Schmerztherapie allgemein!

(Krebs, Entzündung, Operation, Nachsorge, Verdauung, Ernährung, Diabetes, Reha, Recht ...)

Hier haben Sie als Betroffene(r) und/oder ratsuchende(r) Besucher(in) dieser Plattform die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen oder Hilfestellung zu geben.
Benutzeravatar
yasmin75
Beiträge: 1020
Registriert: 23. April 2008, 03:36
Wohnort: Heidelberg-Mannheim
Kontaktdaten:

Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von yasmin75 »

Hallo an alle,


was ich gerne mal von euch erfahren würde ist,wie lief oder läuft eure Schmerztherapie?
Es gibt ja diese sogenannten 3 Stufen

leichte bis mittlere Schmerzen,nicht Opiate:
Ibuprofen.....

starke bis sehr starke Schmerzen,leichte Opiate:
Tilidin.....

und da wäre die Stufe wo die Schmerzen so heftigt sind das nur Opiate in Frage kommen.
Morphium.......



Angenommen jemand nimmt bedarfshalber/täglich Tilidin ein.Nimmt er zusätzlich noch eine normale Schmerztabl. mit ein oder nur Tilidin?




LG
Yasemin
Corinna B.
Beiträge: 732
Registriert: 18. August 2008, 18:13
Wohnort: 25704 Meldorf

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Corinna B. »

Und mich würde einmal interessieren ob bei einem Schmerztherapeuten die Medikamentation im Vordergrund steht oder eine Psychologische Hilfe um mit den Schmerzen umgehen zu können. Denn es scheint ja so zu sein das Menschen mit gleicher Krankheitsvorraussetzung und Operation mit unterschiedlichem Schmerzempfinden reagieren. Und eigentlich müsste ja das Ziel sein die Schmerzen - wenn denn psychologisch bedingt- Medikamentenfrei unter Kontrolle zu bekommen und nicht den Patienten in eine Schmerzmittelabhängigkeit zu bringen.
Mit lieben Gruß
Corinna B.

Wenn dies unser letzter Tag auf Erden wäre, würden wir ihn dann nicht lieber mit Liebe statt mit Verurteilungen verbringen?
Benutzeravatar
Lutz Otto
Beiträge: 659
Registriert: 8. März 2008, 14:27
Wohnort: Magdeburg
Kontaktdaten:

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Lutz Otto »

yasmin75 hat geschrieben:Hallo an alle,


was ich gerne mal von euch erfahren würde ist,wie lief oder läuft eure Schmerztherapie?
Es gibt ja diese sogenannten 3 Stufen

leichte bis mittlere Schmerzen,nicht Opiate:
Ibuprofen.....

starke bis sehr starke Schmerzen,leichte Opiate:
Tilidin.....

und da wäre die Stufe wo die Schmerzen so heftigt sind das nur Opiate in Frage kommen.
Morphium.....



LG
Yasemin

Hallo Yasemin,

bis es bei mir richtig eingestellt war, absolvierte ich die von dir o.g. Stufen.
Erst nach Jahren, war ich intensiv und gezielt eingestellt gewesen.
Bevor diese gezielte Therapie angewendet wurde, hatte ich viele, lange Gespräche mit Neurologen und Schmerztherapeuten. Desweitern wurden über einen sehr langen Zeitraum, so genannte Schmerzprotokolle bzw. Profile erstellt. Erst danach konnte sich der Arzt einen umfassendes Bild über Häufigkeit und Umfang der Schmerzen machen.
Die Therapie erfolgt nicht allein mit Morhpin etc. sondern es kommen andere Präparate hinzu. So z.B. Novalgin, Buscopan, Kombipräparate: (Schmerzen - Psyche), Magenschutz/ Säureblocker......die Palette ist lang.
Jetzt stellt sich bei einigen die Frage: soll das gut sein ?
Auf jeden Fall kann ich von mir sagen, durch die Einnahme von diesen Medikamenten, habe ich etwas an Lebensqualität zurück gewonnen. Durch frühere fast tägliche Schmerzen, habe ich lange Zeit nicht mehr daran geglaubt.
Wie man hier im Forum nachverfolgen kann, ist es eher die Ausnahme, das Patienten nach Pankreas - OP, später chron. Schmerzpatienten werden. Vielleicht meldet sich dazu noch Martin R., bei ihm ist es ähnlich und er hat schon oft zu diesem Thema hier im Forum geschrieben.

