Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

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Lando
Beiträge: 9
Registriert: 7. März 2017, 15:09

Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Lando »

Hallo zusammen,

langsam bin ich am verzweifeln und danke euch im Voraus für jeden Rat/Erfahrungsbericht.

Meine Mutter (64) wurde vor zwei Wochen einer fünfstündigen, Magen-erhaltenden Whipple-OP unterzogen. Die Diagnose: Bösartiger Pankreaskopf-Karzinom ohne Metastasen-Bildung, 25 Millimeter groß.

Anschließend verbrachte sie einen Tag auf der Intensivstation und kam auf ihr normales Zimmer zurück. Die folgenden Tage zeigte sie überraschende Fortschritte: Sie konnte alles Essen, hatte unbeschwerten Stuhlgang und die Ärzte dachten, dass sie mit dieser Genesungs-Geschwindigkeit in wenigen Tagen überm Berg sei.

Dann kam jedoch der Hammer: Eine Schwester zog ihr die Drainage in Bauchnähe etwas zu der heraus und meine Mutter begann an dermaßen starken Schmerzen zu leiden, dass sie täglich über 10 (!) Ampullen Schmerzmittel und drei Oxycodon-Tabletten bekommen musste, um Luft zu kriegen. Auch hat sich viel Wasser in ihren Beinen und im Bauchbereich angesammelt; das Lasix, was sie dagegen als Infusion bekommt, hilft wenig. Es fällt ihr schwer, zu atmen (obwohl die Ärzte genug Sauerstoff im Blut messen), sie bekommt nachtsüber Sauerstoff durch einen Schlauch in die Nase, isst sehr wenig, übergibt sich viel und hat keinen Appetit. Selbst die intravenöse Nahrung verträgt sie nicht.

Nun vermutet der Oberarzt, sie könne durch den Flüssigkeitsverlust der umsorgsam gezogenen Drainage starke Entzündungen entwickelt haben, die endoskopisch behandelt werden müssten. Sind solche Komplikationen normal? Langsam denke ich, dass es sinnvoller gewesen wäre, meiner armen Mutter die letzten Tage, mit dem Tumor im Körper, in Ruhe leben zu lassen, statt sie diesen postoperativen Höllenqualen auszusetzen. Ich habe große Angst um sie. Eine weitere Operation würde sie nicht überleben.

Danke für die Aufmerksamkeit; ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen.
nick0609
Beiträge: 226
Registriert: 12. Oktober 2016, 08:56

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von nick0609 »

Wie hat sich der Tumor denn bei deiner Mutter bemerkbar gemacht und wie wurde dieser diagnostiziert?
Lando
Beiträge: 9
Registriert: 7. März 2017, 15:09

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Lando »

Sie wurde von der Hausärztin mit der Diagnose "schmerzloser Ikterus (Gelbsucht)" ins Krankenhaus überwiesen. Das Weiß ihrer Augen war stark gelb gefärbt, ebenso die Haut. Farbloser Fettstuhl und brauner Urin ließen weitere Alarmglocken klingeln.

Ihr wurde ein Stent per Endoskopie eingesetzt, um den blockierten Gallengang wieder zu öffnen. Das Gelb ging weg und die Ärzte suchten nach einer Ursache der Blockade. Nach vielen MRCPs, CTs und weiteren Endoskopien kam der Verdacht auf, dass ein Tumor den Gallengang blockieren würde. Mit dieser Diagnose ("Verdacht auf Pankreaskopf-Karzinom 18x19 Millimeter") ging es weiter ins nächste Krankenhaus (Pankreaszentrum), dort wurde sie operiert und der Verdacht hatte sich während der magenerhaltenden Whipple-OP bestätigt: Bösartiger Tumor des Pankreaskopfes.
Hansdampf
Beiträge: 25
Registriert: 18. Februar 2017, 22:52
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Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Hansdampf »

Hallo Lando, das hört sich schlimm an. Ich hatte fast die gleiche Diagnose (2 cm Karzinom am Pankreas-Kopf, keine Metastasen) und wurde November 2016 in Heidelberg bei Prof. Büchler gewhippelt. Gelbsucht hatte ich vorher auch. Derartige Komplikationen gabe es bei mir aber nicht.

Allerdings habe ich jetzt seit Anfang Februar Lebermetastasen (über Sono und CT festgestellt, Mitte Januar war noch nichts) und erhalte Chemo. Keiner weiß so genau, wie es jetzt weitergeht.

Jeder Fall scheint irgendwie anders zu verlaufen und wir sind alle auf die Ärzte angewiesen.

Alles Gute für deine Mutter und dich
Lando
Beiträge: 9
Registriert: 7. März 2017, 15:09

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Lando »

Hallo Hansdampf,

vielen Dank für deine Antwort und die lieben Worte.

Dass bei dir Lebermetastasen gefunden wurden tut mir sehr Leid. Es wäre wirklich schön, könnte nach dieser unglaublich schweren OP einfach alles gut werden. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und hoffe das Beste.

