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Bitte um eure Meinung

Verfasst: 10. Juli 2015, 16:21
von jayEm
Hallo zusammen,

ich habe mich hier angemeldet weil ich mich nach eurer Meinung zu meinem Krankheitsbild fragen wollte.

Erst was zu meiner Person: Ich bin männlich und 27 Jahre alt, treibe regelmäßig Sport, ernähre mich durchschnittlich und meiner Ansicht nach ausgewogen und trinke eher selten Alkohol und rauche auch nicht.

Seit knapp einem Jahr treten bei mir jedoch Schmerzen im Oberbauch Bereich auf. Verstärkt auch nach dem Essen oder auch mehrere Tage, nachdem ich Alkohol (in kleinen Mengen) konsumiert habe. Anfangs nur vereinzelnt, nach und nach jedoch vermehrt. Die Schmerzen an sich sind unterhalb des Brustbeins lokalisierbar und strahlen mitunter bis in den Rücken. Die Schmerzen an sich sind störend aber relativ aushaltbar. Was mich eher fertig macht sind die Begleitsymptome die sich in Form von dauerhafter Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Motivationslosigkeit, depressiver Verstimmungen und Kreislaufproblemen widerspiegeln. Zudem wird das ganze von dauerhaften Ziehen in den Waden (wie Krämpfe, hab ne Zeit lang Magnesium genommen, hat aber nicht geholfen) begleitet, was jeden Gang bei mir unsicher macht. Der Stuhl an sich ist breiig und nie fest. Außerdem kommt es vor, dass sich mein Darm mehrfach innerhalb kürzester Zeit entleert.
All die genannten Symptome treten schubweise auf, solch ein Schub hält dann ca. 1-3 Wochen an, dann geht es wieder für ein paar Tage gut und dann fängt das Ganze wieder von vorne an. In der Zeit in der es mir gut geht, ist auch der Stuhl wieder fest und fast alle Symptome verschwunden.

Bisher hat mich mein Hausarzt untersucht und auch eine Magen- sowie eine Darmspiegelung konnten keinen Aufschluss über eine mögliche Erkrankung geben. Laktose- und Fruktoseintoleranz wurden auch ausgeschlossen.
Der Hausarzt hat mich praktisch schon unter Reizmagen/darm abgestempelt. Ein Besuch in der Uniklinik Freiburg ergibt das gleiche. Dort waren auch alle Blutwerte im grünen Bereich (man muss aber auch dazu sagen, dass es mir an dem Tag in der Uni Klinik sehr gut ging, sprich dort hatte ich keine Beschwerden)

Habe mir dann noch eine Zweitmeinung bei einer Ärztin geholt, die Naturheilkundeverfahren anwendet. Sie hat gemeint, dass mein Säure-Basen-Haushalt gestört wäre und eine Weizenunverträglichkeit vorliegt. Deshalb habe ich eine Entgiftung gemacht und meide seitdem Weizen bzw. probeweise sogar Gluten. Nach dieser Entgiftung ging es mir 5-6 Tage richtig gut aber dann hat alles von vorne angefangen inkl. Blut auf dem Stuhl für 1-2 Tage.

Jetzt liegt mein Verdacht auf einer (chronischen) Bauchspeicheldrüsenschwäche, weil es von den Symptomen her einfach passen würde und ich mittlerweile sehr verzweifelt bin...
Mein nächster Schritt wäre nun meinen Arzt darauf zu drängen eine Stuhlprobe untersuchen zu lassen, was noch nicht geschehen ist.

Meine Frage wäre jetzt, ob sich eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse auch feststellen lassen würde, wenn man keine Symptome hat (sprich fester Stuhl, keine Beschwerden) oder ob man es nur nachweisen kann, wenn auch wirklich Symptome vorhanden sind.

Ich hoffe, es hat sich jemand die Mühe gemacht und diesen langen Text hier gelesen, es würde mir sehr viel bedeuten, wenn mir hier jemand mit Rat und Tat zur Seite stehen würde.

