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Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 7. Oktober 2009, 22:00
von Corinna B.
Aber wie kommt es zu den chronischen Schmerzen? Das Gehirn merkt sich Schmerzen, das ist mir klar. Aber was ich immer noch nicht verstehe ist. Bei meiner Operation (Linksresektion) sind Schmerzmittel auf meinen Wunsch hin sehr sehr vorsichtig eingesetzt worden. Ich hatte Schmerzen, fand sie aber erträglich.( Und ich hatte eine erhebliche Angst Chronischer Schmerzpatient zu werden)
Ich kenne Jemanden bei dem die gleiche Operation durchgeführt worden ist und der ist meiner Ansicht nach von den Schmerzmitteln abhängig. Er versucht ja garnicht von dem Zeug runter zu kommen - weil er den Schmerz erwartet. Aber warum hat er den chronischen Schmerz und ich - Gott sei Dank- nicht?? Liegt das an der Operationstechnik, sind diese Menschen empfindsamer oder haben sie ein generell anderes Suchtpotential las ich??
@Yasmin. Gelegenheitsraucher sind meiner Erfahrung nach schnell vom Stoff Nikotin runter, weil sie ihn nicht brauchen. Das ist nicht wie bei Pegeltrinker die ein gewisses Quantum Alkohol im Blut haben müssen ( was im übrigen auch mit der Zeit steigt).
Was anderes sind die Suchtraucher, zu denen ich gehöre. Ich weiß aus schmerzvoller Erfahrung das eine Zigarette ausreicht um wieder drauf zu sein. Das Perverse ist - die schmeckt noch nicht mal!. Ich bin seit meiner Op clean, weil ich das so wollte - und anders nicht geschafft hätte.
Der Mann von Albatros war ja auch relativ schnell runter von den Medikamenten, während Martin und Lutz sie schon seit Jahren brauchen.
Gibt es auch andere erfolgreiche Methoden der Schmerztherapien, als die der Abhängigkeit?
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 02:06
von Martin R.
Hallo Corinna,
ganz so einfach ist das Ganze wohl nicht abzuhandeln. Eine schlimme Pankreatitis mit nachfolgender OP, auch bei einem Karzinom, hat andere Gesichtspunkte bezüglich des Schmerzes, als eine 30 Jahre dauernde Pankratitis.
Außerdem ist das Beschwerdebild auch nicht einfach zu vergleichen. Das Thema Schmerzgedächtnis spielt natürlich auch eine große Rolle.
Aber darüber könnte man ja Romane schreiben.
Ich zumindest wäre sehr froh und glücklich, wenn ich meine Medis reduzieren könnte und habe auch schon alles versucht inkl. aller Behandlungsmöglichkeiten außerhalb der reinen Schulmedizin.
Scheinbar bin ich aber schon so "verseucht" nach 30 Jahren, dass diese Versuche bisher leider noch nichts gebracht haben.
Kann aber nur jedem raten, Schmerzmittel nur bei wirklichem Bedarf und dann sehr sparsam einzusetzen, das Suchtpotential ist einfach zu groß.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 07:46
von tula
Hallo Martin,
für mich hast Du es auf den Punkt gebracht.
Viele Schmerzpatienten haben keine große Wahl und müssen die Medis nehmen, die passen. Wie gerne würde mein Mann Paracetamol einnehmen und das geht mit Sicherheit vielen Anderen auch so.
In dieser Zeit, wo viele Patienten kritisch mit Medikamenten und auch mit ihren Ärzten umgehen, wird mit Sicherheit nicht alles so 'geschluckt' wie verordnet. Das sieht man auch an vielen Einträgen hier im Forum. Ich glaube Dir gerne, dass Du vieles versucht hast, um von den harten Schmerzmitteln weg zu kommen. Wünsche Dir, dass Du da einen guten Weg findest.
LG
Ulla
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 07:56
von yasmin75
Gerade nach der Op ist es das A und O,dem Patienten vollkommen schmerzfrei zu halten um eben dieser Chronik vorzubeugen,das das Gehirn sich das nicht in seine Rinde eingräbt.
