Auf einmal ist Alles Anders

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

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Johann
Beiträge: 3
Registriert: 29. August 2016, 15:42

Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von Johann »

Hallo Alle zusammen,
ich bin 61,11 Jahre alt, im Ruhestand und so hat alles angefangen.
Anfang Juni, direkt nach einem Urlaub in den Bergen, hatte ich ein Völlegefühl und leichte Schmerzen im Oberbauch.
Die Untersuchung beim Hausarzt mit Ultraschall ergab, Magenschleimhautentzündung. Pantoprazol hilft, in einer Woche nochmals vorsprechen.
Parallel dazu wurde Blut für Langzeitzucker abgenommen,da er in letzter Zeit grenzwertig war, Wert 160mg/dl.Die Bauchschmerzen wurden etwas besser, das Unwohlsein blieb, eine anstehende Vorsorge Untersuchung Mitte Juni ergab keinen Hinweis auf BSD-Erkrankung, der Zuckerwert(Stand 27.06.) ist allerdings auf 290mg/dl angestiegen. Nochmals Blutzucker abgenommen, speziellen Wert für Diagose angefordert, Befunderöffnung 30.06., Zuckerwert über 330mg/dl!! Der besondere Wert wurde vergessen.
Gewichtsabnahme in 4 Wochen drei Kilogramm.
Ein Zusammenhang Diabetes in der Familie wurde hergestellt und die Bemerkung von mir, dass mein Vater im selben Alter an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben ist, ließen beim Arzt die Alarmglocken läuten.

Bis zurerneuten Blutannalyse wollte ich nicht warten und habe ein MRT vorgeschlagen.
Ich habe gespürt, dass etwas nicht stimmt.
01.07. MRT, Befunderöffnung um 09:00 Uhr ohne Detail durch Radiologe, Kurzdiagonse, hier stimmt etwas nicht, im Bild sind Schatten, die nicht hingehören.
Auf einmal ist Alles Anders! Die Welt um dich verändert sich, bricht zusammen, die schlimmsten Gedanken gehen durch den Kopf.
Vom MRT direkt zum Hausarzt, von dort direkt zum Chirurg, Bestätigung BSD, da der Befund Radiologe vorlag, weiter Empfehlung zum Chirurg Zentralklinikum, Vorstellung am 04.07., erneute Bestätigung, das Teil muß raus, ob gut oder schlecht.
07.07.OP nach Whipple, 2 Tage intensiv, danach stationär, am 3.Tag selbst waschen, am 4. Tag spazieren gehen ohne Hilfe,am 6. Tag waren alle Versorgungleitungen weg.
Entlassung nach Hause am 15.07.während der gesamten Zeit hatte ich nur geringe Schmerzen.
Am 17.07.bin ich zum ersten Mal wieder Rad gefahren, kleine Strecke, mords der Erfolg für mich

Nachuntersuchung am 25.07., der Arzt ist zufrieden, Essen darf ich alles, Fahrrad fahren, eine meiner körperlichen Aktivitäten so wie es mir gut tut, weiter geht es mit Chemo.
Erfahrung mit Chemo im neuen Bericht
thphilipp
Beiträge: 1615
Registriert: 2. November 2010, 07:17

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von thphilipp »

Hallo,

da Du ja Chemo machen musst, wird wohl der Pathologiebericht nicht so
Gut gewesen sein nehme ich an?
_______________________________________
Liebe Grüße Thorsten
Johann
Beiträge: 3
Registriert: 29. August 2016, 15:42

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von Johann »

Hallo Zusammen, hallo thphilipp,

der Phatologiebericht lautet: pT4,pN1(L0,V1,Pn1,R1)
bei der Tumorkonferenz wurde eine palliatative Chemotherapie vorgeschlagen.
Als Therapieschema kommt bei mir Gemcitabine und Capecitabine zur Anwendung.

Begonnen habe ich am 04.08. mit dem ersten Zyklus.
Zwei Zyklen(von sechs) habe ich hinter mir, derzeit Chemopause.
Heute geht es mir gut, da es eine "leichte" Chemo sein soll, berichte ich Euch von meinen Nebenwirkungen:
Schleimbeutelentzündung im linken Bein, wurde mit Halbschalen-Gips ruhig gestellt, Dauer ca. 12 Tage, Behandlung mit Retterspitz, Arnika, Voltaren und Ibuprofen.
Nach abklingen der Schmerzen, Verlagerung in den rechten Fuß, das selbe Procedere ohne Gips.
Weitere Nebenwirkungen: Grippe ähnliche Symptone wie Gliederschmerzen, Müdigkeit, dazu Schlaflosigkeit gesteigerter Harndrang, krippeln in den Beinen und Füßen, Augenentzündung, ab und zu starke Übelkeit.
Bis jetzt habe ich nur gegen die Übelkeit das Medikament MCP eingenommen und ab und zu eine halbe Schlaftablette.
Für den Zuckerhaushalt (überwacht durch Hausarzt) nehme ich drei Metformin 500, für die Enzyme zu jedem Essen eine Kreon 25000.
Ansonsten halte ich mich fit mit Rad fahren, meine ehrenamtlichen Tätigkeiten und natürlich mit der Unterstützung meiner ganzen Familie und besondes meiner Frau.
Herzliche Grüße und geniest die die Herbstsonne :lachen:
thphilipp
Beiträge: 1615
Registriert: 2. November 2010, 07:17

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von thphilipp »

Hallo,

HUT ab, Du klingst echt gut. Weiter so! Würde mich über weitere Berichte freuen!
_______________________________________
Liebe Grüße Thorsten
Johann
Beiträge: 3
Registriert: 29. August 2016, 15:42