Wenn Fragen sind, einfach Fragen :)

Danke.

Grüße

Re: Bitte um eure Meinung

Verfasst: 10. Juli 2015, 18:54
von hugolein
Hallo JayEm,
ich bin keine Arzt und kann Dir nur aus meiner persönlichen Erfahrung ein paar "Tipps" geben, letztlich brauchst Du aber guten, ärztlichen "Beistand" dem Du vertraust und dem Du auch Deine Sorgen mitteilen kannst.

Die Diagnose "Reizdarm" ist m.E. eine "Verlegenheitsdiagnose" die gerne gestellt wird, wenn die Ärzte mit ihrem persönlichen Latein oder ihrem Budget am Ende sind. Sicherlich gibt es aber auch noch viele Zusammenhänge (gerade bei dem eher unangenehmen Thema Verdauung) die die Medizin (noch) nicht versteht oder die nur sehr schwer zu diagnostizieren sind und dann eben doch der "Reizdarm oder -magen" dafür her halten muss.

Mein Rat für Dich wäre, Dir einen guten Gastroenteorolgen zu suchen und u.U. darauf zu drängen folgendes zu prüfen:
- Wenn nicht schon geschehen, ein Ultraschall der BSD (falls Du viel Luft im Bauch hast, nimm vorher reichlich Lefax oder ein anderes Präparat)
- Stuhlelastase mind. 2x bestimmen lassen, aus versch. Proben wenn Du Symptome hast
- Lipase und Amylase im Blut, ebenfalls dann wenn Du Beschwerden hast
- Eine "einheimische Sprue" sollte auch geprüft bzw. ausgeschlossen werden
- vielleicht noch den Urin prüfen, ob mit deinen Nieren alles ok ist
Das ist soweit alles noch relativ "kostengünstig" und sollte eigentlich Standard sein.

Wurde auf Helicobacter bei der Magenspiegelung (Histologisch) geprüft?

Eine Darmerkrankung (Colitis o.ä.) wurde sicher ausgeschlossen, wobei es hier auch zu beachten gilt, daß es wohl auch Formen gibt, die sich - ich sage mal - eher am Ende des Dünndarms "verstecken" und auch schon mal übersehen werden, hier ist eben immer der Arzt gefragt der die Untersuchung macht. Oft geben die Blutwerte aber auch Auskunft darüber ob eine entzündliche Darmerkrankung vorliegt.

Deine Schmerzen hinter dem Brustbein können eben auch vom Magen kommen. Du schreibst daß es nach Alkoholgenuß auftrat, der Magen und der 12-Fingerdarm reagieren eben auch darauf und vielleicht sogar unmittelbarer als die BSD. Hast Du Sodbrennen oder ähnliches?
Warst du als die Gastroskopie gemacht wurde auch in einer beschwerdefreien Phase?
Bei Magenproblemen geben die Ärzte gerne Säureblocker (Pantoprazol, Omeprazol ... ) vielleicht ist es ein Versuch wert, es bei der nächsten Attacke zu probieren - sprich mit Deinem Gastro darüber.

Eine schlichte "Schwäche" der BSD sollte sich durch die Stuhlelastase zeigen, sowas scheint es schon mal zu geben ich würde aber denken daß es dann eben nicht in Schüben sondern eher permanent ist.
Für eine chronische BSD Entzündung bist Du eigentlich zu jung, vor allem für eine alkoholinduzierte. Allerdings gibt es leider auch diese autoimmunen Formen, ein versierter Gastroenteorolge sollte die Blutparameter dafür aber auch überprüfen.