@Corinna: Parallel bin ich bei einer Neurologin in Behandlung, somit steht bei meiner Schmerztherapie nicht nur eine einseitige Medikation im Vordergrund.

LG Lutz
Corinna B.
Beiträge: 732
Registriert: 18. August 2008, 18:13
Wohnort: 25704 Meldorf

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Corinna B. »

@ Lutz.Ich habe früher in Berlin bei einem Arzt gearbeitet, der sich auf Suchtkrankheiten und Entzug spezialisiert hatte. Als problematisch empfand - und empfinde ich immer noch, das das z.B. Heroin durch ein Medikament (Methadon) ersetzt wurde , das im Endeffekt aber auch abhängig machte. Das war so wie den Teufel mit dem Belzebub austreiben.
Ich weiß von einigen Schmerztherapeuten die nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten. Ich glaube es ist immer eine Gradwanderung bei Schmerzen die ohne Zweifel vorhanden sind, diese auch adäquat zu behandeln und dem Menschen Lebensqualität zu schenken.
Umso wichtiger finde ich es, wenn wie bei Dir, Neurologe und Schmerztherapeuth Hand in Hand arbeiten.
Mit lieben Gruß
Corinna B.

Wenn dies unser letzter Tag auf Erden wäre, würden wir ihn dann nicht lieber mit Liebe statt mit Verurteilungen verbringen?
Herbie
Beiträge: 50
Registriert: 28. Juli 2009, 12:18
Wohnort: BRD

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Herbie »

Hallo Ihr

„Schmerzmittel“ auf der einen Seite ein Segen, auf der Anderen ein Problem.

Ihr sprecht Heroin -> Metadon an, ist es mit Schmerzmitteln nicht ebenso?
Ist das Abhängigkeitspotential der Tilidine und Morphine nicht mit dem der Rauschgifte gleich zu setzen?
Verändert sich durch die „Schmerzmittelabhängigkeit“ nicht auch die Psyche?

Das sind einige Fragen, die sich beim Lesen hier auftun, denn bei mir reichen 30 Tropfen Novamin
und wenn es ganz schlimm kommt 20 Tr. Tramadol doch somit erschöpft sich mein Wissen.
LG HerBie
TomRZ
Beiträge: 17
Registriert: 30. September 2009, 00:41
Wohnort: Mölln

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von TomRZ »

Hallo allerseits,

ich wurde im Januar operiert (pyloruserhaltende Whipple-OP) und bin zum Glück mittlerweile weitgehend schmerzfrei.

Bei der OP bekam ich eine Schmerzmittelpumpe über Katheter im Rückenmark. Bei Schmerzen sollte ich mir per Knopfdruck selbst eine Dosis verpassen, zusätzlich zur kontinuierlichen Novamininfusion. Das war der totale Flop, die Nadel lag zu hoch. Nach eifrigem Knopfdrücken waren der Oberkörper/ Schulterbereich taub, der Bauchbereich jedoch nicht. Es dauerte eine Weile, bis mir das klar wurde und ich auch das Krankenhauspersonal davon überzeugen konnte. Die gingen davon aus, dass ich durch die Pumpe schmerzfrei sein müsse. Nach zwei Tagen wurde die Nadel gezogen und ich bekam Fentanyl-Pflaster (50 Mikrogramm) + Tabletten. Die konnte ich nicht richtig schlucken, da ich eine Magensonde hatte und in der ersten Woche nach der OP nur per Infusion ernährt wurde (intravenös, nicht durch die Sonde). Ich weiß nicht, ob die gewirkt haben, ich hatte jedenfalls ziemliche Schmerzen und fand die Schmerzbehandlung im Krankenhaus insgesamt nicht so gut.

Seit der Entlassung klebe ich noch Fentanyl-Pflaster, inzwischen geringer dosiert (25 Mikrogramm). Novamintropfen habe ich auch bekommen, die vertrage ich aber nicht so gut. Ich weiß nicht, ob ich die Fentanylpflaster wirklich noch brauche. Wenn ich den Wechsel länger als drei Tage hinauszögere, habe ich mehr Schmerzen im Verdauungstrakt und fühle mich insgesamt unwohl. Werde demnächst mal probeweise die Dosis verringern (Pflaster durchschneiden).