Der neuste Informationsstand bei meiner Mutter ist, dass die Ärzte per Endoskopie gezielt die (vermuteten) Entzündungen behandeln wollen. Morgen soll wieder ein CT gemacht werden; ich hoffe, dass ich danach etwas schlauer bin.
Hansdampf
Beiträge: 25
Registriert: 18. Februar 2017, 22:52
Wohnort: Löhne

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Hansdampf »

Ich drücke deiner Mutter die Daumen, Lando. Mit Flüssigkeit im Unterbauch nach Ziehen der Drainage hatte ich auch etwas Probleme. Die Narbe hat noch etwas nachgenässt. Ich habe dann so komische Beutelpflaster draufgeklebt. Nach 3-4 Tagen war es zum Glück vorbei. Bis die Flüssigkeit im Bauch weg war, hat es noch ein paar Tage länger gedauert. Das macht einen natürlich verrückt. Vielleicht hilft es dir etwas, dass solche Komplikationen fast schon normal sind. Berichte bitte, wie es so weitergeht. Btw: Ich bin 63 ...
:daumenh:
Lando
Beiträge: 9
Registriert: 7. März 2017, 15:09

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Lando »

Nochmals vielen lieben Dank, Hansdampf.

Meine Mutter und ich haben uns tatsächlich verrückt gemacht, als es kurz nach dieser komplizierten OP plötzlich mit Negativsymptomen bergab ging. Wir dachten uns vorher: Die Operation durchhalten und danach keine Sorgen mehr haben. Das ist jedoch bei der Diagnose Krebs scheinbar nicht so leicht. Auch die Ärzte des Krankenhauses meinen regelmäßig, es gäbe selten Patienten, die nach diesem Whipple-Hammer völlig schmerz- und nebenwirkungsfrei wären.

Die Wasseransammlungen im Bauch und in den Füßen haben uns zusätzlich beunruhigt. Obwohl die Pfleger regelmäßige Kontrollen durchführen und der Sauerstoffanteil im Blut nie unter die 90% sinkt, hat meine Mutter deutliche Probleme mit der Atmung. Dank äußerer Sauerstoffzufuhr (ich kenne leider die Bezeichnung nicht; sie hat so einen dünnen Schlauch angelegt bekommen, der durch die Nasenlöcher geht) kann sie wenigstens in der Nacht ein wenig schlafen.

Gerne schreibe ich wieder, sobald es Neuigkeiten gibt.
Tascheltusch1234
Beiträge: 7
Registriert: 11. Februar 2017, 07:18

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Tascheltusch1234 »

Liebe Lando,

Meine Mutti hatte nach ihrer OP an der Bauchspeicheldrüse auch Atemprobleme.
Bei ihr war aber auch die Sauerstoffsâttigung im Blut nicht okay und war mehrmals unter 80%.
Die Lippen waren blau und jede kleinste Anstrengung bereitete Luftnot.Sie bekam viel Physiotherapie und Atemtraining.
Die Ärzte sagten,dass gerade das abhusten und Bewegung sehr wichtig ist.Was natürlich nach der großen OP nicht so einfach ist.Sie wollte am liebsten nur liegen und sich nicht bewegen.
Es wird mit der Zeit besser.Die Schmerzen wurden über einen Schmerzkatheter behandelt.
Das Ziehen der Drainage war laut Aussage meiner Mutti mit das schlimmste.
Sie hat danach noch mehr Schmerzmittel benötigt.
Ich wünsche dir viel Kraft und für deine Mutti alles Gute.
Es wird besser,aber es dauert seine Zeit. ;)
Lando
Beiträge: 9
Registriert: 7. März 2017, 15:09

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Lando »

Hallo Tascheltusch1234,

auch dir vielen Dank für die Worte.

Das Gleiche trifft ebenso auf meine Mutter zu: Die kleinste Bewegung lässt sie schwer atmen - selbst der Fünf-Schritte-Gang zwischen Patientenbett und Toilette fühlt sich für sie an, wie ein Marathonlauf. Die Ärzte sagen ihr auch, sie solle die Zähne zusammenbeißen und fleißig weiterüben, bloß nicht den ganzen Tag liegen bleiben und aufgeben. Auch, wenn es schwer fällt. Ebenso war für meine Mutter das Ziehen der Drainage ihrer rechten Bauchseite der Beginn dieser höllischen Schmerzen.

Ich hätte nicht gedacht, dass diese OP sogar die Ausdauer eines Menschen beeinflusst. Es ist jedoch erfreulich, zu lesen, dass dieser Schwächezustand nicht dauerhaft ist und gebessert werden kann. Das werde ich nachher, beim Krankenhausbesuch, gerne an meine besorgte Mutter weitertragen.
Martinium
Beiträge: 26
Registriert: 8. November 2016, 16:57
Wohnort: 59348 Lüdinghausen

Re: Erhebliche Nebenwirkungen der Whipple-OP

Beitrag von Martinium »

Hallo alle Miteinander,

Ich bin 55 Jahre alt und hatte die gleiche Operation im Dezember 2015. Leider ist es so, dass wir das schwerste Krebsleiden haben, welches jemand bekommen kann. Natürlich gibt es immer jemanden der es schafft, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber realistisch gesehen verlängern wir mit den Chemotherapien lediglich unser Leben. Wenn das mit Lebensqualität einhergeht, ist es auch gut und richtig. Bei mir war zum Schluss die Lebensqualität nicht mehr gegeben, die Nebenwirkungen waren einfach zu heftig. Ich habe daher die Chemotherapie abgebrochen und versuche noch ein paar Monate bewusst zu leben. Eineinhalb Jahre mit Chemotherapie zu überleben ist schon eine gute Leistung.

Ich wünsche euch bei all den Nebenwirkungen viele bewusste Momente, welche das Leben lebenswert machen.

Liebe Grüße

Martin
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