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Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 18:25
von Corinna B.
Schmerztherapie
Viele Patienten, die an einem Pankreaskarzinom erkrankt sind, leiden unter erheblichen abdominellen Schmerzen. Für die Stufentherapie nach dem Schema der WHO gilt grundsätzlich das im Abschnitt über die Schmerzen bei chronischer Pankreatitis Aufgeführte. Zunächst sollte mit peripher wirksamen Analgetika (Parazetamol, ASS, Metamizol), dann in einer Kombination mit zunächst schwachen (Tramadol), später stark wirksamen Opiatanalogen (Tabelle 6) behandelt werden. Sowohl die Einzelsubstanzen als auch die Kombinationen sollten nicht bei Bedarf sondern in festen Intervallen über den Tag verteilt eingenommen werden. Die Gefahr der Gewöhnung oder Schmerzmittelabhängigkeit muß bei der sehr limitierten Prognose der Erkrankung völlig ignoriert werden, und die Schmerzfreiheit des Patienten ist eines der wichtigsten Therapieziele.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 19:09
von yasmin75
Was ja,wie selbst hier gepostet bei Pankreaskarzinom völlig richtig ist.Da geht es nicht dadrum
das der patient süchtig wird,es geht nur einzig und allein dadrum das er keine Schmerzen erleiden soll und daher die Aussage
Die Gefahr der Gewöhnung oder Schmerzmittelabhängigkeit muß bei der sehr limitierten Prognose der Erkrankung völlig ignoriert werden, und die Schmerzfreiheit des Patienten ist eines der wichtigsten Therapieziele. vollkommen richtig.Mit der limitierten Prognose sind die Heilungschancen gemeint und die sind ja bei Pankreaskarzinom leider nicht sehr hoch.

Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 19:21
von Lutz Otto
AUSZUG ARZNEIDIALOG 02/08
Im Rahmen der heute durchgeführten
oralen Schmerztherapie wird
durch die minimierte Anflutgeschwindigkeit
eine Euphorie und
damit eine psychischen Abhängigkeit
vermieden. Zudem verhindert
auch die Einnahme nach einem
strikten Zeitschema – neben dem
Wiederauftreten von Schmerzen –
die Ausbildung einer psychischen
Abhängigkeit.
Bei zu niedriger Dosierung und zu
langen Dosisintervallen kann es aber
zu einem Verhalten kommen, das
der psychischen Abhängigkeit ähnlich
ist. Diese so genannte Pseudoabhängigkeit
ist jedoch iatrogen
bedingt (2). Die gefürchtete Abhängigkeit
ist also kein Grund, leidenden
PatientInnen eine adäquate
Schmerztherapie vorzuenthalten.
LG Lutz
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 19:25
von Corinna B.
mit der limitierten Prognose ist die in der Regel kurze Lebenszeit gemeint, die ohne Heilung.
Aber interessant finde ich für chronische Schmerzpatienten - die ohne Pankreaskrebs folgende Studie.
Informationsdienst Wissenschaft
Den Schmerz verlernen:
Das Gehirn verarbeitet eine Vorstellung und nicht die Realität
Dipl. Biol. Barbara Ritzert, Pressearbeit
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Bei Patienten mit chronischen Schmerzen ist die Repräsentation des betroffenen Körperteils in der Großhirnrinde verändert. Das zeigen Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Professor Herta Flor von der Universität Heidelberg. Auf dem Forum der europäischen Neurowissenschaften berichtet die Neuropsychologin, dass solche Veränderungen mit Trainingsmethoden der Verhaltenstherapie rückgängig gemacht werden können.
Chronischer Schmerz ist das Resultat verhängnisvoller Lernprozesse des Nervensystems, bei denen biologische, psychische und soziale Faktoren beteiligt sind. Die Lernprozesse verändern die schmerzverarbeitenden Teile des Nervensystems, die "Schmerzmatrix" auf allen Ebenen - im Rückenmark sowie in verschiedenen Bereichen des Gehirns bis hin zur Großhirnrinde. Dadurch werden Signale aus dem Körper auf allen diesen Ebenen bei Menschen mit chronischen Schmerzen anders verarbeitet als bei Gesunden. .............
.........Wenn die Patientinnen - auch unter Einbeziehung des Partners - systematisch lernen, ihre mit dem Schmerz verknüpften Verhaltensweisen zu ändern, kann dies die Chronifizierung der Schmerzen positiv beeinflussen. Wie Flor berichtet, reduzieren sich bei Patientinnen, die sich dieser operanten Verhaltenstherapie unterzogen, Schmerzintensität und Beeinträchtigung.
Und auch bei diesen Patientinnen zeigt sich, dass Verfahren, die am Verhalten und der Psyche ansetzen, im Gehirn nicht weniger wirksam sind als pharmakologischen Strategien: Wie Flor berichtet, verkleinern sich bei diesen Patientinnen die zuvor vergrößerten Repräsentationen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns..