Schmerzen treten eigentlich nur im Zusammenhang mit Verdauungsproblemen auf (Durchfall, Blähungen). Gegen den Durchfall habe ich Loperamid bekommen. Die nimmt man nach Bedarf, dadurch ergab sich ein Auf und Ab. Durchfall -> Loperamid -> weniger Durchfall, dafür mehr Blähungen und mehr Schmerzen -> kein Loperamid, mehr Durchfall usw.

Kürzlich hat mir ein Internist, bei dem ich zur Darmspiegelung war, gegen den Durchfall Opiumtinktur verschrieben. Das wirkt sehr gut, ich habe wesentlich weniger Verdauungsprobleme und weniger Schmerzen. Der Internist hat auch noch ein paar Ideen, was man evtl. untersuchen und behandeln könnte, um die Verdauungsproblematik besser in den Griff zu kriegen. Vielleicht kommt ja was dabei raus.

Von einer systematischen Schmerztherapie kann man bei mir also nicht sprechen. Für mich hängt alles zusammen, die Verdauung, die Schmerzen, das Untergewicht. Leider habe ich noch nicht den Arzt gefunden, der das alles im Zusammenhang sieht und behandelt. Bin jetzt bei drei Ärzten in Behandlung (Hausarzt, Onkologe, Internist). Ich hoffe in der Reha, die bewilligt ist, aber leider erst in zwei Monaten beginnt, wird das mal umfassend betrachtet.

Viele Grüße,
Tom
Corinna B.
Beiträge: 732
Registriert: 18. August 2008, 18:13
Wohnort: 25704 Meldorf

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Corinna B. »

Hallo Tom, hast Du schon mal Kontakt zu Prof. Klapdor, HH Rotherbaumchaussee 5 aufgenommen? Eigentlich der Internist für Bauchspeicheldrüse bei uns hier oben.
Allerdings wenn ich ihn richtig verstanden habe steht er Schmerzmittelverabreichung genauso skeptisch gegenüber wie ich.Nicht das ich Schmerzen runterspielen will, aber ich habe bei meinen eigenen Operationen sehr bewußt auf die Verabreichung geachtet. Klar habe ich manchmal Schmerzen, aber ich habe auch meine Kinder auf natürliche Weise bekommmen..... und lebe noch.
Mit lieben Gruß
Corinna B.

Wenn dies unser letzter Tag auf Erden wäre, würden wir ihn dann nicht lieber mit Liebe statt mit Verurteilungen verbringen?
Benutzeravatar
yasmin75
Beiträge: 1020
Registriert: 23. April 2008, 03:36
Wohnort: Heidelberg-Mannheim
Kontaktdaten:

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von yasmin75 »

Hallo an alle,


mir ging es darum ob und wie einzelne von uns optimal auf die Schmerztherapie eingestellt sind.
Bei mir wurde auch lange vor der OP,alles mögliche gemessen und berücksichtigt auch kahmen bei mir Medikamente bei, die mir ein Neurologe mit verschrieben hatte.
Ich nahm auch zu den leicht Opiaten meine normale Schmerzmittel zusätzlich mit ein,wodurch
ich dann das härtere Mittel nicht sehr hoch dosieren musste.


Ob Opiate zwingend erforderlich oder nicht ist immer von Mensch zu Mensch verschieden und ein guter Arzt(Onkologe)kann schon abschätzen ob solche hammer Mittel sein müssen oder nicht.Wenn aber der Schmerz so heftig ist das man sogar von diesen in Ohnmacht fällt und man nicht mehr am Alltag richtig teilnehmen kann und man dadurch auch erheblich an Lebensqualität verliert.Darüber könnte man hier ellen lange Diskussionen machen.
Wie gesagt ich interessiere mich ob einzelne von uns optimal eingestellt sind.
Was ich so gesehen und gehört habe sind es viele nicht.



LG
Yasemin
Benutzeravatar
Nabuko
Beiträge: 26
Registriert: 28. Mai 2009, 15:45
Wohnort: Dortmund

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von Nabuko »

Oh fein, das Thema Schmerzmittel! Damit beschäftige ich mich grade intensiv.

Ich darf nämlich seid ca. 10 Tagen Schmerzmittel nehmen! Jubel, Trubel! Und zwar solche, die helfen. Denn Paracetamol, usw. zeigt keine Wirkung.

