25

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Amy991 »

Hallo Sabine,

Danke für Deine Ausführungen. Dann ist es ja bei meinem Vater so gemacht worden wie dort beschrieben. Jetzt müssen wir hoffen, dass der Verdauungsprozess der BSD zum Stillstand kommt.

Ich wünsche Dir ebenfalls gute Besserung.

Viele Grüsse, Amy
schikki04
Beiträge: 34
Registriert: 22. März 2014, 02:53

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von schikki04 »


hallo Amy,

es gibt keine einfaeltigen fragen! du hast eh schon so viel mut und staerke, dass du dich so sehr um deinen vater kuemmerst. hab ruhig auch den aerzten gegenueber ein bisschen mehr mut. seit ich krank bin (fast 2 jahre - pankreaskarzinom) habe ich so viele aerzte schon so viel gefragt. ich weiss zwar nicht immer was ich von den antworten halten soll, aber je mehr ich bekomme, umso besser kann ich mir dann selber ein bild machen. und vor allem gab es noch kein einziges mal einen arzt der ungeduldig gewesen waere oder bei dem ich das gefuehl hatte meine fragen nerven. ganz im gegenteil, viele geben sich sehr viel muehe und merken deine fragen kommen weil du dir sorgen um deinen vater machst und nicht weil du sie aergern moechtest. naja, und zu guter letzt bekommen sie ja auch geld fuer ihre arbeit.

trau dich ruhig, es lohnt sich.

gruesse und guads naechdle,
Schikki

SaSem

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von SaSem »

Amy991 hat geschrieben:Hallo Sabine,

Danke für Deine Ausführungen. Dann ist es ja bei meinem Vater so gemacht worden wie dort beschrieben. Jetzt müssen wir hoffen, dass der Verdauungsprozess der BSD zum Stillstand kommt.

Ich wünsche Dir ebenfalls gute Besserung.

Viele Grüsse, Amy
Hallo Amy991,

das mit Deinem Papa wird ganz bestimmt wieder in Ordnung.

Liebe Grüße
Sabine
Amy991
Beiträge: 11
Registriert: 20. Mai 2014, 01:25

Re: Mein Vater wird nicht gesund

Beitrag von Amy991 »

Hallo Ihr Lieben,

nach einigen Rückschlägen und vielen Ängsten von Seiten von uns Angehörigen, hat mein lieber Papi nun das allerschlimmste überstanden!

Ich hatte die Ärzte damals auf eine Entfernung der BSP angesprochen, aber das Gewebe war so verwachsen, dass sich der operierende Oberarzt da nicht mehr rantrauen wollte. So sagte er das auch ehrlicherweise im Arztgespräch mit uns.

Aber dann wurde alles besser und mein Papi wurde noch mit Magensonde und Sonde zur Flüssigkeitszufuhr vor 14 Tagen in die Rehaklinik Pulsnitz entlassen!

Ich möchte Euch für Eure Antworten und den Zuspruch hier nochmals herzlich danken!

Momentan sind wir uns über die weitere Entwicklung, vor allem bzgl. Ernährung noch nicht im Klaren, da es aus Zeitmangel noch kein neues ausführliches Arztgespräch gab. Da er Appetit hat und auch einige Bissen ist, bekommt er labbrige Stullen am Abend und Kartoffelsuppe mittags mit pürierter Bockwurst (das als Beispiel für das Mittagessen, abends ist es immer gleich). Ich finde ja, dass diese Speisen, für jemanden der gottseidank wieder Appetit entwickelt, solche Speisen ohne einen Krümel Obst, Gemüse kontraproduktiv sind. Meine Mutter nimmt immer Gurken mit, die schnurpst er dann so weg und liebt das auch.

Aber egal, was mir mehr Sorgen macht ist, dass in den 14 Tagen , die die KK vorerst als Reha bewilligt hat, noch nicht viel passiert ist. Er ist sehr schwach und müsste mobilisiert werden. In der ersten Woche passierte gar nichts, nun in der zweiten hat er einmal am Tag eine Physiotherapeutin für 45 Minuten. Diese setzte ihn bisher in den Rollstuhl, fuhr ihn auf den Gang oder die Terrasse und versuchte ihn dann, aus dem Rollstuhl aufzustellen, was natürlich nicht gelingt.
Den Rest des Tages liegt er im Bett. Ich finde das etwas wenig "Reha".

Bestimmt wird die Reha verlängert, aber ich finde, das ist so vertane Zeit und ja auch Geld!

Wie sind denn Eure Erfahrungen diesbezüglich? Ich bin kurz davor, die KK anzurufen, um mal zu fragen, wie eine Reha in solch einem Fall ablaufen sollte.

Liebe Grüsse, Amy
Antworten