Das ist vielleicht für zukünftige chronische Schmerzpatienten ein Hoffnungsschimmer.Auch in unserem Bereich!
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 8. Oktober 2009, 19:52
von Corinna B.
@ Lutz. Um das nochmal klar zu machen, ich akzeptiere chronischkranke Schmerzpatienten und denke das man da nach so vielen Jahren auch nichts ändern kann oder sollte.
Da wir aber ein Forum für Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sind, sollten wir potentielle Anwärter für eine Operation oder chronische Pankreatitis auch auf die Möglichkeiten und Erfahrungen mit Schmerztherapien hinweisen. Wie der Thread beweist ist das sehr unterschiedlich. Beeindruckend finde ich das der Mann von Albatros wieder schmerzfrei als Eisengießer arbeitet. Vielleicht habt ihr den Beitrag übersehen.
Und das habe ich noch gefunden.
Opiode können verschiedene dauerhafte Nebenwirkungen auslösen. So führen sie beispielsweise immer zu Verstopfung. (Von Reinhard bereits angesprochen)
Außerdem können sie bei langer Anwendung körperlich - nicht jedoch psychisch süchtig - abhängig machen und zu Entzugserscheinungen führen, wenn sie plötzlich abgesetzt werden.(Was heißt, das wenn ein Entzug stattfindet der Körper reagiert. Der Unterschied zur psychischen Abhängigkeit ist der, das der körperliche Entzug besser überwunden wird)
Deshalb sollte die Dosis langsam nur reduziert werden. Heute gibt es jedoch so genannte Retard-Präparate, die den Wirkstoff verzögert freisetzen. Bei korrekter Einnahme dieser Medikamente ist deshalb die Suchtgefahr außerordentlich gering(Irgendwie wiedersprüchlich zum vorherigen Absatz).
Außerdem bleibt so die Konzentration über einen Zeitraum von 8 bis 12 Stunden weitgehend konstant. Schmerz-Pflaster haben einen ähnlichen Effekt.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 9. Oktober 2009, 10:38
von Lutz Otto
Corinna B. hat geschrieben:@ Lutz. Beeindruckend finde ich das der Mann von Albatros wieder schmerzfrei als Eisengießer arbeitet. Vielleicht habt ihr den Beitrag übersehen.
@Corinna: Wo wir wieder bei unterschiedlichen Schmerzarten/-empfinden sind.
Ansich hast du Ansatzpunkte zur Schmerztherapie aufgeführt, welche sicherlich einer Überlegung wert sind.
Andererseits ist es auch für einen NICHT chron. Schmerzpatienten schwer vorstellbar, das es für ein chron. Schmerzpatienten ohne erfolgreicher Schmerztherapie , überhaupt nicht mehr möglich ist am einen normalen Leben / Alltag teilzunehmen. Ich schreibe hier nicht, von gelegentlichen wiederkehrenden Schmerzen, obwohl diese auch schon für den jeweiligen Patienten sehr belastend sein können. Unternehmungen etc. sind so überhaupt nicht mehr planbar/ durchführbar.
Alles muss unter Vorbehalt geplant werden. Und ich glaube behaupten zu können, das durch diese bei mir angewendete Schmerztherapie, mir sehr viel an Lebensqualität zurück gegeben wurde. Jetzt kann man wieder darüber diskutieren, wenn aber .....und und und...........so hat jedes im Leben seine zwei Seiten. Wie schon geschrieben, für ein "Nicht -Betroffenen von chron. Schmerzen " alles sehr schwer nachvollziehbar.
LG Lutz
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 9. Oktober 2009, 11:00
von yasmin75
Zumal chronisch Kranke auch ganz anders Therapiert werden und das jede Schmerzzentren sehr genau wissen was für jeden Patienten optimal ist und man sicherlich nicht so lapidar in Kauf nimmt diesen von vornherein abhängig zu machen.
Ich war vor der OP Schmerzpatient mit einnahme von Opiaten und auch nach der OP,danach wurde gezielt und mit Plan ausgeschlichen,war nicht leicht aber es hat geklappt.
Jetzt läuft bei mir wieder eine Schmerztherapie wo penibelst darauf geachtet wird was für mich das Optimalste ist und da wird auch alles mögliche gefragt gemessen und erst zum Schluss entschieden,ist das Problem mit einer OP behoben oder neigt mein Gewebe generell dazu.
Erst wenn das alles durch ist wird entschieden was und wieviel ich nehmen soll.
Wenn ich Schmerzattacken bekomme die durchaus 3-5 Tage anhalten und ich manchmal so extrem Schmerzen habe und ich davon Ohnmächtig werde und zum Schluss entschieden wird das ich wieder Opiate brauche dann nehme ich diese,weil ich kein Risiko eingehen will das die Ohnmacht in einem Moment kommt wo ich mich oder einen anderen gefährden könnte.