Habe grad arge Probleme (d.h. Schmerzen) von der chronischen Pankreatitis. Normalerweise dauerten die Schmerzschübe nur 1-2 Tage. Jetzt bin ich grad im 13. Tag.. Ätzend!

Ich nehmen Novalgin 1000 mg oder das Opioid Tramadol retard 50 mg. Bei beiden Dosierungen sind die Schmerzen nicht weg, aber besser. Das reicht mir. Novalgin macht wach (wichtig für die Arbeit). Wirkt aber nur ca. 3 Stunden (die einzelnen Attacken während der Schmerztage dauern aber mindestens 6 Stunden). Tramadol deckt die ganze Attacke ab, macht aber auf Dauer süchtig. Wirkt aber auch etwas auf die Psyche, d.h. hat eine milde Angstreduzierend und antidepressive Wirkung. Was ich sehr nützlich finde, denn die Pankreas-Schmerzen machen mir Angst. Mehr als andere Schmerzen.

Ich nehme die Schmerzmittel nur, wenn ich es nicht mehr aushalte. D.h. entweder diese argen Atemprobleme kriege (hab ich bei den Pankreas-Schmerzen fast immer) oder innerlich anfange zu heulen, weil ichs nicht mehr aushalte, keine Kraft mehr dazu habe und nicht mehr will (und natürlich nix anderes mehr nützt). Meistens ist das auf der Arbeit so. Wenn ich frei habe, hilft natürlich auch manchmal: Wärmflasche und stundenlang rum liegen. Aber manchmal ist es so schlimm, dass auch "ausruhen" nix hilft. Dann nehme ich sie auch zuhause.
Ich dosiere auch extra so, dass ich die Schmerzen noch spüre, denn wenn ich sie ganz weg mache, vergessen ich sofort (!) was ich hab und überfordere meinen Körper und sitze zu lange oder laufe zu viel rum.

Im Grunde bräuchte ich auch noch ein Schlafmittel, denn wenn ich Schmerzen hab, kann ich kaum schlafen. Aber da muß mein Körper durch, ich nehme nicht noch mehr Tabletten.

Ne wirkliche Schmerztherapie mache ich nicht. Da komme ich auch nicht rein. Denn in dem Entlassungsbericht steht nur alles zur Gallen-OP, all die Infos zum Pankreas und Magen waren alle von verschiedenen Ärtzen mündlich. Meine Hausärztin glaubt Gott sei Dank meiner mündlichen Berichterstattung und hat mir die Tramadol aufgeschrieben. Aber für nen Schmerztherapeuten bräuchte ich bestimmt nen schriftlichen Fachbericht.

Soviel fällt mir gerade dazu ein..

Liebe Grüße

Nabuko
Mut bedeutet, Ungewissheit anzunehmen
tula
Beiträge: 426
Registriert: 8. März 2008, 14:53
Wohnort: Neuwied

Re: Schmerztherapie allgemein!

Beitrag von tula »

Hallo Yasemin,
Nico hat, wie von Dir beschrieben, die ersten beiden Stufen hinter sich. Es wurde nicht allzu viel ausprobiert. Es kam raus, dass er von Novalgin schlimmste, Kolik ähnliche, Schmerzen bekam.

Mit seinem Schmerztherapeuten und dem Onkologen, beide arbeiten Hand in Hand, ist Nico gut eingestellt und das Wort Schmerzen ist gottlob ein Fremdwort.

Nico klebt ein Morphinpflaster, das alle drei Tage erneuert wird. Er begann mit der Stärke 37 und konnte es auf 12! reduzieren. Das haben ihm die Ärzte so angeraten, zu probieren, wie es für ihn passt. Zu diesem Pflaster nimmt Nico noch das Schmerzmittel Arcoxia 90.

Es hat sich nie die Frage gestellt, ob Morphine sein müssen. Es war nur wichtig, dass ihm die Schmerzen genommen werden und dadurch Lebensqualität erhalten bleibt.

LG
Ulla

NS Werde mich jetzt mal durch die Foren lesen. War seit dem 23. Sept., wegen Umzug, vom Net getrennt.
Sei wer Du bist und sag, was Du fühlst. Denn die, die das stört zählen nicht und die, die zählen stört es nicht. (T. Seuss Geisel)
Antworten