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von Johann »

Hallo Alle zusammen,
möchte einen Sachstandsbericht von meinem Leben nach Whipple Op ergänzen.
Zwischenzeitlich habe ich die Chemo hinter mir, der letzte Zyklus hat mich mit vielen Nebenwirkungen voll erwischt.
Übelkeit, Schlafosigkeit,Antriebslos und Gliederschmerzen, vor allem in den Füßen, so dass ich für mindestens einen Tag nicht mobil war.
Essen kann ich immer noch alles, Gewicht allerdings bei 65kg(80kg vor OP), Zucker wird derzeit vom Hausarzt eingestellt, immer noch mit Tabletten, Kreon zu den Hauptmahlzeiten 40.000, bei kleinen Zwischenmahzeiten 25.000.
CT im Oktober wegen Bauchschmerzen, Ergebniss: nichts von Bedeutung, wahrscheinlich die Narbe, zusätzich zwei kleine Lhymphknoten im Bauchbereich.
Am Tag der letzten Chemotablette(Januar 2017) bin ich zur Reha nach Aulendorf.
Ergebniss: Gewicht gehalten, Leistungsfähigkeit verbessert, allgemein Zustand stabilisiert.Nach drei Wochen bin ich gut gelaunt nach Hause entlassen worden.
ErstesKontroll-CT am 11.02.2017 nach der Chemo mit folgendem Ergebniss,das mich dann herunter gezogen hat:
Die zwei Lhymphknoten sind um ca. das doppelte gewachsen, ein Rezidiv an der Aorta kann nicht ausgeschlossen werden.
Da viele Möglichkeiten als Ursache(Nachwirkung Chemo) möglich sind, nächste Kontrolluntersuchung im Mai, solange macht man nichts.
Eine zweite Meinung vom Chirurg war, dass alles aus Ihrer Sicht gemacht wurde, eine weitere OP nichts verbessert und als Empfehlung für den Onkologen eine neu Chemo (Folfirnox) angedacht wird.
Meine Blutwerte: Ca 19-9=40, Amylase= 34, Lipase=<10
Ich würde mich über ein Feedback freuen
wünsche Euch weiterhin eine gute Zeit und geniest das Frühingserwachen
ThommyH
Beiträge: 30
Registriert: 2. Juni 2016, 17:02

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von ThommyH »

Wachsende Lymphknoten nach einer Chemo sind nicht ungewöhnlich. Drücke die Daumen, dass alles gut geht
Martinium
Beiträge: 26
Registriert: 8. November 2016, 16:57
Wohnort: 59348 Lüdinghausen

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von Martinium »

Hallo Johann,

ich empfehle dir jeden Tag, welcher einigermaßen beschwerdefrei ist, zu genießen. Und da sind es die kleinen Dinge, welche das Leben liebenswert machen.

Meine Erfahrung:
Ich habe jetzt 3 Chemotherapie-Blöcke hinter mir. (Ab Januar 2015) Zum Schluss waren die Nebenwirkungen stärker als die Lebensqualität. Vor 3 Wochen habe ich die Chemotherapie abgebrochen, wohl in dem Wissen, dass mir jetzt nur noch 2-4 Monate bleiben. Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens, weil es eben nicht nur mich betrifft, sondern auch das Leben meiner Frau und meiner Kinder berührt. Aber sie tragen es mit und mein Algemeinzustand wird zunehmend besser. Meine Bauchschmerzen nehmen aber auch zu und erinnern mich permanent daran, dass der Tumor mich letztendlich besiegen wird. Seit 18 Monaten "lebe" ich jetzt mit dem Tumor. Also weit mehr, als ich am Anfang erwarten durfte. Ich freue mich über jeden Sonnenstrahl und möchte im April noch einmal die Tulpen in unserem Garten sprießen sehen. Die Wünsche sind kleiner geworden und zum Schluss möchte ich einfach nur schmerzfrei einschlafen.

Dir möchte ich nicht die Hoffnung nehmen, denn es gibt immer einen, der es schafft. Aber genieße jeden Tag, als wäre es der Letzte. Setz dir viele kleine Ziele und schiebe sie nicht auf. Mir hat es geholfen darüber Tagebuch zu schreiben. Es rückt die wesentlichen Dinge in den Vordergrund.

Ich wünsche dir viel Kraft und viele glückliche Momente.

Liebe Grüße

Martin
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Cerberus
Beiträge: 577
Registriert: 28. Juli 2016, 09:04

Re: Auf einmal ist Alles Anders

Beitrag von Cerberus »

Die Untersuchung beim Hausarzt mit Ultraschall ergab, Magenschleimhautentzündung. Pantoprazol hilft, in einer Woche nochmals vorsprechen.
Also der Arzt muß echt gut sein! Magenschleimhautentzündung beim Ultraschall entdeckt.....

Ich meine, wenn selbst mehrere cm große Tumore oft per Ultraschall nicht definiert werden können.

Übrigens hieß mein Karzinom ganz zu Anfang bei einer Internistin Sodbrennen (!) u. es gab auch Pantoprazol mit der Ansage, daß nun in drei Tagen alles wieder okay wäre.

:lachen:

Konnte es ja nicht, weil ein Krebstumor kein Sodbrennen ist u. demzufolge auch nicht mittels ein paar Tabletten einfach verschwindet.

:zw:
Aus einem verzagten Arsch kommt nie ein fröhlicher Furz. (Martin Luther) :mrgreen:
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