LG
Yasemin
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 9. Oktober 2009, 11:32
von Norbert
Ich kenne das mit den Schmerzattacken sehr gut, hatte vor meiner OP etwa alle 8 Wochen einen akuten Schub, der dann mit immer stärkeren Schmerzmitteln, sprich Opiaten behandelt werden musste, sonst hätte ich das ganze auch nicht durchgestanden. Durch diese vielen Schmerzmittel brauchte ich auch nach der OP ziemlich viel davon, die ich aber innerhalb von 8 Wochen ohne Entzugserscheinungen ausschleichen konnte.
Seitdem bin ich schmerzfrei. Was mir damals auch sehr geholfen hat, war Entspannungsmusik über dem MP3-Player.
Die moderne Schmerztherapie ist ein Segen für alle, die unter chron. Schmerzen leiden. Wird diese richtig angewandt, ist das Leben auch wieder lebenswert. Das hat nichts mit Geschäftemacherei zu tun, da gibt es andere Bereiche, wo mehr Geld zu machen ist. Ich glaube auch, dass der Schmerztherapeut für den Betreffenden oft der letzte Ausweg ist. Wer nimmt schon freiwillig Opiate.
Für die Betroffenen ist es schon schlimm genug, dass sie in ihrem Umfeld meist Unverständnis dafür ernten. Es ist aber für viele der einzige Weg, wenn z.B. keine OP in Frage kommt oder ohne Erfolg blieb, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Norbert
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 9. Oktober 2009, 11:55
von Corinna B.
@ Norbert " wer nimmt schon freiwillig Opiate", da musste ich ein bisschen schmunzeln, es gibt eine ganze Menge Leute die Opiate nehmen - und sie eigentlich nicht bräuchten! Die klauen sogar Rezepte.
Damit meine ich aber wirklich nicht die chronischen Schmerzpatienten,ich weiß sehr wohl wie besch... sie dran sind.
Aber durch solchen Austausch können wir alle nur lernen.
Und nun habe ich an unsere Schmerzpatienten eine vielleicht ganz doofe Frage.
Wie macht Ihr das mit dem Einnehmen der Medis?
Meine Thyroxin muss ich nüchtern nehmen, dürfte dann 2 - 3 Stunden keine anderen Medis nehmen, weil die die Wirkung beeinträchtigen.
Mein Omep muss ich eine Stunde vor dem Essen nehmen, sollte da wegen eventueller Nebenwirkungen kein anderes Medikament dazu nehmen.
Die Schmerztabletten soll ich nicht nüchtern nehmen, die vertragen sich aber nicht mit den Magentbl.die soll ich aber wegen der Schmerztbl. nehmen... Dann dazu noch Kreon.Nicht zu vergessen die Blutdrucktabletten, die soll ich auch nicht nüchtern nehmen. Und das alles zusammen auf keinen Fall mit Kaffee. Johanniskrauttee greifft auch massiv in die Wirkung von Medikamenten ein. OK, den lasse ich weg.
Früher habe ich immer einfach alles zusammen geschluckt - und auch so im Krankenhaus bekommen. Ein angehender Mediziner hat mich jetzt auf die unterschiedlichen Wirkungen und Beeinträchtigungen hingewiesen.
Jetzt bin ich verunsichert. Ich bin zwar kein chronischer Schmerzpatient, aber wenn ich so einige Tbl. weglassen sinkt meine Lebensqualität und - dauer doch rapiede.
Re: Schmerztherapie allgemein!
Verfasst: 29. Juli 2014, 15:40
von krankenette
Hallo zusammen,
Ich finde Eure Aussagen sehr interessant und hoffe Ihr könnt mir einige Tipps geben. Meine Frau ist chron. Schmerzpatient und hat die letzten Jahre Tramadoltropfen genommen (zuletzt 3*100Tropfen täglich). Nach einer nekrotisierenden Pankreatitis, mehrfachen Stenteinlagen und Dauerschmerz, wurde sie letzte Woche operiert (magenerhaltende Pankeraskopfresektion). Weil die Schmerzmittel nur schwierig eingestellt werden konnten, lag sie 5Tage auf der Intensivstation. Noch ist nicht klar, ob sie Diabetis haben wird oder nicht. Meine Frage an die unter Euch, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder davon gehört haben, wie geht es nach dem KHaufenthalt weiter? Sollte meine Frau in die AHB, wenn ja wo? Sollte sie erst danach eine Schmerztherapie machen, wenn ja wo? Stationär oder ambulant? Wir kommen aus Recklinghausen. Hat jemand von Euch Erfahrungen in dieser Hinsicht und könnte uns einen Therapeuten oder eine Schmerzklinik empfehlen?
Vielen Dank für Eure Antworten im Voraus!
LG
Krankenette