Dann noch ein paar Fragen, die Du Dir selbst beantworten solltest um diese dann viellicht zusammen mit Deinem Arzt zu erörtern:
Hast Du Gewicht verloren?
Wieviel Zeit liegt zwischen den Schüben bzw. es ein "Intervall" zu erkennen?
Kannst Du einen Auslöser für die Schübe erkennen?
Wann tauchen die Beschwerden auf bei Hunger, kurz nach dem Essen oder erst 1-2 Stunden nach dem Essen?
Würde es für Dich "Sinn" machen (und praktikabel sein) ein Essens- und Beschwerdetagebuch zu führen, um eventl. Auslöser erkennen zu können?
Gibt es Allergien oder andere Autoimmunerkrankungen bei Dir bzw. in Deiner Familie?
Gibt es sonstige Erkrankungen in der Familie bzgl. des Verdauungsstraktes?
Zuletzt noch solltest Du Dir die Frage nach Deinem "Stresslevel" beantworten, gab es einschneidende, negative Erlebnisse?

Abschließend möchte ich noch sagen, nicht nur als Versuch Dir die Angst zu nehmen, daß ich mir vorstellen kann, daß Deine Beschwerden eher vom Magen verursacht werden oder u.U. Gallengrieß oder eben auch der 12-Finger-Darm dahinter steckt. Alkohol (vor allem Hochprozentiges) schädigt nicht nur die BSD sondern kann eben auch direkt auch auf den Magen "schlagen" und eine Gastritis auslösen die dann nach ein paar Tagen langsam wieder abklingt.

Ich hoffe Du machst Dir nicht zuviele Sorgen und findest einen guten Arzt der Dich begleitet. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eben gerade das die größte Schwierigkeit ist und man manchmal einfach auch hartnäckig sein muss und vor allem informiert.

Ich wünsche Dir Alles Gute und ToiToiToi
Viele Grüße
Hugolein

Re: Bitte um eure Meinung

Verfasst: 10. Juli 2015, 19:52
von jayEm
Hallo Hugolein,

vielen Dank für die schnelle Antwort und deine Tipps.

Also einen Ultraschall habe ich schon bekommen, war auch zu der Zeit in der es mir gut ging. Laut Bericht war die BSD "soweit man sie erkennen konnte unauffällig".
Die restlichen Tests werde ich dann in absehbarer Zeit bei einem Arzt machen lassen.

Ob auf Helicobacter bei der Magenspiegelung geprüft wurde, kann ich nicht sagen, es wurden Proben entnommen und alles war soweit unauffällig.

Ich denke, es ist nicht auszuschließen, dass die Schmerzen unterhalb des Brustbeins auch von der Magenseite herrühren, ich weiß es schlichtweg einfach nicht. Sodbrennen oder dergleichen habe ich eigentlich nie, die Gastroskopie war auch in einer relativ beschwerdefreien Phase.
Die Säureblocker habe ich in der Anfangszeit, als es angefangen hat ,genommen, da ich vor ein paar Jahren eine leichte Entzündung der Speiseröhre hatte.
Die Säureblocker haben allerdings auch nichts bewirkt.

Zum Thema Alkohol: Das ist momentan auch nur ein Verdacht meinerseits. Ich habe das letzte Jahr über meinen Alkoholkonsum praktisch eingestellt. Wenn dann hin und wieder alle paar Wochen mal ein Bier. Mir ist im Nachhinein nur aufgefallen, dass ich nach dem Konsum (verzögert mit 2-3 Tagen) wieder vermehrt Probleme bekommen habe und die Symptome richtig stark zugenommen haben.

Als Beispiel war jetzt letztes Wochenende: Mir ging es richtig gut, dann habe ich Freitag Abend 2-3 Bier getrunken, am Sonntag Nachmittag kamen dann die ersten Vorboten zum Schub und seit Montag geht es mir wieder schlecht. Vielleicht lag es auch am Essen (Grillen)...ich weiß es nicht. Ansonsten kann ich noch keinen Zusammenhang erkennen zwischen Nahrung und Auftritt der Schübe.

Ich werde auf jeden Fall als ersten Schritt die Untersuchungen des Stuhls & Blutes machen lassen, wenn die Symptome richtig stark sind und dann weiterschauen.

Vielen Dank!