Vielmehr ist die Gefahr grösser,das es chronisch wird wenn der Patient nach der OP ständig Schmerzen erleidet.
Auf kann eine gezielte Schmerztherapie auch nach Jahren OP gegeben sein,nur als Beispiel:
Wenn sich die Darmschlingen verformen oder sich einzelne Organe verlagern,manchmal ist chirurgisch etwas zu machen und mal nicht und glaub mir manch Schmerz der ist so groß und so intensiv,das man sogar dadurch in Ohnmacht fällt und da nimmt Mensch gerne Schmerzmittel
und den Schmerz sowie Tumorschmerzen möchte ich als Frau mit Geburtsschmerzen gar nicht erst vergleichen(ein Himmel weiter Unterschied!!!).
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 09:01
von Karl-Josef
Hallo zusammen,
wenn ich das alles so lese mit den Schmerzen, da bin ich richtig glücklich, dass ich "so gut weggekommen" bin. Bei mir hat bisher wirklich die Paracetamol oder bei Krämpfen das Buscopan Zäpfchen ausgereicht.
Ich habe aber auch keine Schmerzen an der BSD, sondern nur die durch die OP hervor gerufenen Schmerzen, also hauptsächlich im Gedärms und an der Bauchnaht. Dies läßt sich alles einigermaßen ertragen oder eben mit weniger "scharfen Geschützen" beseitigen.
Wünsche allen einen möglichst schmerzfreien Tag.
Liebe Grüße
Karl-Josef
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 11:20
von Lutz Otto
Corinna B. hat geschrieben: Ich hatte Schmerzen, fand sie aber erträglich.( Und ich hatte eine erhebliche Angst Chronischer Schmerzpatient zu werden)
Schön das der Schmerz bei dir erträglich war/ist.
Jedoch sollte uns allen bewusst sein, das jeder Patient, ein eigenes Schmerzempfinden hat.
Ein Professor sagte meiner Familie nach der ersten OP, das es durch diese Pankreas- OP keine Garantie für ewige Schmerzfreiheit gibt. Auch bei Seminaren in der Uni-Magdeburg, wurde schon oft durch diverse Ärzte/Professoren bestätigt, das solche chron. Schmerzpatienten nach Pankreas-OP keine " Exoten " mehr sind. Die Angst vor den starken Medikamenten und dann ein eventuelles Suchtverhalten zu entwickeln, hat garantiert jeder potentielle chron. Schmerzpatient. Bei mir wurde vor Verordnung der Morphine durch mehrere Ärzte genau geprüft, ob eine Verordnung dieser tatsächlich nötig ist. Ich bin der Meinung ein Schmerztherapeut verordnet diese Medikamente nicht willkürlich und ohne vorheriger Prüfung der Notwendigkeit. Ich selbst versuche regelmäßig meine Dosis reduzieren zu lassen mal mit Erfolg, mal mit weniger Erfolg. Könnte ich es mir aussuchen, würde ich liebend gern auf diese Art von Schmerzmitteln verzichten. Ich nehme sie nicht, um mich aus dem " Rennen zu schießen " sondern um etwas an Lebensqualität zurück zu gewinnen und somit " scmerzfrei" zu sein.
LG Lutz
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 11:48
von Corinna B.
Natürlich hat jeder Mensch sein eigenes sensibles Schmerzempfinden. Und ich glaube auch nicht das sich jemand bewußt medikamentenabhängig macht um sich aus dem Rennen zu schießen. Aber die Folgen einer Sucht sind die Gleichen, ob man sich das nun schön redet oder nicht.
Was nicht heißt das ich den Menschen die Schmerzen absprechen will, wenn ich auch nicht daran glaube das sie sich ins Gehirn fressen, sondern es leben auch eine Menge Schmerztherapeuten ganz gut von diesen Kranken.
Es ist aber interessant das die Menschen früherer Generationen mit Schmerzen anders umgegangen sind. Bei meinen Op`s als Kind und Jugendliche gabe es zB. keine Schmerzmittel hinterher -da hat sich trotz großer Schmerzen auch nichts in meine Gehirnrinde eingefressen.
Was ganz anderes sind die Schmerzen bei Tumoren oder bestimmten anderen schmerzhaften Erkrankungen, die ursächlich nachgewiesen werden können.
Es gibt ja auch einen "Schmerzvergißmechanismus" eindeutig bei Frauen nach der Geburt. In der Regel ist der Schmerz vergessen, wenn das Kind geboren ist. War bei mir leider nicht so, da ich zwei komplizierte Geburten - ohne Schmerzmittel oder Kaiserschnitt- hatte und ich kann für mich schon sagen" der Schmerz war für mich so schlimm wie beim Kinderbekommen", einschließlich der Ohnmachten. Aber der Schmerz war eine Erinnerung die eine Erinnerung zu einem alten Schmerz herstellte. Aber den habe ich eben nicht ständig - Gott sei Dank.
Ich will auch niemanden überreden seine Mittel abzusetzten, sondern eher ähnlich wie Herbie darauf hinweisen, das man einfach achtsam mit sich umgehen muss. Und nicht sagen : das ist so! das muss man nehmen! Die Sucht, welche auch immer, ist ein wirtschaftlicher Faktor von dem eine ganze Menge Leute leben.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 13:43
von Martin R.
Na ja, das mag ja ein ganz interessanter Ansatz sein, mit der Schmerzbehandlung in der Vergangenheit. Nur ist man damals auch wesentlich schneller verstorben, besonders bei einem BSD-Tumor.
Wirklich beurteilen kann das nur der Betroffene für sich selbst. Wenn man aber über Jahrzehnte dauerhaft Schmerzen hat, ist eine Verbesserung der Lebensqualität durch Medikamente durchaus zu akzeptieren.
Die Nachteile/Nebenwirkungen/Suchtgefahr ist wohl jedem bewußt, der sich damit näher befasst hat.
Ich freue mich für jeden BSD-Kranken, der ohne starke Schmerzmittel durchkommt. Genauso habe ich aber auch Verständnis für die Patienten, die ohne starke Schmerzmittel das Leben kaum mehr ertragen.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 14:21
von yasmin75
Genau so wollte ich das auch sagen.
Im Gegensatz zu früher und heute ist der Vergleich nichts sagend.Ich denke mal worüber wir hier reden ist ja mal ganz klar.Chronische Pank.,Tumor/Carzinom leiden.
Da kann man nun wirklich keinem vorwerfen das hinter unserem Rücken versucht wird Geld zu verdienen,es geht dadrum das Leben noch lebenswert zu machen.
Bei allen anderen Schmerzen die nichts mit Krebs und Tumor zu tuhen haben werden auch alternative Methoden sicherlich angewandt,als da wären,Yoga,Autogenes Training,Hypnose usw.
LG
Yasemin
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 14:50
von Martin R.
Es gibt bestimmt überall "schwarze Schafe" auch unter den Ärzten. Aber ein mündiger Patient, der sich dementsprechend informiert hat, wird dies sicherlich merken.
Der andere Ansatzpunkt wäre natürlich das Sponsoring der Pharmaindustrie, aber das ist bei allen Medikamentenbehandlungen so.
Im speziellen Schmerzbehandlungsbereich habe ich, zumindest bei den sog. Spezialisten,
keine unnötige "Geschäftemacherei" erlebt.
Wie im Rest des Lebens heißt es auch hier "Wissen ist Macht" und durch die heutigen Medien kann man sich ja sehr gut vorab informieren.
Wünsche allen viel Erfolg bei den Versuchen die Schmerzen in den Griff zu bekommen.
Man sollte auch versuchen mal alternative Behandlungen mit einzubeziehen. Den auch ein verbesserter Allgemeinzustand beinflußt das Schmerzempfinden positiv.
Bei manchen hilf Akkupunktur recht gut, oder auch mal ein gezielter Aufbau des gesamten
Körpers und auch der Seele.